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Pakistan 31.08.-13.09.2008

"friieda" muss am Morgen vom 31.08. wohl gewusst haben, was in den naechsten Tagen auf sie zu kommt und hat ganz einfach wieder den Dienst verweigert. Nach dem dritten Startversuch laesst sie "start error" aufleuchten und ab dann, war es ganz still! Wir probieren alle gutgemeinten Ratschlaege die seit dem letzten Bericht bei uns eingegangen sind aus, leider erfolglos! Wir verabschieden uns von unseren Begleitern Susanne und Bob aus Holland und lassen sie schweren Herzens ziehen. Allein, im Zollhof von Iran, telefonieren wir mit der Service Notrufnummer von "Benz" Deutschland und erhalten den Tip, dass schlechter Diesel den Kraftstofffilter oder die Einspritzduesen verschmutzen und die Elektronik dann, mangels Dieselzufuhr auf "start error" gehen kann. Wir wissen vom letzten Mal, dass die Iraner uns wohl kaum helfen koennen und hoffen deshalb auf Pakistan. Das Carnet wird aus-, die Paesse abgestempelt und "friieda" ca. zweihundert Meter ueber die Grenze nach Pakistan geschoben.

Auf der anderen Seite des Zauns staunen wir zuerst einfach! Wo sind wir denn hier gelandet? Im Mittelalter, in einem schlechten Film oder ist das vielleicht ein boeser Traum. Vor unseren Augen ist so etwas wie eine Strasse, asphaltiert zwar, aber voller Loecher, seitlich, ein je ca. zehn Meter breiter, staubiger, schmutziger Streifen, flankiert von erbaermlichen Huetten und ueberall die nicht gerade vertrauenserweckenden, dunklen Maenner
in ihren meist weissen, beigen oder braunen, selten in blauen event. schwarzen, weiten "Kegelfaengerhosen" und dem darüberfallenden langarm Hemd das bis zu den Knien reicht. Mit offenen Maeulern stehen wir verschwitzt, muede und schlecht gelaunt da, wie bestellt, aber nicht abgeholt!
Wenn es Momente gibt in denen man sein Unternehmen aufgeben moechte, dann ist das bestimmt jetzt ein solcher. "friieda" streickt mit einem Elektronik-Problem und wir sind da, wo aus mehreren fuenfzig jaehrigen Lastwagen, am Strassenrand, ohne eigentliche Werkstatt, wieder ein einigermassen fahrtuechtiges Gefaehrt zusammen gebastelt wird!  Wir sind da, wo die Sonne erbarmungslos auf dich einbrennt und die Zeit offensichtlich seit hundert Jahren still gestanden ist. Welcome, in Pakistan!
Wir muessen durch die Passkontrolle und werden dann vom Chef der Einwanderer in seinem sogenannten "Office" erwartet. Ein einfacher Raum, ein riesiger Ventilator, ein uraltes Pult, eine noch aeltere Sitzgruppe und dahinter, der "Chef " in Uniform beim Mittagessen! Er heisst uns gut gelaunt, herzlich willkommen, bittet uns Platz zu nehmen und offeriert uns spontan ein Teil seiner Mahlzeit. Wir lehnen hoeflich ab und schauen zu wie der grosse Meister einhaendig, aeusserst geschickt, Huhn und Reis mischt, zu Baellchen formt und diese unter seinem grossen Schnurrbart verschwinden laesst. Dazwischen macht er auf "small talk" lobt die Schweiz in den hoechsten Toenen und hoert sich unser Anliegen an. Kein Problem, ihr seit meine Gaeste und ihr seit in Pakistan, geht zum Telefon, schreit, organisiert und gibt uns zu verstehen, dass wir jetzt zu seinem
"Headoffice" gebracht werden, dort die Papiere erledigen koennen und "friieda" von einem, von ihm bestellten Mechaniker wieder flott gemacht wird.
Eine halbe Stunde spaeter sieht die Welt ganz anders aus! Das Carnet ist abgestempelt und "friieda" marschiert wieder frisch und munter. Der pakistanische Mechaniker hat gewusst, dass iranischer Diesel zu Duesenverstopfung fuehren kann, hat den Fehler dort gesucht und auch sofort gefunden. Wir haben seine Gage von ca. Fr. 3.40 grosszuegig aufgerundet und mit dem zwischenzeitlich eingetroffenen Englaender vereinbart, am 01.09.08 die erste Pakistan-Etappe gemeinsam zu fahren. Andy ist mit seiner Triumph unterwegs in seine neue Heimat New Zealand, er ist ein ehemaliger British Airways-Mann, Mitte vierzig und isst gerne Porridge!
Kurz nach Taftan passieren wir den ersten Kontrollposten, tragen unsere Personalien in das grosse Buch ein und fahren weiter, der aufgehenden Sonne entgegen. Andy faehrt auf der topfebenen, meist schnurgeraden Strasse voraus. Wir kommen gut vorwaerts, sehen die ersten Kamele,
staunen ob der Groesse der flachen Ebene und werfen ab und zu einen Blick zu den Huegeln Afghanistans, die unsere Strasse zur Linken flankieren. Nach dreihundert Kilometer meist Wueste, erreichen wir Dalbandin. Wir durchqueren erstmals eine pakistanische Ortschaft, realisieren
