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Indien 18.11.-05.12.2008
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Wir verlassen Naggar und drei Stunden später in Mandi auch das liebliche Kullu-Tal. Eine kurvenreiche, nicht sehr feudale Strasse führt uns durch Berg und Tal  in Richtung Shimla. Wir fahren durch kleine Dörfer mit ärmlichen, Stroh bedeckten Behausungen. Haufen aus getrocknetem Dung, Wasserbüffel, bunte Wäsche die zum trocknen an den Baeumen haengt, ueberall kleine Kinder und im Hof oder auf den Feldern arbeitende Frauen, praegen hier die Szene. Schoen, ja sogar beruhigend sind die terrassenartig angelegten Reis- und Gemuesefelder, die uns mit ihren zarten Jungpflanzen, im November, natürlich ganz besonders beeindrucken. Die Fahrt bis Shimla ist lang, verlangt vom Fahrer und Beifahrer hoechste Konzentration und kann mit Schwerarbeit verglichen werden. In Indien geht kaum jemand in eine Fahrschule. Es gibt hier weder reiche Fahrlehrer noch ausgebildete Toeff-, Auto-, Truck-, oder Busfahrer. Learning by doing, heisst die Devise!  Es gibt keine  Fahrzeugkontrolle, keine technische Pruefstelle. Hauptsache, das Ding bewegt sich! Hier kann man mit einer stinkenden Rauchwolke, abgelaufenen Pneus, mit schlechten Bremsen, oder nach Einbruch der Dunkelheit, auch ohne Licht unterwegs sein. Was hingegen jeder fahrbare Untersatz  braucht, ist eine Hupe!  Der Laerm ist ohrenbetaeubend, oft nervend, im besten Fall gewoehnungsbeduerftig. Welcome in Indien!

Wir uebernachten auf dem Parkplatz eines schoen gelegenen Hotels ausserhalb Shimla und tanken Kraft fuer die naechste Etappe. Am Morgen gibts Muesli, "Anke und Gonfi" und natuerlich ein feiner Kaffee. Gut gelaunt stuerzen wir uns wieder in das hupende Durcheinander, fahren ueber Solan, Sarahan und Nahan in Richtung Dehra Dun und Haridwar. Hier in diesem hinduistischen Pilgerort ueberqueren wir den Ganges und werden dabei von einem selten schoenen Sonnenuntergang begleitet. Ein bewegendes, unvergessliches Erlebnis, ein Gluecksmoment!
Eine Stunde spaeter stoppen wir kurz vor dem Eindunkeln an einem Verpflegungsplatz fuer Lastwagenfahrer. Auf einer Seite der stark befahrenen Strasse sind eine Art Parkplaetze und die leicht modernde Abfallhalde, auf der anderen Seite mehrere grosse "Dhabas" (Strassenkuechen) die teils vierundzwanzig Stunden geoeffnet sind. Wir bleiben ueber Nacht hier, setzen uns zu den Chauffeuren in ein "offenes Beizli", essen wieder einmal Chapati mit Dahl und trinken Milchtee. Natuerlich wecken wir die Neugier des Personal und der Truckerfahrer. Es kommt wohl nicht oft vor, dass Auslaender hier Halt machen!  Es ist zwar laermig, Brummis kommen und gehen selbstverstaendlich hupend, aber es ist interessant!  Wir beobachten die meist kleinen, mageren Fahrer und ihre Helfer die sich kurz verpflegen und dann wieder zufrieden, laechelnd in ihre alten Trucks steigen und auf die Strasse zurueckkehren.
Am Morgen fuehrt unser Weg ueber Najibabad, Nagina, nach Kashipur. Hier verlassen wir die Talsohle und folgen bis Ramnagar einer kleineren Strasse die zuerst nur gemaechlich bergwaerts fuehrt. Wir passieren den Corbett Nationalpark und steuern "friieda" etwa zwanzig Kilometer auf einer teilweise unzumutbaren Strasse durch den Wald in Richtung Suni. Die "Plagerei" wird aber belohnt! Der Vorhang oeffnet sich und vor uns liegt ein wunderschoenes, einsames Tal. Wir sehen wie sich die Passstrasse dem Hang entlang und spaeter in beeindruckenden Serpentinen bergauf schlaengelt. Oben angelangt, "faellt uns fast das Herz in die Hose"! Ein wolkenloser, stahlblauer Himmel, eine einmalige Fernsicht und wir sehen erstmals das Panorama des indischen Himalayas. Ein solcher Anblick kraeuselt auch nicht Berg-Freaks die Nackenhaare. Es ist schoen, es weckt Emotionen, macht Gaensehaut und drueckt vor lauter Freude sogar auf die Traenendruesen! Fast andaechtig folgen wir der Strasse bis einige Kilometer ausserhalb Ranikhet und parken unsere "friieda" an einem schoenen Plaetzchen mit Sicht auf den Nanda Devi, den hoechsten Berg Indiens (7817 m) und einige weitere, kleinere Kollegen. Beim Fruestueck sehen wir einen Fuchs, ein Rebhuhn sowie feuerrote und  zitronengelbe Voegel. Wir geniessen unser "Zmorge", goennen uns noch ein "Aug voll", machen einen zweiten Kaffee und nehmen dann die letzten Kilometer bis Almora unter die Raeder. Langsam geht es durch die hier typischen Foehrenwaelder dem Hang entlang. Es ist einfach schoen hier, es ist schwer sich auf die Strasse zu konzentrieren und "friieda" zu steuern. Gegen Mittag quetschen wir uns durch die engen Gassen von Almora, fragen nach dem Tara-Shop und werden ein par Kilometer ausserhalb, in Almora-Papersali dann auch fündig. Wir stellen "friieda" vor dem Shop ab und trinken in Gesellschaft einer Englaenderin und einer Australierin auf der Terrasse einen Tee. Wir quatschen ueber dies und jenes, wo kommst du her, wo gehst du hin, Tips werden abgegeben, Adressen ausgetauscht und Ulla wird von der netten Frau aus Australien ein kunstvolles Henna auf Arm und Hand verpasst! Zwei Stunden spaeter wollen wir uns verabschieben, doch "friieda" ist damit nicht einverstanden, streikt und laesst  wieder einmal "start error" aufleuchten.

