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Tuerkei 18.07.- 02.08.2008

Am Freitag dem 18.07.08 haben wir uns vor Gevas, auf einem Campingplatz direkt am Vansee und vis à vie der Insel Akdamar eingerichtet. Es ist
schon interessant, was sich da im Osten, alles Campingplatz nennt!  Ein gut gekleideter junger Mann, Jaens, weisses Hemd, lange, spitzige Schuhe, perfekter Kurzhaarschnitt und das obligate Handy, für alle sichtbar auf sich tragend, begrüsst uns. So, wie jeder in diesem Land das tut,  sehr herzlich mit: "hos geldiniz". Er zeigt uns stolz das schoene Areal mit Seeanschluss, das abbruchreife Hauptgebäude und die wirklich originelle Dusche. Diese besteht aus einem abseits stehenden Bretterverschlag, einem alten blauen Vorhang und auf dem Dach ist ein gelbbrauner Behälter mit abgestandenem Wasser. 10 türkische Lira pro Tag und wir sind dabei!  Okay, wir parkieren "friieda" unter den Baeumen am See, befreien die naehere Umgebung vom ueberall herumliegenden Muell, Plastiksaecke, Dosen, Flaschen und allerlei Papier, installieren unsere Solardusche und machen es uns gemuetlich. Noch am selben Nachmittag gehen wir zu Fuss ins Nachbardorf um einige Dinge wie Brot, Milch, Tomaten oder Gurken zu besorgen. Obwohl wir auf dieser Reise schon einiges gesehen haben, haben wir unseren Augen zuerst nicht getraut. Das darf ja wohl nicht wahr sein! Eine Ansammlung alter, halb zerfallener Tuffsteinhaeuser mit Grasdaecher, im Hof, Tuerme aus getrocknetem Mist, (Heizmaterial fuer den Winter), Heuhaufen, (Futter fuer die Kuh oder Ziege) und ueberall, unzaehlige kleine Kinder, Huehner, Katzen und Hunde. Unsicher, kaum nach links oder rechts schauend und wohl wissend, dass wir aus jeder "Huette" von mindestens zehn Augen gemustert werden, gehen wir durch die lehmigen Gassen auf die Moschee und den Market zu. Da spielt sich das Leben ab, da sitzen sie, die Maenner, schwatzen, meditieren und trinken Tee. Sie brauchen keine Bestuhlung, sitzen auf dem Boden, oder kauern die laengste Zeit in einer, fuer uns unbegreiflichen Position auf der Strasse, ueben sich in Geduld und lassen ihre Frauen daheim oder auf dem Feld arbeiten. Die Begruessung war herzlich, der "Market", ein kleines Laedeli, enttaeuschend, aber der Spaziergang ein eindrueckliches Erlebnis.  
Unser sogenannter Campingplatz wird von Einheimischen relativ stark frequentiert und als Picknickplatz benuetzt. Wir werden oft eingeladen. Die Leute bringen uns Tee, Gegrilltes, Salat und Ekmek (Brot), bewundern unsere Hochlehnerstuehle und staunen, dass man einfach da sitzen und ein Buch lesen kann. Beim Abschied wird noch "friida" gemustert, gelobt oder bestaunt und dann, dann werden all die Handys als Fotoapparate eingesetzt und die so komisch aussehenden Touri's mit Seltenheitswert, mal mit, mal ohne Kinder abgelichtet. Zum Schluss machen wir noch kurz auf Koerperkontakt, druecken unsere Leiber und Koepfe zusammen, schuetteln die Haende und winken uns beim Abschied zu, als wuerden wir uns schon jahrelang kennen. Ob Tuerke oder Kurde, eines haben sie gemeinsam, sie sind Picknick-Weltmeister. Sie haben einfach alles dabei. Von der riesigen Decke, ueber den Teekocher  bis zum kleinsten Utensil das es braucht um meist zwei, drei Grossfamilien auf einmal zu verkoestigen  und den, so wichtigen Kontakt zu Familie und Freunden zu pflegen. Leider lassen die meisten, an den schoensten Plaetzen, alles, aber auch wirklich alles liegen, was man sich nur vorstellen kann!!!
