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Tuerkei 28.05.- 17.06.2008
Nach der sehr schoenen Fahrt von Denizli nach Fethiye erreichen wir am
28.05. im Laufe des
Nachmittages, Oluedeniz. In einem Talkessel, von hohen Bergen mit zwei,-
bis dreihundert Meter hohen, fast senkrechten Felswaenden umgeben,
liegt dieser malerische Ort direkt am Meer. Mit einer vor gelagerten
Inselgruppe, fast kitschig schoenem, in verschiedenen Blautoenen
gefaerbtem, kristallklarem Wasser und dem sauberen Sandstrand,
fasziniert Oluedeniz zu recht, Touri's aus der ganzen Welt. Hier finden
aktive, sportliche
Leute beim Tauchen, Gleitschirmfliegen, Klettern, Biken oder
Motorradfahren genau so viele Angebote wie klassische Hotelgaeste. Wir
finden
etwa zwei Kilometer ausserhalb Oluedeniz unseren Traumstrand und nennen
ihn sofort, türkisches "Koh Samui"!
Ein zweihundert Meter langer Sandstrand, ein Schatten spendendes
Pinienwaeldchen, das schon erwaehnte kristallklare Wasser , eine Freiluftdusche und ein Brunnen mit Trinkwasser, ist
unser neuer Rastplatz. Wir teilen dieses Paradies die naechsten Tage zuerst mit einem
italienischen, dann mit einem franzoesischen Ehepaar. Die Franzosen sind
sehr gespraechig und erfahrene Globetrotter. Wir nehmen ihre Tip's
betreffend Iran, Pakistan und besonders jene ueber Indien gerne entgegen.
Wir erfahren von den interessanten, aufgestellten Leuten, dass sie in
unserem Alter sind, vor zehn Jahren ihre Firma verkauft haben und
seither fast pausenlos, vorwiegend in Afrika unterwegs sind. Da bist du knapp zwei
Monate unterwegs, glaubst du haettest schon viel gesehen, viel erfahren
und dann triffst du Leute, die zehn Jahre auf dem Buckel haben, die
begeistert, fasziniert erzaehlen und von der Reiserei noch kein bisschen Muede
sind. Mir wird bewusst das ist ein neues Geschaeft, du bist wieder
der "Stift". Jetzt habe ich doch erst kuerzlich bei Hansi, dem
unbestrittenen Grossmeister des Radrennsportes meine Lehre abgeschlossen
und schon stecke ich wieder mitten in
einer neuen Ausbildung. Ich muss
wieder unten durch, ich muss wieder Angriffe abwehren und ich erfahre,
dass auch in diesem Job, fuer Unaufmerksamkeit, Naivitaet oder mangelnde
Erfahrung Lehrgeld bezahlt wird. Fünf Tage traeumen, joggen, biken, baden und lesen wir an dem herrlichen
Fleck. Dann geht es weiter zum Saklikent-Canyon. Eine Kilometer lange
beeindruckende Schlucht. Am Anfang gemuetlich breit, wird sie
immer enger und hat weder Bruecke noch Steg. Man watet teilweise bis zu
den Hueften im kuehlen, klaren Nass und bestaunt die vom Wasser in den
weissen Marmor geschliffenen Formationen. Nach ca. zwei Kilometern
kommen sich die, bis zweihundert Meter hohen Waende immer naeher, die
Schlucht wird dunkler, die zu ueberwindenden Hindernisse groesser und
der ab
und zu, zu durchquerende, reissende Bach zieht dir fast die Hosen aus. Wir
haben in so einer Situation umgekehrt und uns am Eingang zur Schlucht,
in einer gemuetlichen Beiz am Bach etwas einheimisches servieren
lassen. Ulla versucht sich dabei noch auf tuerkisch und holt sich damit
die Sympathie der Wirtin. Schon zwei, drei Woerter koennen Wunder
bewirken oder Fehleinkaeufe verhindern.
Darum ueben wir fleissig!