das unheilbare Durcheinander, sehen all die Buden, die Verkaufsstaende und die Maenner. Ueberall herumsitzende, gaffende Maenner, Autos, Rikshas, Fahrraeder, riesige, bunt verzierte Lastwagen, dazwischen Esel, Geissen oder Kuehe. Wir fahren langsam ueber die holprige, Naturstrasse und sind froh nach ca. drei Kilometern wieder festen Boden, d.h. eine asphaltierte Strasse unter den Raedern zu haben. Wir machen bei einer Tankstelle eine kurze Pause und entscheiden, die naechsten dreihundertfuenfzig Kilometer bis Quetta noch am selben Tag in Angriff zu nehmen. Wir haben zwar gehoert , dass die Strasse Dalbandin-Quetta sehr schlecht ist, dass sie Fahrer, Beifahrer und Maschine an die Grenze des Machbaren treibt, haben wir aber nicht erwartet. Da fehlt auf einmal ein Teil der Fahrbahn! Es hat moerderische Loecher, Steine oder Sandhaufen sind auf der Strasse und ab und zu wird man von der Fahrbahn weg, in die Sandduenen umgeleitet. Auf zwei Kilometer einigermassen ordentliche Fahrbahn folgen bestimmt zehn Kilometer Schotterpiste. Wir erreichen das Hotel Bloom Star in Quetta spaet abends und treffen unsere Hollaender Susanne und Bob wieder. Wir feiern unser Wiedersehen bei einem richtigen Bier und einer feinen pakistanischen Mahlzeit im Garten des Hotels. In Quetta goennen wir uns ein Ruhetag und brechen dann zu dritt zur Etappe Quetta-Sukkur auf. Ausserhalb Quetta's geht die Strasse in die Berge und führt dann durch eine beeindruckende ca. sechzig Kilometer lange Schlucht in flachere, wieder gruene Gefilde mit den beruhigenden Baumwoll-, und Reisfeldern. Anfangs Schlucht passieren wir einen Checkpoint, tragen wieder unsere Personalien ein und werden ab diesem Zeitpunkt drei volle Tage von der Polizei eskortiert. Jeweils vier Mann, Fahrer, Beifahrer und zwei Schuetzen, stehend auf der Bruecke des Pickup's, fahren uns voraus,  fuehren uns an stehenden Kolonnen vorbei oder bahnen uns den Weg durch teils chaotische Ortschaften. Eigentlich ist das Ganze nur eine grosse Schau und uns absolut peinlich. Durch die Wueste, entlang der afghanischen Grenze haben sie uns alleine gehen lassen. Nun, in bewohntem Gebiet werden wir dauernd, begleitet, die Eskorte wechselt nach ca. fuefnzig Kilometer fliegend und die Typen lassen uns nie aus den Augen. Ein etwas voreiliger Officer fuehrt uns von der Strasse in ein gewaltiges Flussbett um angeblich eine blockierte Strasse zu umgehen. Nach einigen hundert Metern geht nicht's mehr. Andy steckt mit seiner Triumph in den Kieselsteinen fest und "friieda" gefaellt die bloedsinnige Piste auch nicht mehr. Nachdem "friieda's" Fahrer dem Bloedmann unmissverstaendlich erklaert hat, was er von dem sinnlosen Ausflug haelt, wird mit letzter Kraft gewendet und zurueck geht's auf die Strasse. Etwas spaeter passieren wir die Unfallstelle, ein riesiges Chaos aus Autos, Trucks, herumliegenden Saecken mit Reis und unzaehlige, trotzdem gut gelaunte, lachende Maenner mit eisernen Nerven und offensichtlich sehr viel Zeit. Wir werden von der Polizei mit Blaulicht an dem Durcheinander vorbei gefuehrt. Wir fahren aber auch an Lastwagen vorbei die mitten auf der Strasse repariert, oder von ihren Besitzern eben dort gewaschen und gepflegt werden oder einfach fuer ein Nickerchen im Schatten unter dem Lastwagen dort abgestellt wurden. Das fehlende Pannendreieck wird dann immer durch grosse Steine und die allgemeine Verkehrssicherheit durch Geschicklichkeitsfahren ersetzt. Welcome, in Pakistan!
Susanne, Bob und Andy haben genug von diesem Land, Andy hasst es sogar und alle wollen schleunigst nach Indien. Wir sind anderer Meinung, wir haben erst Balochistan und Punjab gesehen und moechten uns die so oft gelobte Gegend um das Hunza Valley und den Karakorum Highway unbedingt ansehen. Wir fahren zusammen bis nach Lahore, verabschieden uns von unseren Freunden und der Eskorte und fahren entspannt Islamabad entgegen. Ein Tag vor der Praesidentschaftswahl steuern wir "friieda" ohne Eskorte, auf einer sehr schoenen dreispurigen Autobahn in den Norden, bewundern die traumhafte Landschaft und die gepflegten Felder. In Islamabad logieren wir auf dem Tourist Camping, einem schoenen Park am Stadtrand mit alten Baeumen. Wir sind schon jetzt froh, diese Gegend besucht zu haben, fuehlen uns wie in einem neuen Land und sind gespannt was uns die naechsten Wochen wohl bieten werden. Auf dem Tourist Camping treffen wir ein Paerchen in unserem Alter! Kori und Walter sind  von Hamburg und mit ihrem "Riesentruck" bereits seit fast einem Jahr unterwegs. Nancy und Philip sind Belgier, um die vierzig, haben drei Hunde und sind die eigentlichen Kenner der Szene. Sie reisen mit ihrem Womo seit Jahren durch Nepal, Indien und Pakistan , sind sehr nett, hilfsbereit und für uns alle, die ideale Tourist-Info. Wir erhalten von den beiden sehr wertvolle Tip's fuer unsere lange Fahrt zum Khunjerab Pass und freuen uns auf die gewaltige Bergwelt im Norden von Pakistan.

Vom Fruehstueck am Fusse des "Nanga Parbat" berichten wir euch spaeter!

Ulla&Kari