Ein Steinwurf eines entgegen kommenden Autos hat "friieda's" Windschutzscheibe springen lassen. Wir besuchen in Van eine Mercedes Garage und bestellen eine neue Scheibe. Der zustaendige Chef erklaert uns , dass wir in vier Tagen wieder vorbei schauen sollen, damit seine Crew uns dann eine neue, original Sprinter 316 Windschutzscheibe montieren koenne. Am Vorabend des vierten Tages fahren wir vor und parkieren unsere Lady vor der Garage. Der Sache nicht so recht trauend und auf einiges gefasst, fragen wir nach, wie es um unsere Scheibe und den Termin
steht. Was dann geschah, war eine einzige Ueberraschung! Wir konnten direkt vor der Garage uebernachten. Das Gelaende wurde von einem Waechter bewacht und wir erhielten sogar von der Polizei Besuch. Drei Mann stark, wollten sie wissen wie es uns geht, wussten natuerlich von der zu wechselnden Scheibe, machten ein wenig auf "small talk" und fragten uns tatsaechlich, ob sie uns ein Bier bringen sollten. Am Tag
darauf wurde die Scheibe wie vereinbart, unter unseren Augen und professionell ausgewechselt. Termineinhaltung und Arbeit perfekt, bravo!!!
Die Wartezeit auf die neue Frontscheibe haben wir auf besagtem Campingplatz verbracht. Lesen, Musik hoeren, mit den Kurden picknicken, und ab und zu im Vansee ein Bad nehmen. Dieser herrlich gelegene See ist siebenmal groesser als der Bodensee und hat seit dem Vulkanausbruch am Nemrut kein Abfluss mehr. Obwohl er staendig mit Suesswasser gespiesen wird, sorgt die Verdunstung fuer ein konstantes Niveau des Wasserspiegels und den hohen Gehalt an alkalischen Stoffen, wie Soda. Die Insel Akdamar mit der Kirche "zum heiligen Kreuz" ist sehenswert, fuer die Region sehr wichtig und das touristische Highligt schlechthin. Wir meinen, die Insel werde in den Prospekten und Reisefuehrern jedoch, hoffnungslos ueberbewertet. Auf Akdamar wurden wir von einer modernen jungen Frau angesprochen und wie so oft, in ein interessantes Gespraech verwickelt. Die Fragen sind dann jeweils sehr direkt und ausweichende Antworten werden kaum akzeptiert. Bei solchen Unterhaltungen kommt das Verhaeltnis zwischen Mann und Frau, die Rollenteilung, voreheliche Beziehung oder wie man sich bei uns kennen lernt genau so zur zur Sprache wie die Frage nach dem Alter, Hoehe der Pension oder die Anschaffungskosten von "friieda". Kritisch wird es eigentlich erst, wenn die Leute wissen wollen, wieviel von unseren Zaehnen noch echt sind!!!
