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Iran 03.08.- 18.08.2008
Am 03.08.2008 starten wir unsere "friieda" schon relativ frueh,
verlassen Dogubayazit und steuern gespannt der tuerkisch - iranischen
Grenze entgegen. Die Grenzformalitaeten auf der tuerkischen Seite
verlaufen einigermassen normal und zuegig. Das grosse schmiedeiserne Tor
oeffnet
sich, wir rücken einige Meter vorwaerts, das Ding schliesst sich wieder
und die islamische Republik Iran hat zwei neue, westliche Touristen auf
seinem Hoheitsgebiet. Wir steigen aus, schauen uns das unglaubliche
Durcheinander und die vielen Hinweistafeln die alle in "Farsi" gehalten
sind an und fragen uns, wie wir das wohl wieder hinkriegen werden?
Ulla geht zurueck, setzt sich trotz sommerlichen Temperaturen, um die
fünfunddreissig Grad, mit dem Kopftuch bedeckt und langarm Bluse, in
unsere "friieda" und ich wühle mich selbstbewusst durch die Massen von
Menschen. Ist dann endlich ein Schalter in Sichtweite, geht der Kampf
erst recht los. Hier gilt nicht "first in, first out", hier musst du
kaempfen, dich durchboxen und der Draengerei mit Augenkontakt und
Ellbogen begegnen! Nach zirka zweieinhalb Stunden "Spitzensport", sind
wir stolze Besitzer
meherer Stempel, einem Schreiben fuer die Polizei in Tabriz, einem
Zettel mit Adresse, alles in "Farsi", die Schranke hebt sich und wir
sind
berechtigt, dreissig Tage den Iran zu bereisen. Laut Zollbehoerde
muessen wir in Taebriz unserer "friieda" eine iranische Autonummer
verpassen
lassen. Also ab nach Tabriz!
Die ersten rund dreihundert Kilometer in unserem neuen Reiseland sind ernuechternd. Wir fahren durch eine karge Landschaft, vorbei an mehreren
bitter armen Ortschaften mit halbzerfallenen Haeusern. Wir staunen und
versuchen, unser, von Naivlingen selbst gebasteltes Iranbild zu
korrigieren.
Wir wissen aber, dass Iran ein sehr grosses Land ist und wir erst einen
kleinen Teil des Nordwestens gesehen haben. Eines ist aber klar, falls
es hier
den Finanzausgleich gibt, funktioniert er nicht! Am zweiten Tag
erreichen wir Tabriz. Die mit ihren zwei Millionen Einwohnern
drittgroesste Stadt des Landes, ist das Zentrum ders Nordwest-Irans. Spaetestens hier wird jedem Tourist der mit dem eigenen Fahrzeug
unterwegs ist klar, dass im Iran nicht nur auf Amtsstellen, sondern auch
im Strassenverkehr das "Faustrecht" gilt. Falls es hier ueberhaupt Regeln
gibt, werden sie gaenzlich ignoriert. Die Iraner sind verrueckte
Autofahrer, sie halten sich weder an Fahrspuren, Blinklichter oder
winkende Polizisten, sie ueberholen links und rechts und draengeln sich
staendig hupend in atemberaubendem Tempo durch die Strassen. Weil alle
den gleich kaotischen Fahrstil pflegen, passen sie sehr gut auf, sind
immer auf Achse und produzieren erstaunlich wenig Unfaelle. Es macht
echt Spass "friieda" in dem Gewuehl zu bewegen, die Selbstsicherheit
des Fahrers zu testen und halt gelegentlich einen Kotfluegel zu riskieren. Muss man
in einer Zweimillionen Stadt eine Adresse ansteuern die man nicht kennt,
hoert der Spass irgendwann mal auf und fremde Hilfe kommt jedem Tourist
gelegen. Diese ist im Iran garantiert! Wir durften von der einmaligen
Hilfsbereitschaft und der enormen Gastfreundschaft der Iraner, in Tabriz erstmals Gebrauch machen.
Mohammad, ca. fuenfunddreissig, Akademiker, mit sehr guten
Englischkenntnissen, lots "friieda" mit seinem Auto durch die Stadt,
begleitet uns von einem Amt zum andern, verhandelt betreffend der
Autonummer, bekommt ab und zu eine Unterschrift, ein Stempel oder beides
und erklaert uns nach seinem zweistuendigen Einsatz, dass wir nun bis am
03.09.08 mit SG 244 860 im Iran reisen koennen. Er bringt uns in den
Park el Goli, gibt uns seine Visitenkarte, fuer alle Faelle", sagt, dass
es ihm Spass gemacht hat uns zu helfen und wuenscht uns einen angenehmen
Aufenthalt im Iran. Wau---, war das Glück!
Das haetten wir allein, in zwei Tagen wohl kaum geschafft!
Wir parkieren "friieda" auf dem fast leeren Parkplatz beim Eingang des
Park's und meinen, hier einsam uebernachten zu koennen. Einige Stunden
spaeter ist der Parkplatz und die ganze Umgebung mit Autos ueberfuellt.
Der herrliche Park mit kuenstlichem See, Imbissbuden, Promenade und viel
Gruenflaeche uebervoelkert und uns wird beigebracht, wie Iraner ihre
Sommernaechte verbringen. Die Leute fliehen abends zu tausenden aus der
drueckend heissen Stadt in die fast in jeder groesseren Ortschaft
angelegten Parks, installieren Zelte, breiten Decken aus, kochen,
grillieren und schwatzen. Obwohl zwischen den einzelnen Decken und
Zelten oft minimale Abstaende sind laesst sich keiner vom andern stoeren.
