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Indien 29.10.-18.11.2008

Zirka zwei Stunden hat das Prozedere an der Grenze Pakistan-Indien gedauert! Pässe werden abgestempelt, die Visas kontrolliert und obwohl weder die pakistanischen noch die indischen Zoellner "friieda's" Motorennummer finden koennen, wird das Carnet de passages geloescht, bzw eroeffnet. Zur Grenzabfertigung gehoert natuerlich auch eine Visite im Innern unserer "friieda". Damit das Ganze einen professionellen Anstrich bekommt, werden Schubladen und Tuerchen geoeffnet der Kuehlschrank inspiziert und ein ganz "Gwundriger" wollte sogar Probeliegen im Schlafzimmer!
Nun, wir haben es geschafft. Indien hat uns, wir sind in Gandhis Heimat, wir sind in einem riesigen, in einem interessanten Land mit ca. 1.3 Milliarden Menschen, in einem Land mit einer  gewaltigen, bewegenden Geschichte und mit einer fuer "Westler" auf Anhieb kaum verstaendlichen Kultur. In diesem wundervollen, farbenfrohen Land hat alles Patz, ist alles moeglich und nirgends auf dieser Welt werden Gegensaetze wohl so selbstverstaendlich gelebt, wie hier in Indien. Wer Indien verstehen will muss wissen, hier durchdringt die Religion, der Glaube fast jeden Aspekt des Lebens. Dies gilt insbesondere fuer die Hindus die ca. 80% der Bevoelkerung ausmachen. Ihr Leben ist bestimmt durch Reinigungsvorschriften, Ernaehrungsweise, Heiratsgebote, oder Bestattungszeremonien, ja sogar die Wiedergeburt im naechsten Leben ist geregelt und somit bleibt, "von der Wiege bis zur Bahre" kaum Spielraum. Eine einheitliche Lehre oder Ideologie ist der Hinduismus aber nicht. Es ist vielmehr ein vielschichtiges, komplexes langsam gewachsenes Gedankengebaeude philosophischer, religioeser und sozialer Normen und fuer uns kaum ueberschaubar. Aeusserst interessant ist aber die Tatsache, dass es eine Religion ist die ohne Stifter, ohne Propheten und Organisation auskommt, die nicht einmal allgemeinverbindliche Dogmen oder eine heilige Schrift hat, dafuer mehrere Lehrschriften nebeneinander akzeptiert und Hundertausende von Goetter kennt. In diesem Land leben aber auch Muslime, Christen, Sikhs, Buddhisten sowie einzelne kleinere Glaubensgemeinschaften. Wichtig ist dabei, dass sowohl Hindus als auch Sikhs, die Weltseele, die Einheit allen Lebens, die Seelenwanderung und das Karma als ihre religioesen Grundpfeiler betrachten und somit das traditionelle Indische Leben bestimmen. Die Sikhs sind aber absolut monotheistisch, glauben an einen unsichtbaren Gott, haben ihre heilige Schrift, und lehnen das Kastensystem ab.  Lernfaehig und absolut optimistisch, machen wir uns nun auf die Suche, auf die Entdeckungsreise und hoffen, dass wir nach sechs Monaten, die "Wundertuete" Indien wenigstens im Ansatz verstehen werden.

Unsere erste Station ist Mrs. Bandaris Guest-Haus in Amritsar. Ein Haus aus der Kolonialzeit mit englischem Garten, eine Insel der Ruhe, ein Platz zum entspannen und ein Treffpunkt der Overlander. Hier treffen wir Harry, den Velofahrer aus Holland wieder und haben Kontakt zu zwei Englaender die ihre Gleitschirmkuenste im Himalaya ausprobiert und uns davon mit glaenzenden Augen, begeistert berichten. Amritsar besuchen wir aber wegen dem "Goldenen Tempel", dem Stolz und Heiligtum der Sikhs. Wir umrunden das praechtige Bauwerk mit vielen froehlichen, farbenfroh gekleideten Menschen aller Schattierungen im Uhrzeigersinn, setzen uns ab und zu hin, betrachten das Geschehen und lassen all das, was sich vor unseren verwunderten Augen abspielt auf uns einwirken. Dabei werden wir von drei aelteren Sikhs angesprochen in ein kurzes, interessantes Gespraech verwickelt und prompt aufgefordert mit ihnen in dem grossen Speisesaal eine Gratismahlzeit einzunehmen. Dies wird dann auch zu einem Schluesselerlebnis unserer Reise! Hier werden taeglich bis zu 20'000 Mahlzeiten, (Dhal, ein Linsengericht mit Chapati und zum Nachtisch eine Art Griesbrei) gratis verteilt. Man stellt sich in der offenen, riesigen Saeulenhalle an, wird dann von der unglaublich bunten Menschenmasse regelrecht vorgeschoben, erhaellt irgendwann einen Blechteller, die Tore zum Speisesaal werden geoeffnet und zwei Minuten spaeter sitzen mehrere Hundert Menschen in Reih und Glied am Boden. Sobald mit der Verteilung der Mahlzeit begonnen wird, sinkt der Geraeuschpegel, es ist furchtbar eng und der hier praktizierte Schneidersitz fuer uns nicht sehr angenehm, der Dahl aber, ist "Spitze" und die Atmosphaere einfach unbeschreiblich. Hier sind alle gleich, Herkunft, Status, oder Religionzugehoerigkeit unwichtig. Wir verlassen nach ca. zwanzig Minuten den Speisesaal und machen der naechsten Abloesung Platz. Draussen vor den Tueren des Saals sind Freiwillige dabei das gewaltige Spektakel ueberhaupt zu ermoeglichen. Sie waschen ab, verteilen Geschirr, kochen Milchtee oder ruesten Berge von Zwiebeln, Knoblauch und andere Zutaten fuer den Dhal. Wir genehmigen uns etwas abseits stehend noch ein Milchtee, bedanken und verabschieden uns dann von unseren eleganten Begleitern und beobachten noch eine ganze Weile die unglaublich interessante Szene. Wer den Goldenen Tempel besucht muss von dieser Geste, von diesem beeindruckenden Schauspiel unbedingt Gebrauch machen!

