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Tuerkei 02.07.- 18.07.2008
Ulla war hinter unserem neuen, selbst gebastelten, geilen Fliegenvorhang
gerade dabei ihre letzte Aprikosenkonfituere die sie aus den ueberall
herumliegenden Fruechten gekocht hatte, in Gläser abzufüllen und ich habe
Bericht neun ins Netz hochgeladen, als Hausi aus Münsingen mit seiner
huebschen Freundin auf dem Kaya-Camping eintraf. Beide sehr
interessante Persoenlichkeiten. Hausi radelt als IT-Unternehmer und Chef
von Client Systems zum zehnjaehrigen Jubilaeum seiner Firma mit dem Velo
von Tibet in die Schweiz. 12'000 km für "cycle for water 2008", für
sich selbst und einer guten Sache zu Liebe. Wir sind beeindruckt aber
auch froh die beiden jungen Leute getroffen und mit ihnen einige Stunden
verbracht zu haben. Wer mehr darueber wissen moechte sollte
www.bike-travel.ch
anklicken.
Von Goereme ging es fuer uns dann weiter ueber Kayseri, vorbei an dem
dominanten, fast viertausender "Erciyes" ueber eine weitere einmalige,
karge Hochebene. Auf zirka einhundertfuenfzig Kilometer, begleiten uns
auf der teilweise nicht asphaltierten , staubigen Strasse sanfte Huegel,
weites, grosszuegiges aber kaum fruchtbares Hochland. Wir wundern uns
ueber die kleinen, einfachen Behausungen und fragen uns, von was
die wenigen aber offenbar nicht verwoehnten Menschen auf fast
zweitausend Meter ueber Meer leben. Kurz vor Darende verlassen wir die
Hauptstrasse und suchen einen Uebernachtungsplatz in einem kleinen Dorf.
Dieses liegt von hohen kargen Huegeln umgeben, wie eine kleine Oase im
Tal, am Bach. Schatten spendende Pappeln saeumen den durchs Tal
fliessenden, fuer ueppiges Wachstum sorgenden Bach und staunende
Menschen fragen sich vor ihren einfachen Haeusern aus Tuffstein was die
Touris hier wohl suchen. Ein junger Mann ist uns behilflich, fuehrt uns
in den Hof seines Vaters und wir stehen wieder einmal majestaetisch.
Dann ueberschlagen sich die Erreignisse, wir werden begruesst, besucht
und zwei Stunden spaeter sind wir die Attraktion an einer Hochzeit.
Maenner und Frauen werden getrennt, die Maenner sitzen am Bach, die
Frauen im Hof, es wird gegessen, geredet und getanzt. Ulla fuehlt sich
unter den Frauen bedeutend besser als ich mich in der zum Teil
duesteren Maennerwelt. Am anderen Tag werden wir schon frueh besucht
und zu einem Glas Milch in den blitz, blank gereinigten und heimelig
gestalteten Innenhof eines einfachen Bauernhauses eingeladen. Die
Gastfreundschaft ist wieder einmal ruehrend. Wir werden herzlich
willkommen geheissen, "hos geldiniz" Ulla erhaellt vom Bauer eine Rose,
heisse Milch und Broetchen werden aufgetischt und natuerlich schauen bei
dieser Gelegenheit auch die Dorfaeltesten vorbei. Eine halbe Stunde spaeter
sitzen wir im Hof unseres
Gastgebers. Wir sitzen unter alten Baeumen auf einer mit Decken belegten
und mit Kissen gesaeumten Buehne, im "Schneidersitz" und geniessen im
Kreise der Grossfamilie ein komplettes, unvergessliches Fruehstueck.
Unsere Reise fuehrt uns weiter durchs Gebirge, die Benzinuhr leuchtet
auf und schreit nach Tankstelle! Ein kurzer Blick auf die Strassenkarte
und wir wissen, dass uns noch ca. sechzig nervige Kilometer erwarten.
Die Fahrweise wird dem Umstand angepasst und "friieda" haelt
tatsaechlich bis zur naechsten Zapfsaeule durch. Wir lassen den
staunenden Tankwart 97 Liter Diesel einfuellen (wir hatten also noch
gerade schaebige 3 Liter an Bord) und nehmen uns vor, dieses Risiko nicht
wieder einzugehen. Ein giftiger Seitenhieb der Finanzministerin in
Richtung Verkehsminister ist in solchen Situationen garantiert. Ich
steure friieda" vollgetankt aus den Bergen ueber die riesige mit tausenden von Aprikosenbaeumen
bepflanzte Ebene, Malatya entgegen. Nach einem kurzen
Rundgang im Stadtzentrum, bei ca. 36 Grad, in engen Gassen, dem mit Ware ueberfuellten Basar und den vielen Menschen, haben wir uns
fuer die Natur, die Ruhe und die frische Luft entschieden. Also "friieda
" starten, aus der Stadt, bergwaerts den "Kubbe" ansteuern. Die nach dem
Nemrut Dagi fuehrende Passstrasse geht auf ca. 2000 Meter
ueber Meer und ermöglicht uns aus der kargen Bergwelt immer wieder
herrliche Blicke in die grünen Taeler. Nach einem Abstecher in Puetuerge
und dem Besuch von "Timo", einem Bekannten von Sissi und Margot, haben
wir am 08.07.08 den sagenumwobenen Berg Nemrut erreicht. Der Nemrut
steht in der Geschichte Mesopotamiens fuer die Vereinigung oestlicher
und westlicher Zivilisationen. Hier bewundern Touristen sowohl den
Sonnenaufgang, als auch den Sonnenuntergang, stehen vor meterlangen
Steintafeln auf denen die Kultur der Kommagenen und die Gesetze des
Antiochos eingemeisselt sind, bestaunen die ueberdimensionalen Statuen
oder das aelteste Horoskop der Welt und raetseln, vor dem
geheimnisvollen Grab stehend, wie das vor zweitausend Jahren wohl alles
auf den Berg mit 2150 Metern ueber Meer gekommen ist. Wir mussten die
geplante Uebernachtung auf dem geheimnisvollen Berg wegen sehr starkem
Wind an einen ruhigeren, einsamen Standplatz etwas tiefer, aber immer
noch hoch ueber dem Tal
verlegen. Die interessante Fahrt auf der Naturstrasse zurueck ins Tal
hat Spass gemacht. Wir steuern unsere "friieda" ueber Kata, Adiy Aman
auf den Atatuerk Staudamm zu. Auf der Suche nach einem geeigneten
Standplatz hat ein alter Kurde mit einer eindeutigen Handbewegung Ulla
unmissverstaendlich klar gemacht, was er von Frauen haelt, sie auf den
Ruecksitz unserer "friieda" boxsiert und damit ihr ohnehin
angeschlagenes Verstaendnis fuer die hier geltenden Gepflogenheiten arg
strapaziert.