Waehrend wir im Park sitzend die Szene beobachten, werden wir immer
wieder angesprochen, fotografiert und mit einigen Standardfragen
bombardiert. Es hat trotzdem Spass gemacht, wir werden uns sicher noch daran gewoehnen, begafft zu werden. Nun sind wir halt die Fremden, die
Neuen!!!
Die Fahrt von Tabriz ueber Ardabil nach Astara, fuehrt uns zuerst
zweihundertfuenfzig Kilometer durch huegeliges, trockenes und sehr
karges Hochland und dann, sehr schnell der fruchtbaren Ebene am
Kaspischen Meer entgegen. Wir sehen seit vielen Wochen erstmals wieder
richtige Waelder, saftig gruene Wiesen, eine ueppige Fauna. Das tut gut! In
Lomir finden wir ein Plaetzchen direkt am Strand, frei, etwas abseits
der letzten Haeuser und wie es sich spaeter herausstellt, doch bei den
Leuten. Wir werden immer wieder besucht, "friieda" wird gemustert die
bereits erwaehnten Standardfragen werden repetiert und wir fotografiert!
Am Abend sitzen wir draussen, Ulla mit Kopftuch und langarm Bluse und
wir reden ueber das vor uns liegende Gewaesser. Das sogenannte Kaspische
Meer ist eigentlich ein riesiger See, leicht salzhaltig, ca. sechshundertfuenfzig-
mal groesser als der Bodensee und liegt
fuenfundzwanzig Meter unter dem Meeresspiegel. Wir beobachten aber auch
die Geschehnisse um uns,
sehen wie Frauen mit den Kleidern inkl. Kopftuch und meist abseits der
Maenner baden, treffen auf ein Restaurant in dem die Frauen im ersten
und die Maenner im zweiten Stock serviert werden und wundern uns mit
welcher Selbstverstaendlichkeit die Frauen bei der groessten Hitze
Kopftuecher und Langarmmaentel tragen! Nach zwei Tagen verabschieden wir
uns in Lomis, fahren zuerst der Kueste entlang nach Bandar Anzali und
besuchen spaeter Masuleh. Dieses schoen gelegene
Bergdorf ist sehr eng und in Stufen in den steilen Hang gebaut. Dabei
dient das Dach des unteren, als Hausplatz des naechsten Hauses.
Masuleh ist fuer die Iraner eine touristische Attraktion und wird
entsprechend frequentiert. Teestuben, Kebabstaende, Souveniershops und
Verkaufslaeden aller Art beherrschen im oberen Dorfteil die Szene. Hier
haben wir dann auch eine Gruppe lustiger Frauen aus Teheran
kennengelernt und zum ersten Mal Wasserpfeiffe geraucht!
Ueber Fuman, Rasht und Ramsar gings der Kueste entlang bis nach Chalus.
Hier ist der Abzweiger, der durch das Alborzgebierge nach Teheran fuehrt
und hier mussten wir gluecklicherweise nach dem Weg fragen! Ein Ehepaar
aus Teheran hat uns dabei beobachtet, sich nach unserem Befinden
erkundigt und uns kurzerhand ins Schlepptau genommen. Zweihundertfuenfzig Kilometer Vorfahrt durch die Berge, durch
Schluchten, ueber einen traumhaften Pass, ein Stueck Autobahn, ein
bisschen Stadtverkehr und wir sind im Innenhof eines noblen Wohnparks im
Norden von Teheran. Wir sind Glueckspilze! Unsere Gastgeber sind
unglaublich nett und aufmerksam. sie laden uns immer wieder zum Tee, zum
Essen, oder zum Kaffe ein, stellen uns ihre Dusche zur Verfuegung und organisieren alles rund um "friieda"
und fuer uns, Taxis zu fairen Preisen fuer die Fahrten in die Stadt.
Diese sind noetig fuer den Visaantrag auf der pakistanischen
Botschaft. Nicht ganz einfach wie es sich herausstellt. Am sechsten Tag unseres
Teheranaufenthaltes erhalten wir aber die begehrten Stempel, verabschieden uns
von unseren neuen Freunden und steuern dem Highlight "Isfahan" entgegen.
Dear Ariane, dear Masoud, we would like to thank you once again for the
nice time during our stay in Teheran. Your help and hospitality was
great. We really felt as a part of your family.
Thank you!!!
Die ersten Eindruecke in unserem neuen Gastland sind gut. Verglichen mit
der Tuerkei sind die Strassen besser, die Frauen schoener und der Diesel
fast gratis! Haben wir vor wenigen Tagen fuer 100 Liter Diesel noch 280
Dollar bezahlt, kostet die gleiche Geschichte hier weniger als drei
Dollar! Dafuer bezahlt Ulla mit der verordneten Kleiderordnung einen
hoeheren Preis, schwitzt viel mehr und fuehlt sich in ihrer Bewegungsfreiheit
eingeschraenkt. Nun, wir sind Gast in der islamischen Republik Iran, dem
einzigen Land der Welt in dem der schiitische Islam laut Verfassung
Staatsreligion ist. Wir haben die Regeln vor unserer Reise gekannt und
werden diese auch einhalten.
"Und dann, wie im Theater, wenn der Vorhang aufgeht, treten zwei oede
Huegel auseinander; und dahinter enthuellt sich langsam der Garten
Eden."
Pierre Loti, "Nach Isfahan" (franz. Orientschwaermer zu Beginn des
20. Jh)
Von diesem Garten Eden berichten wir euch im naechsten Bericht.
Ulla&Kari
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