In Van kaufen wir endlich unseren Fotodrucker. Der kleine Sublimationsdrucker Selphy 740 von Canon, laesst uns Bilder in Postkartenformat in sehr hoher Qualitaet, direkt ab Fotoapparat ausdrucken. Einige Tage spaeter sind wir auf dem Weg nach Erzurum, in Kargapazari, Gaeste einer kurdischen Familie. Wir haben in der landschaftlich wunderschoenen Gegend nur nach einem Uebernachtungsplatz gefragt, hatten aber sofort Familienanschluss und Ulla war gleich die Attraktion für die Frauen des Dorfes. Es ist auffallend wie offen, herzlich und unkompliziert diese  miteinander umgehen. Trotz Sprachschwierigkeiten wird oft und schnell gelacht, das Haus, der Garten und der Kuhstall gezeigt ja sogar Kleider werden ausgetauscht, die Gesichtsmaske faellt und das Kopftuch wird lockerer getragen. Die Leute lassen sich wie ueberall, sehr gerne fotografieren und ein paar Bilder als Gastgeschenk ist wohl das Grösste!  Unser Selphy war eine gute Anschaffung, er hat beim ersten Einsatz voll ins Schwarze getroffen. Dann ging alles sehr schnell! Eine herrliche Fahrt ueber einen Pass, vorbei an typischen, die Osttuerkei so praegenden Doefern und wir sind in Erzurum. Hier wollen wir auf der iranischen Botschaft unsere Visas abholen. Wir haben Glueck und finden im Park eines Restaurants, unter Baeumen einen schattigen Standplatz mit Internetanschluss. Der junge Manager ist uns gut gesinnt, laesst uns frei stehen, seine Infrastruktur benuetzen und uns unsere Geschaefte erledigen. Beim zweiten Anlauf auf dem Konsulat sind wir schon nach zwei Stunden stolze Besitzer  der so begehrten Stempel. Weil unserer Einreise in den Iran, ab sofort nichts mehr im Wege steht, montieren wir unsere Kopie von SG 244 860 (Fabrikat; Thuri Frank, Weststrasse in Zuerich) und schicken unser Original nach Hause. Falls die Dinger dort jemals ankommen, kriegen wir von der Versicherung Geld zurueck das wir dann im Iran oder Pakistan wieder investieren koennen. "friieda" ist also immer noch ein Unternehmen. Es hat zwar bescheidene Ertraege, investiert diese aber postwendend, es ist gut organisiert, die Aufgaben sind klar verteilt und die Entscheidungswege dank der flachen Organisationsstruktur sehr kurz. Wenn weiterhin alles so prima verlaeuft, werden wir Unternehmen "friieda" im Iran oder in Pakistan zertifizieren lassen!
Die letzten Tuerkei-Tage verbringen wir auf dem Murat Camping unterhalb "Ishak Pasa"  in Dogubayazit, am Fusse des Ararat's . Hier wird geduscht, gewaschen, Friieda geputzt, Zeitschriften und Buecher auf unanstaendige Bilder untersucht und der letzte Alkohol vernichtet. An unserem Nationalfeiertag werden wir zu einem Besuch der Thermalquellen in Diyadin eingeladen und baden, in teils komischer Gesellschaft,
ganz mutig in dem heissen Wasser. Es war ein 1. August, der besonderen Art, kein reines Vergnuegen und trotzdem moechten wir es nicht missen. Zumindest, wissen wir jetzt, was die Kurden drunter tragen! Es war ein buchstaeblich, heisses Erlebnis. Hoffentlich, war das Wasser
auch heiss genug, um all die kleinen Tierchen von ihrer Fortpflanzung abzuhalten!!!

Die wochenlange Schwaermerei für dieses wunderschoene Land hat die gesellschaftlichen, die politischen oder kulturellen Probleme bewusst  ausgeklammert. Nicht weil wir es nicht sehen, feige sind, oder uns um eine Stellungnahme drücken wollen. Nein, weil wir unterwegs sind um andere Länder zu besuchen, weil wir versuchen sie zu verstehen und nicht, weil wir sie aendern wollen. 
 "Ein jeder kann und darf sich für den Nabel seiner Welt halten, deswegen, ist er aber noch lange nicht der Nabel der Welt!" Wir werden diesem Grundsatz treu bleiben und werden weiter schwaermen, wenn es etwas zu schwaermen gibt. Wir haben ja schliesslich daheim, in dem wohl schoensten und demokratischsten Land der Welt, auch nicht immer alles begriffen!!!

Tuerkei wir sind froh, dass wir dich so intensiv bereist haben! Du hast uns viel gegeben! Wir verlassen dich zufrieden und dankbar und freuen uns
auf deinen Nachbar, den Iran!. "çok tesekkuer ederim" und "allaha ismarladik"!

Ulla&Kari