Wir bewegen uns weiter der Kueste entlang. Von Kemer ueber Kas, Kale,
Komluca bis Tekirova. Dabei lassen wir eine sehr schoene Region und
eindrueckliche Kuestenstrasse hinter uns. Wir lassen aber auch bewusst
all die Sehenswuerdigkeiten dieser Gegend aus, weil wir meinen genuegend historische Staetten, Theater und Restbestaende alter Tempel
gesehen zu haben. Wir uebernachten auf einem wilden Camping am Meer und
fahren dann weiter nach Antalya. Hier besuchen wir die Altstadt und
lassen "friieda" auf einem bewachten Parkplatz stehen. Aufregend
ist
dabei nur, dass wir auch die Wagenschluessel abgeben muessen! Ob wir das
wieder einmal tun???
Bevor es in das Landesinnere geht, wollen wir uns noch ein wenig am
Meer erholen. Die Temperaturen sind perfekt, tagsueber warm, nachts
angenehm kuehl und die Wassertemperaturen um die fuenfundzwanzig Grad .
Ideal fuer pensionierte, aeltere Leute! Auf Umwegen finden wir den
Nostalgie Camping, etwa zehn Kilometer nach Manavgat. Ein absoluter
Gluecksfall! Ein idyllischer, sauberer, kleiner Platz mit Stil und
Atmosphaere, gefuehrt von "Vreni von Weesen" Eine tapfere Frau die sich
in der von Maennern dominierten Gesellschaft behauptet und ihr
eigenes Paradies verteidigt, hegt und pflegt. Es ist zu schoen, wir
bleiben vier Tage! Bei Vreni treffen wir auch interessante Leute. Ein
Ehepaar von Lachen
auf Urlaub und ein deutsches Ehepaar die mit zwei Knaben in ihren
siebeneinhalb Tonnen schweren Fahrzeug auf grosser Reise sind und von
Namibia kommend, sich in Mittel-, oder Nordamerika ein neues Zuhause
suchen wollen. Eine faszinierende Familie, schult ihre Kinder selber,
lebt selbstaendig in voller Zuversicht und
Gottvertrauen. "bol sanslar!"
Die Fahrt von Vreni nach Akseki, Cevizli bis Beysehir war wunderschoen.
In Beysehir besuchen wir die Esefoglu-Moschee und uebernachten frei am
See. Naturliebhaber sollten diese Gegend unbedingt besuchen und dann
wie wir, ueber die 330 nach Konya fahren. Eine einsame,
traumhafte, landschaftlich sehr abwechslungsreiche Hochebene mit einer
vielfaeltigen Flora in einer unglaublichen Farbenpracht. Wir
machen auf ca. 1450 Meter Hoehe einen Halt, fotografieren Blumen und
werden prompt von einem Mann zum Tee eingeladen. Jammerschade, dass wir
ihn nicht verstehen. Seine Umarmung beim
Abschied war jedoch verstaendlich und herzlich.
"çok tesekkuer ederim".
In Konya schauen wir uns mit einigen Tuerken das Spiel Schweiz-Tuerkei an! Tags darauf geht es staunend durch
eine weitere beeindruckende Gegend ueber Aksaray in Richtung Ankara. Auf
dieser Strecke passieren dann einige ganz wichtige Dinge. In Aksaray
gehe ich nach dreissig Jahren "Meili Flums", zum ersten mal zu einem
anderen Friseur, zu einem tuerkischen "Kuafoerue"! Mit Kurzhaarschnitt und frisch rasiert fahren
wir
weiter. Da uns die Gegend so gut gefaellt entschliessen wir uns,
kurzfristig irgendwo wild zu stehen. Wir nehmen eine Seitenstrasse und
steuern auf eine einsame Baumgruppe zu, sehen dahinter einen grossen
Brunnen und am Hang Menschen die sich mit Schafen beschaeftigen.
Wir
stoppen den ersten Traktor, stottern etwas auf Englisch und erhalten
prompt Antwort in lupenreinem Deutsch. Klar koennt ihr hier uebernachten,
setzt einige Hieroglyphen auf ein Blatt Papier und sagt, wenn dich jemand
anspricht, zeigst du ihm einfach dieses Papier. Da stehen wir nun,
hinter uns karge kaum bewachsene Huegel, vor uns eine trockene, aber
bewirtschaftete Ebene und dann der gewaltige Salzsee! Wir parkieren "friieda"
machen einen kleinen Spaziergang und lassen all das auf uns einwirken.
