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Pakistan 04.10.-29.10.2008

Zurueck vom Norden, treffen wir am Samstag 04.10.08 wieder auf dem Tourist Camping in Islamabad ein. Es ist schoen wieder "daheim" zu sein,
von Freunden herzlich begrüsst und in die Familie der Overlander aufgenommen zu werden. Die alten Bekannten, wie die Belgier Nancy und Philip oder Kori und Walter aus Hamburg sind genau so interessiert an unseren Erlebnissen im Norden des Landes, wie die, waehrend unserer Abwesenheit neu eingetroffenen Gäste. Nebst zwei Motorradfahrer aus England einem Velofahrer aus New Zealand, ist da noch der zweiundsiebzig jaehrige Peter aus Suedafrika und das Deutsche Ehepaar, das mit einfachsten Mitteln sogar mit zwei Kleinkinder seit mehreren Jahren unterwegs ist. Wir sitzen zusammen, erzählen uns von unseren Reisen, tauschen Adressen aus und geben uns gegenseitig Ratschlaege. Obwohl wir, mit Peter zu den aeltesten dieser Runde zaehlen, sind wir die "Greenhoerner" und koennen mit unseren mickrigen sechs Monaten  "on the road" nur wenig zur Erfahrungsboerse beitragen. Das stoert hier aber niemanden, wir gehoeren dazu, werden von den Profis akzeptiert und mit viel Wissenswertem ausgeruestet. In Islamabad goennen wir uns wie angekuendigt gute drei Wochen Erhohlung, waschen, putzen und lassen "friieda" in der ortsansaessigen, top modernen Mercedes-Garage gruendlich ueberpruefen. Unsere "friieda" macht sich gut in mitten all der Nobelkarossen, hat absolut keine Minderwertigkeitskomplexe und ist bald, der Star des Workshops. Anderthalb Tage wird sie geroengt, mit Computern analysiert, ruehrend auf irgendwelche Maengel untersucht, ein Lager wird ausgewechselt, die Klimaanlage in Schuss gebracht und ein neues Horn montiert. Anstelle einer saftigen Rechnung, werden wir mit "you are our guests", aus der Edelwerkstatt entlassen. Pakistanische Gastfreundschaft kennt wohl kaum Grenzen! Wir bedanken uns herzlich und schaemen uns ein wenig weil wir wissen, dass das einem Auslaender in der materialistischen Schweiz niemals passieren wird. Wir bedanken uns an dieser Stelle deshalb nochmals bei:

SHAHNAWAZ (Pvt.) Ltd. & Mrs. Muhammad Usman,  Thank you very much for your great help and hospitality during our stay in Islamabad!

Islamabad ist nicht nur Pakistans Hauptstadt, Islamabad ist auch eine sehr moderne Stadt mit einem intelligenten Verkehrskonzept, besitzt mit
der Faisalmoschee die derzeit groesste Moschee der Welt, beherbergt in einer hermetisch abgeriegelten Enklave saemtliche Botschaften und ist mit dem sehr angenehmen Klima, dem schoenen Tourist Camping und all den bereits vertrauten Gesichtern für uns schon bald ein "Staedtli-Ersatz". Hier treffen wir dann auch Andrea und Andi aus Klosters die mit dem Fahrrad von China ueber den Kunjerab gekommen sind wieder. Wir plaudern mit ihnen ueber die Schweiz, witzeln, lachend ueber die pakistanischen Maenner und geniessen ausgiebig ein gemeinsames Fruehstueck. Kaum sind die beiden aufgestellten jungen Leute auf dm Weg nach Nepal, treffen Daniela aus Rapperswil und Chris aus Australien ein. Daniela reist ganz allein, bewegt sich beneidenswert selbstsicher in der Maennerbastion, "stellt ihre Frau" und gewinnt mit ihrer offenen, lesbaren Art ganz klar nicht nur unsere Sympathien. Yvonne und Bruno komplettieren mit ihrer Ankunft die Schweizerrunde. Die beiden Luzerner sind sehr erfahrene, angenehme und bescheidene Traveler. Wir haben eine gute Zeit zusammen, gehen einkaufen, kochen und essen gemeinsam. Die Frauen spielen ab und zu  "Jazzi" und "quicksen" dabei als haetten sie ihr Leben zu verlieren. Hier wird auch "friieda" im Innenraum mit Girlanden geschmueckt und auf der Motorhaube klebt ab sofort ein Vogel aus der Truckart-Werkstatt in Rawalpindi. Hier basteln wir auch unser erstes eigenes Birchermuesli und kaufen uns zwei wunderschoene Schaffelle die kuenftig unsere Hinterteile, weicher sitzen lassen, trocknen, waermen und pflegen werden. Auf dem Tourist Camping brauchen wir aber auch die letzten Steinpilze vom Kleinberg, vernaschen die feinen Schweizer Hoernli von Birgitt und verabschieden uns wehmuetig vom letzten Loeffel Morga Gemueseboullion. Heimat ist vielfaelltig, heimatliche Gefuehle  sind grenzenlos! 
Am 27.10. trennen wir uns von Islamabad, von dem Tourist Camping und von unseren neuen Freunden. Obwohl wir alle hungrig sind auf Neues, faellt uns der Abschied schwer! Ob wir uns wohl irgendwann wieder sehen?