Fuer mich war es lustig und der alte Diktator hat zumindest fuer
Gespraechsstoff gesorgt! Es sind nicht nur solche Ereignisse, es sind
auch die deutlich einfacheren Behausungen, die vermehrt konservativ
gekleideten Frauen und die immer seltener werdenden Touris die uns
verdeutlichen, dass wir ostwaerts fahren!
Wir besuchen den Atatuerk-Staudamm, ein gewaltiges Projekt das dafuer gesorgt hat, dass
der karge Boden Suedostanatoliens fruchtbar wurde und nebenbei 27
Milliarden KW/Std. Hydroelektrische Energie erzeugt. Noch beeindruckt
von der Technik
fahren wir zwei Stunden spaeter durch die Tore von Sanilurfa, dem
Geburtsort Abrahams, besuchen den legendaeren, in einem wunderschoenen
Park gelegenen Fischteich, natuerlich die Moschee und feiern am Abend in
einem Restaurant im Park "three months on the road".
Waehrend wir die bunte Menschenmenge beobachten, ertoent aus der nahe gelegenen Moschee wunderschoene, religioese Musik.
Dies ist sicher interessanter, als ein staendig durch Werbespots
unterbrochener Fernsehfilm ueber sich
ergehen lassen zu muessen! Wir erledigen in der Altstadt noch unsere
elektronische Post und staunen erneut wie kontrovers sich in dieser
Gesellschaft arm, - reich, alt, - neu oder konservativ, und
liberal begegnen.
Von Sanilurfa, ueber Siverek bis Diyarbakir ist ueber einhundertsiebzig
Kilometer flaches, oedes Land und eigentlich nicht's als Steine zu
sehen.
Dafuer ist die Strecke oestlich der Stadt Diyarbakir bis nach Bitlis und
Tatvan absolut sehenswert. Einer, ueber hunderte von Quadratkilometern
grossen Kornkammer folgt eine eindrueckliche Bergstrasse, das alte,
echte Bitlis und spaeter Tatvan am Vansee. Kurz vor Tatvan folgen wir
einer
Hinweistafel fuer den gleichnamigen "Nemrut Goelue", einem Vulkansee auf
2250 Meter ueber Meer. Der in einem ca. 48 Quadratkilometer
grossen Krater gelegene See ist etwa halb so gross wie der Walensee,
sehr schoen gelegen, ruhig, gutes Klima also ideal fuer eine viertaegige
Verschnaufpause. Hier treffen wir ein Schweizer Paerchen die mit dem
Fahrrad die Gegend erkunden, hoeren von der Entfuehrung der Deutschen am
Ararat und stossen spaeter auf Wolfgang aus dem Raum Stuttgart. Der
vielbereiste Mann ist allein mit dem Motorrad unterwegs, kennt sich aus und ist ein angenehmer, interessanter Gespraechspartner. Wir verbringen
mit ihm am Nemrut Goelue einige gemuetliche Stunden, verabschieden uns
am Morgen des vierten Tages, ohne zu wissen, dass wir uns noch
gleichentags bei Athamar am Vansee wieder treffen.
Wir sind jetzt einhundert Tage unterwegs, die Sache wird taeglich
spannender, die zu verarbeitenden Bilder haerter und unsere Diskussionen
wie
wir uns verhalten und wie wir den Menschen begegnen sollen, zeigen, dass
wir diesbezueglich unterschiedliche Ansichten haben. Wir wissen
aber, dass die Osttuerkei erst das "amuese bouche" unseres Mehrgaengers
ist, freuen uns auf die Vorspeise und
sind zuversichtlich bis zum Hauptgang (Indien) die gebotene Kost
leichter zu verdauen.
Wir werden in ca. zwei Wochen in den Iran einreisen, vorher aber
nochmals ueber die letzten Erlebnisse unserer Tuerkeireise berichten mit
einer Zusammenfassung aufwarten und dabei sicher auch einige heikle,
gesellschaftspolitische Punkte ansprechen.
Wir wünschen allen schoene Sommerferien,
Ulla&Kari
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