Wir sehen die herrliche Gegend, bewundern erstmals die farbenpraechtige
Blauracke (ein tuerkisfarbener Vogel) und sehen einer Art Murmeltier bei
ihrem Spiel zu. Nach dem Fruestueck ist an dem grossen Brunnen
Hochbetrieb.
Schafe werden getraenkt und Frauen waschen Schafwolle! Als sich Ulla
nuetzlich macht und kraeftig zugreift ist der Spass perfekt. Es wird
geklopft, gespuelt, geklopft und wieder gespuelt. Waehrend die Frauen
arbeiten und mit Ulla ihren Spass haben betrachte ich die Sache von
einem nahegelegenen Huegel. Gegend Mittag verabschieden wir uns. Die
wunderschoene Landschaft lasst uns nicht los! Eine weite Ebene flankiert
von sanften Huegelzuegen begleitet uns auf der Fahrt nach Ankara.
Wir wollen noch einmal wild campieren, Ankara kann warten. Ein kleines
Dorf abseits der Hauptstrasse scheint uns genau das Richtige zu sein.
Ein aelterer Mann ist sofort sehr hilfsbereit, er zeigt uns ein Plaetzchen
mit praechtiger Aussicht mitten im Dorf, orientiert gleichzeitig die
Nachbarn und versichert uns, dass wir hier ruhig schlafen koennen.
"Isviçre" im Dorf, das ist nicht alltaeglich. Wir erhalten fleissig Besuch und werden prompt von
einem achtzig jaehrigen Mann zum Tee eingeladen. Sein um fuenf Jahre
aelterer Nachbar stoesst dazu und wir unterhalten uns auf tuerkisch!
"ha,ha,ha" Ulla riecht an den Rosen, lobt den tatsaechlich sehr gepflegten Garten
und erhaelt frische Petersilie zum Abschied! Wir machen uns einen feinen
Salat und geniessen spaeter die absolute Ruhe.
Die Begegnungen der letzten Tage waren wirklich gut, sie waren
eindruecklich, die Landschaft traumhaft und wir sind geruestet fuer die sechs Millionen Metropole Ankara.
Wir wollen auf den Otopark Zitadelle im Zentrum, sehen die Burg auf dem
Huegel zwar schon von weitem finden aber die Zufahrt nicht. Ich frage
einen Polizisten nach dem Weg. No problem sir, steigt zu seinen Kollegen
in den Streifenwagen und faehrt uns bis zum gewuenschten Platz voraus.
Ein Laecheln, ein kurzes "Winke, Winke" und unsere Helfer sind
verschwunden. Wir gehen zu Fuss zur Zitadelle und geniessen die
herrliche Rundsicht ueber die Stadt. Ankara ist echt, nicht auf
auslaendische Touri's getrimmt, man laesst dich in Ruhe, du kannst Ware
anschauen, falls jemand Lust dazu hat, sogar an den in Massen aus
Pakistan importierten Textilien riechen, sie betatschen oder einfach
durch den Basar bummeln, ohne staendig zum Kauf dedraengt oder
angequatscht zu werden. In Ankara sollte man die Zitadelle, das Atatuerk
Mausoleum das Museum fuer Anatolische Zivilisationen, die
Kocatepe-Moschee und die Maerkte Ulus und Hisar besuchen. Touristenvisas
fuer zwei Monate sind in Ankara nicht oder nur mit einer Wartezeit von
ca. zwoelf Tagen erhaeltlich. Das haben unsere Besuche auf den
Botschaften von Iran und Pakistan gezeigt. Fuer Iran muessen wir einen
Antrag ueber das Internet stellen und hoffen, dass wir die
Einreisebewilligung auf der iranischen Botschaft in der grenznahen Stadt
Erzurum erhalten. Die Visas fuer Pakistan werden wir in Theran
beantragen.
Da wir grundsaetzlich sehr optimistisch sind, vertrauen wir den Beamten,
setzen unsere Reise in Richtung Osten fort und freuen uns auf
Kappadokien. Von dort, und ueber die Visa-Geschichte informieren wir
euch im naechsten Bericht.
Bis bald, Guele, Guele
Ulla&Kari
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