Zwei Tage spaeter fahren wir ueber Pathankot, Gaggal, Dharamshala nach Mc. Leod Ganj und besuchen voller Erwartung das Exil des Dalai Lama.
Es ist schoen in dem Dorf in den Bergen. Es ist touristisch, mit vielen, vielleicht zu vielen pseudo Dalai Lama's mit auffallend weisser Haut und  kurz geschorenem Haar. Es werden ueberall Meditations-, Massage-, und andere gluecklich machende Kurse angeboten und es ist hier wohl nicht ganz einfach die "Spreu vom Weizen" zu trennen. Wir geniessen die Tage in dem Dorf mit der geschaeftstuechtigen Bevoelkerung, finden die tibetanische Atmosphaere sehr angenehm und lassen uns von deren Kueche positiv ueberraschen. Da wir nicht zum Buddhismus konvertieren wollen, verlassen wir Dharamshala, steuern "friieda" auf der schlechten, unglaublich stark befahrenen E 20 nach Mandi. Dort nehmen wir die etwas bessere E 21 und zweigen ins Kullu-Tal ab. Es ist Mittagszeit und unsere Maegen knurren! Kurz entschlossen halten wir erstmals bei einer der unzaehligen Strassenkuechen an und lassen uns Dhal servieren. Es ist einfach, "indisch sauber", der Tisch wackelt und die Plastikstuehle zeigen schon relativ starke Abnuetzungserscheinungen aber, die Gesellschaft ist witzig!  Ein Inder vom Nebentisch gibt sofort seine beneidenswerten Kenntnisse der Schweizer-Geographie zum Besten und will als Belohnung seinem Sohn dann noch "friieda" vorfuehren. Es war nett, wir werden uns wieder an der Strasse verpflegen!
Zurueck auf der E 21 fahren wir nach Kullu und sind ueberrascht von der Schoenheit dieses lieblichen Tales. Das Highligth ist aber dann klar die ca. 23 Kilometer lange Bergstrasse von Kullu nach Naggar. Sie fuehrt vorbei an den hier typischen Holzhaeusern, auf deren Daecher, die freundlichen, herzlich winkenden Menschen, Fruechte, Mais oder ihre Waesche trocknen. Wir fahren ganz langsam durch diese wunderschoene Landschaft dem Hang entlang bis nach Naggar. Nach der eindruecklichen Fahrt parkieren wir "friieda" vor dem Schloss, hoch ueber dem Tal. Hier gefaellt es uns, wir bleiben drei Tage, gehen spazieren, geniessen die traumhafte Aussicht, die herrliche Luft und die unglaubliche Ruhe. Hier treffen wir auch ein Schweizer Ehepaar, eine russische Journalistin und einen interessanten jungen Italiener. Obwohl diese Gespraeche meist kurz sind, tun sie gut. Denn hinter jedem dieser spannenden Menschen steckt eine Geschichte, eine Philosophie, stecken Hoffnungen und Erwartungen von denen wir dann jeweils ein Stueckchen mitbekommen. Wir sind ueberzeugt, irgendwann werden wir in dieses Dorf zurueckkehren, wissen aber zu diesem Zeitpunkt noch nichts von Almora, dem Bergdorf nahe der nepalesischen Grenze. Dieses auf 1700 Meter ueber Meer gelegene Paradies mit Blick auf den Himalaya wird in den naechsten Wochen unser Zuhause sein!

"friieda" hat es hier auch gefallen, sie streikt wieder einmal!!!

Wie wir nach Almora gekommen sind, wie es uns hier geht, was die Techniker von Mercedes Indien mit "friieda" anstellen, ob wir ueberhaupt je wieder aus diesen Bergen rauskommen und weitere Fragen, werden wir in unserem naechsten Bericht, so um die Zeit der  Bundesratswahl, beantworten koennen.

Namaste,
Ulla&Kari