Nun, stellt euch vor, ihr sitzt in einem kleinen Dorf im Norden von Indien, nahe der Grenze zu Nepal auf 1700 Meter ueber Meer, euer voll elektronisches Ding streikt, der naechste Fachmann sitzt im 450 Kilometer entfernten Dehli und allfaellige Ersatzteile muessen in Deutschland bestellt werden! Die Bergstrasse ist sehr schlecht, schmal und das Fahrzeug hoch. Abschleppen oder abtransportieren ist unmoeglich. "friieda" muss hier geflickt werden, sonst wird sie, fuer immer und ewig, als luxurioeses Ferienhaeuschen hier stehen bleiben. Das ist kein  Gluecksgefuehl, eher ein Tiefschlag, das ist ein Moment der Resignation, das ist die Schattenseite unseres Unternehmens "Weltreise".
aber!!!   "Wenn du meinst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her".
Wir beziehen ein Zimmer im Guesthouse von Tara-Shop. Der Besitzer beruhigt uns und organisiert Richard, ein ehemaliger Garageist, ein Edelmann, der uns tagelang treu begleitet, telefoniert und organisiert und mit dem uns am Schluss eine tiefe Freundschaft verbindet. Richard sucht Mercedes Indien, erklaert die Situation, beantwortet Rueckfragen, liefert die gewuenschten Daten. Dann geht alles sehr schnell. Mercedes Leute von Dehli sind 24 Stunden spaeter vor Ort, checken "friieda" und halten den Austausch des Steuergeraetes fuer unumgaenglich. Das Teil wird in Deutschland bestellt und 16 Tage spaeter hier in den Bergen eingebaut. Der Spass ist zwar nicht ganz gratis, aber Mercedes Deutschland und Auto Patel Dehli, von Mercedes Indien haben einen guten Job gemacht.

Wir haben Almora Papersali, das Guesthouse von Tara-Shop, die netten Leute und die traumhafte Gegend in den vergangenen Wochen lieb gewonnen. Hier gibt es wunderschoene Foehrenwaelder durch die kilometerlange Spazierwege fuehren, es gibt traumhafte Sonnenntergaenge und nicht vergessen, es gibt die Sicht auf den stolzen Nanda Devi und seine kleineren Kollegen. Hier hat es Geier und Adler am Himmel, Leoparden im Wald und die Vogelwelt ist fast so bunt wie die Saris der Frauen. Wir lernen Paula und Guerino vom Gardasee kennen, treffen Uhli aus Deutschland
und haben Kontakt zu Lona und Karl aus Schottland. Als die beiden Lieben aus dem Land des Whiskys, Almora verlassen, purzeln da und dort Traenen ueber die Wangen!  Ende November wird Ulla kreativ, bastelt ploetzlich fuer Ritchards Frau aus selbst gesuchtem Gruenzeug einen Kranz und bekommt dafuer prompt Hoechstnoten. Ingrid aus Frauenfeld lebt mit ihrem Mann und dem zweieinhalb jaehrigen Sohn in der Naehe des Kasar- Devi-Tempels auf einem  beneidenswert schoenen Fleck Erde! Die aeusserst symphatische Familie hat uns in ihrem einfachen, aber heimeligen Zuhause zu "Momo" eingeladen. Wir haben schweizerdeutsch "palavert", von der Indienkennerin einige gute Tips erhalten vor allem aber ihre Gesellschaft genossen. "we will keep in touch with you"
Kurz vor unserer Abreise treffen wir Andreas aus Flawil und Anna aus Kreuzlingen. Die aufgestellten, jungen Bildhauer sind erst vor ein par Tagen in Indien angekommen und sind nach dem Kulturschock (Zuerich-Dehli), hier in die Berge gefluechtet. Die beiden meinen uebereinstimmend, aber  noch immer sichtlich aufgewuehlt, was sie in Dehli gesehen haben, sei abartig, sei voll krass!!!

Ob wir Dehli auch abartig und voll krass finden, erzaehlen wir euch in unserem naechsten "Gschichtli" kurz vor Jahresende.
 
Ulla&Kari