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Pakistan 13.09.-31.09.2008
Mit all den guten Tip's und Adressen ausgerüstet, verabschieden wir uns
von Nancy, Philip, Kori und Walter und verlassen Islamabad in Richtung
Khunjerab-Pass. Uns erwartet eine abenteuerliche, ca. 900 km lange Fahrt
in den Norden von Pakistan. In den Landesteil, von dem fast alle Touris
begeistert sind, der oft mit der Schweiz verglichen wird, der ethnische
und religioese Minderheiten beherbergt und politisch so brisante Gebiete
wie Teile von Kaschmir sein Eigen nennt. Es ist die Gegend der
imposanten, ewig langen Taeler und Schluchten, die Gegend wilder Fluesse
und einer unbeschreiblich schoenen, gewaltigen Bergwelt.
Wir schaffen auf der teilweise unzumutbaren Strasse in acht Stunden
gerade 250 km und erreichen kurz vor dem Eindunkeln das PTDC-Hotel in
Besham. Diese in Pakistan verbreitete Hotelkette bietet Camping fuer
Womo's an, d.h. wir stehen jeweils im Garten, schlafen in unserer "friieda"
und benuetzen die Dusche im Hotel. Das Ganze ist selbst fuer uns
erschwinglich! Am Tag zwei des Karakorum Highway's uebertreiben wir,
lassen die geplante Uebernachtung in Chilas aus und fahren bis Gilgit durch. Auf dieser elfstuendigen Fahrt, freuen wir uns in den tieferen
Regionen an den herrlich angelegten Reis-, und Maisfeldern, staunen ob
der riesigen Huehnerfarmen und spaeter ueber die kleinen Doerfer, die wie Vogelnester
jenseits des Indus auf den Felsvorspruengen kleben. Wir fragen uns, wie
und von was die Menschen da drueben leben, wie sie ueberhaupt dahin
kommen und dann siehst du ploetzlich Fahrwege entlang der steilen Haenge,
im Dorf Jeep's, Auto's und Traktoren, unten am Fluss Frauen, die Wasser
holen oder Kleider waschen. Da wo wir "Weicheier" kaum mehr existieren
koennten, da findet Leben unter harten Bedingungen statt, da wird
nach hier geltendem Recht und Brauchtum, eine
intakte soziale Gemeinschaft gepflegt und die fehlende Strom-, und
Wasserleitung durch Frauen- Power, Geduld, Ausdauer und viel Improvisation ersetzt. Wir
haben auf dieser Fahrt aber auch Angst, leiden mit unserer "friieda" und
lachen spaeter ueber unsere erlebten Adrenalinschuebe. Weisst du noch?
Auf der einspurigen Fahrbahn hoch ueber dem Fluss, - die Schotterpiste
ohne Leitplanke,- das alles in hoechst Steinschlag gefaehrdetem Gebiet
und dann immer wieder die wild auf dich zu fahrenden Pakistani's mit
ihren ueberladenen Kleinbussen. Nicht zu denken an die, Kartoffeln oder
Holz transportierenden, zwar kunstvoll verzierten, aber oft alten Trucks
in technisch bedenklichem Zustand, die wir kreuzen oder ueberholen
mussten. Was tagsueber Gaensehaut hervorruft, ist abends lustig! Das absolute Chaos funktioniert, Trucks haben halt einen langen
Bremsweg und fehlen im Kleinbuss Sitzplaetze, steigt man auf's Dach,
oder steht fuer einige Stunden hinten auf der Stossstange und haelt sich
am Dachtraeger fest. Es geht doch! Was soll's, es funktioniert ja! Wir ruhen uns von dieser Fahrt im PTDC in Gilgit drei Tage
aus, geniessen den Garten und die wirklich gute Infrastruktur.
Gestaerkt nehmen wir nun die letzten zwei Etappen bis an die chinesische
Grenze unter die Raeder. Gilgit-Passu ist das eigentliche Highlight
unserer bisherigen Pakistanreise. Mit dem Eintritt in das Hunza Valley
ueberschreitet man eine Mehrfachgrenze!. Das Hunza Valley war frueher
politisch selbstaendig, es ist die Heimat der "Ismailis", einer, an
existierende Propheten glaubende muslimische Sekte mit ihrem in der
Schweiz geborenen und in Frankreich lebenden, geistigen Oberhaupt dem
"Aga Khan", es ist aber auch die Heimat von Sufis, Schiiten und
Sunniten. Die Sufis sind zwar eine sehr kleine muslimische Minderheit,
weil sie sich hinduistische und buddhistische Traditionen zu eigen
gemacht haben, an lokale Heilige glauben und Musik
in ihrem mystischen Leben eine wichtige Rolle einnimmt, passen sie
nicht so recht in die Welt des Korans und werden oft verschwiegen. Das Hunza Valley ist aber nicht nur wegen seiner religioesen Vielfalt, den
friedlich zusammen lebenden, fleissigen und freundlichen Menschen sondern
auch wegen seiner gewaltigen Bergwelt jederzeit ein Besuch wert. Hier
gehen fast alle Kinder zu Schule, hier werden bis auf fast dreitausend Meter ueber Meer, Kartoffeln, Aprikosen
und Aepfel im grossen Stil, gehegt, gepflegt und dann vermarktet. Die Kartoffeln
sind fuer die Unterlaender in Islamabad, die Aprikosen und Aepfel werden als
Doerrfruechte in's Ausland exportiert. Zurueck vom Zero Point an der
chinesischen Grenze und dem Khunjerab installieren wir uns in
Karimabad, dem touristischen Zentrum im Hunza. Hier, in dem am Hang
gelegenen Dorf mit einmaliger Aussicht auf das praechtige Tal und dem
atemberaubenden Blick in die Berge, treffen wir Anina und Daniel. Wir
verbringen mit den beiden jungen Schweizern schoene Stunden, machen eine
fast siebenstuendige, gemeinsame Bergtour zum Basecamp am Ladyfinger
und goennen uns anschliessend, zur Feier des Tages ein richtig teures
Bier an der Hotelbar!