Mit unseren Indien Visas ausgeruestet,  bewegen wir unsere "friieda"  in Richtung Lahore und besuchen dort das "Lahore Fort" und die traumhafte Badshahi Moschee. Die im Jahre 1674 erbaute, farblich schlicht gehaltene Moschee ist wegen ihrer vollendeten Form eine Augenweide und gehoert ins Pflichtenheft jedes Pakistan-Reisenden. Geniessen kann man das traumhafte Bauwerk, auch von der Terasse des nahe gelegenen, originellen "Coocos den & café". Wer mit dem eigenen Auto oder dem Wohnmobil unterwegs ist, kann hier auch seine Fahrkuenste testen.
Der Strassenverkehr ist in Lahore wilder, chaotischer und hektischer als sonst wo in Pakistan. Teure Autos, laermende , stinkende Tuck-Tucks, Rikshas, Pferdekutschen, Velo-, oder Toefflifahrer, vereinzelt auch ein Ochsengespann und die unzaehligen, aus allen Richtungen ueber die Strasse rennenden Fussgaenger kommen in einem unheilbaren Durcheinander "fast" immer, irgendwie aneinander vorbei und machen eine Fahrt im eigenen Auto zum unvergesslichen Erlebnis. In Pakistan kann man auch mitten auf der Kreuzung anhalten und nach dem Weg fragen!!! Wir machen von dieser Tatsache regen Gebrauch und wursteln uns irgendwie bis zur Grenzstation Wagha durch.
Die täglich bei Sonnenuntergang stattfindende "flag ceremony" an der Grenzstation Pakistan-Indien ist ein riesiges Spektakel. Wild gestikulierende Wachmaenner marschieren im Stechschritt auf und ab, grüssen die eigene Fahne werfen verachtende Gesten ueber die Grenze und schmettern nach der ca. fuenfundvierzig Minuten dauernden Schau, unter tosendem Geschrei der vielleicht zwei-, dreitausend Zuschauer die Grenztore zu. Es ist gut es gesehen zu haben. Schoen ist die Kulisse, die Atmosphaere, das fröhliche Publikum in ihren farbenfrohen Kleidern und die herzlichen
Kontakte zu all den lieben Menschen. Wir werden immer wieder fotographiert und Ulla erhaellt erstaunlicherweise auch von juengeren Maennern mehrere, eindeutige Komplimente. Sollten wir vielleicht doch noch den, in den naechsten Tagen stattfindenden Kamel- und Heiratsmarkt im indischen Pushkar besuchen???
Am 29.10. werden wir ein letztes Mal vom Muezzin geweckt, fruehstucken mit Harry aus Holland, erledigen spaeter in ca. zwei Stunden die Grenzformalitaeten, verlassen die positive Ueberraschung "Pakistan" und betreten erstmals die Heimat Gandhis!

"Pakistan ist wie die Gerstensuppe waehrend der Narrenzeit. Ein altes, daeftiges Rezept, obwohl die Zutaten festgelegt sind, weiss man nie was wirklich drin ist. Sie ist keine Delikatesse, aber sie naehrt, sie ist geduldig und sie ist trotz ihrem zweifelhaften Ruf unglaublich stolz, weil sie weiss, dass sie in diesen Tagen gebraucht wird!"

Pakistan du hast uns gefordert, schockiert, du hast uns Angst, aber auch viel, sehr viel Freude gemacht. Du warst unsere erste, wirkliche Herausforderung auf unserer Reise. Wir haben dich kennen, schaetzen und waeren da nicht die eingebildeten Beamten, beinahe lieben gelernt. 
Falls wir eine zweite Chance kriegen, werden wir dich irgendwann im Fruehling, laenger und intensiver wieder besuchen!     "Inscha Allah"

Herzlichen Dank und auf Wiedersehen!
Ulla&Kari


Anmerkung der Redaktion!
Wer nach unserem Bericht nun noch etwas gescheites ueber Pakistan lesen und versuchen will, dieses Land zu verstehen, der sollte sich die Studie von Urs Schoettli  "Pakistan, im Fadenkreuz regionaler und globaler Konflikte" unbedingt zu Gemüte führen.

Erschienen und gratis zu beziehen bei:
Vontobel-Stiftung
Toedistrasse 17
CH-8002 Zuerich
www.vontobel-stiftung.ch
schriftenreihe@vontobel.ch  (Nr. 1820/2008)