Wir geniessen die Tage in Karimabad, dem Dorf mit ungewoehnlich vielen
Touristen (etwa 10 Stueck), einem Internetcenter, einem Coffe-Shop, dem sehenswerten Baltit Fort und den unuebersehbaren, in den stahlblauen Himmel ragenden
Sechs-, und Siebentausender. Leider erreicht uns in dieser traumhaften
Umgebung die traurige Nachricht vom Anschlag auf das Marriot in
Islamabad. Wir wissen, dass die schreckliche Tat nicht Pakistan, sondern,
dass dies
das Werk einiger Extremisten ist. Wir wissen aber auch, dass die vom
Tourismus lebende und seit dem 11.09.2001 ohnehin schon genug leidende Bevoelkerung,
durch dieses Attentat, einen
weiteren, schmerzhaften Schritt zurueck geworfen wurde. Es ist
naemlich auffallend, wie ruehrend sich diese Menschen um die Touristen kuemmern, wie sie
versuchen Pakistans Image im Ausland zu verbessern und die Vorzuege ihrer wunderschoenen Heimat,
fuer Biker, Bergsteiger, Wanderer oder Naturliebhaber immer wieder
erwaehnen.
Die letzte Nacht im Hunza verbringen wir auf dem Rakaposhi Camping in
Aliabad. Es ist die Nacht nach dem Attentat auf das Marriot. Um ca.
23.30 Uhr werden wir von einer Stimme aus dem Lautsprecher der
nahegelegenen Moschee geweckt. Anfangs laut sprechend, geht die Stimme ploetzlich in ohrenbetaeubendes Geschrei ueber, wird blitzschnell sanft,
ja leise und kehrt kuze Zeit spaeter wieder genau so schnell zum
Gebruell zurueck. Wir haben Angst, glauben das Theater hat etwas mit
Islamabad zu tun, stehen auf und werfen uns in die Klamotten. Man weiss
ja nie, wir sind alleine auf dem Camping, es ist dunkel "wie in einer
Kuh" und auf der andern Seite der Strasse macht ein Hassprediger die
Meute scharf!
Mehr als zwei Stunden sitzen wir da, bilden uns
etwas ein, haben echt Angst und hoeren das Geschrei, dazwischen
Maennerstimmen die etwas brummen und den Prediger theatralisch gekonnt
seine Schau abziehen. Kurz vor 02.00 Uhr ist das Kabarett beendet, der
Lautsprecher wird ausgeschaltet und die Versammlung der Unterwuerfigen
loest sich still und leise auf. Wir haben ueberlebt und werden
anderntags beruhigt. Die von
uns als Hasspredigt interpretierte Schau war eine Gedenkfeier zum
Todestag von "Mohammed" dem Propheten der Schiiten. Gaensehaut kann
ihre Ursache also auch in Unwissenheit haben!!!
Zurueck in Gilgit, lassen wir unsere Visas verlaengern und bekommen es dabei
wieder einmal mit der unglaublichen Arroganz der pakistanischen
Administration zu tun. Wie schon auf der Botschaft in Teheran, lassen
uns die Beamten auch in Gilgit spueren, wer am laengeren Hebel sitzt.
Sie lassen uns geschlagene sechs Stunden im
Polizeihof schmoren, bis der " Herr von Gnaden " sich endlich bemueht und seinen" Fueller
" zuckt! Wir muessen sechs Stunden zusehen wie unzaehlige Maenner
langsam, teils Haendchen haltend von einem Buero ins andere schleichen,
sich dort herzlich begruessen dh. innig umarmen um sich dann, von dem
eben Vollbrachten in einem uralten Sessel zu erholen. Wir aergern uns,
muessen es aber tatenlos geschehen lassen! "Andere Laeder, andere
Sitten".
Wir haben den begehrten Stempel und duerfen nun weitere zwei Monate in
der Maenner-Bastion mit der hochnaesigen Verwaltung, dem lieben,
freundlichen Volk und der beeindruckenden Bergwelt bleiben. Also
ab nach Skardu! Wir erleben eine ab dem Karakorum Highway ca. 170 km
lange, unvergessliche Fahrt. Die teils in die Felsen geschlagene und
einem Fluss folgende Strasse ist abwechslungsreich, wild romantisch ,
fuehrt ueber "heisse" Haengebruecken und endet schliesslich in einem
offenen, weiten Talbecken. Es ist schoen hier! Wir bleiben einige Tage,
pflegen uns und geniessen die liebliche Umgebung. Wer den Norden
Pakistans besucht , darf Skardu und seine Umgebung nicht auslassen!
Zufrieden fahren wir die abwechslungsreichen 170 km, zurueck auf den
Karakorum Highway und folgen diesem in Richtung Chilas bis zur Raikot
Brigde.
Dort starten wir unseren Trekk, Fairy Meadows, oder, "Fruehstueck am
Fusse des Nanga Parbat", siehe Bericht 16!.
Ulla&Kari .
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