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Indien 05.12.-24.12.2008

Kurz vor dem Chlaustag verlassen wir Almora, fahren ueber Jageshwar, Ghat, Champawat dem Grenzort Banbasa entgegen. Die Routenwahl erweist sich bis Champawat als ideal. Eine schmale, aber gute Strasse führt uns zwei Tage durch Taeler, ueber Huegel und durch Waelder, bietet immer wieder atemberaubende Sicht auf den Himalaya und wohltuende Blicke an die gruenen Terrassenhaenge mit den farbenfrohen Haeuser der kleinen Bergdoerfer. Fuer unsere vorlaeufig letzte Uebernachtung in den Bergen Indiens, waehlen wir ein ganz besonders schoenes Plaetzchen ca. zehn Kilometer vor Lohagaht.  Wir ziehen noch einmal alles rein, was diese herrliche Bergwelt zu bieten hat. Traumhafte Bilder, freundliche Menschen, Ruhe und gute Luft!  Ab Champawat wird die Sache dann aber muehsam. Wir leiden ca. siebzig Kilometer oder gute drei Stunden mit "friieda". Die Strasse bis Banbasa ist eine Zumutung und verdient es nicht, als solche bezeichnet zu werden. Murgaenge gewaltiger Dimensionen decken den Asphalt hunderte von Metern zu und Bruecken sind einfach nicht mehr da! Da diese Schaeden wie fast alles in Indien, von Hand repariert wird, ist zu befuerchten, dass die Natur schneller ist als die Haende der dunkelhaeutigen Erdenbewohner und deshalb, wird die Instandstellung wohl, - "ein ewig Werk ". Trotzdem, wer in den Norden kommt, sollte die von uns gefahrene Route waehlen! Es lohnt sich!
Banbasa ist Indiens Grenzort zu Nepal und das reinste Chaos! Man muss es einfach mit eigenen Augen gesehen haben! Schon bei der Abzweigung von der Hauptstrasse glaubst du, du hast dich verirrt. Eine holprige Lehmpiste fueht durch eine enge, schmutzige Gasse mit unzaehligen kleinen Laeden. Eisenstangen, Blumenkohl, Fernseher, Plastiktaschen und vieles mehr wird in einem buntem Durcheinander angeboten. Mitten im Gewuehl werden Haare geschnitten, Kleider genaeht, Autos geflickt und Tee getrunken. Der ohrenbetaeubende Laerm, der Knaeuel aus Menschen, Velos, Kuehen, Autos, Lastwagen, sogar der Gestank vom ueberall herumliegenden Abfall ist und gehoert zu Indien. Die Leute gehen ihren Pflichten nach, schwatzen, lachen und geniessen offensichtlich den Besuch im Dorf, fuer den sie oft lange Fussmaersche auf sich nehmen. Hier wird verkauft, gekauft, hier werden Neuigkeiten ausgetauscht hier wird gebettelt, meditiert, gebetet, geopfert, hier findet das indische Leben statt. Ausserhalb des Dorfes geht es ueber eine holprige Strasse der Grenze entgegen. Ein Tor wird geoeffnet, eine Bruecke uberquert und wir stehen vor dem Indischen Imigration Office. Es ist am Eindunkeln!  Wir haben es eilig und wissen noch nicht wo wir uebernachten koennen, - aber - , die Beamten  scheint das nicht zu kuemmern. Tee wird serviert, Formulare ausgefuellt, Stempel auf unsere Papiere gedrueckt und ueber die Schweiz geplaudert. Dann haben wir es geschafft, wir verlassen Indien fuer einige Tage, ruecken im Halbdunkeln ganz langsam vor und stoppen vor dem Nepalesischen Einwanderungsbuero. Dieses ist zwar bereits geschlossen, die davor liegende Wiese, ist aber ein idealer Platz zum uebernachten. Wir haben wieder einmal Glueck gehabt!

Welcome in Nepal!
Am naechsten Tag geht alles sehr schnell. Die Visas werden erteilt, Paesse und Carnet abgestempelt und unser Kurzbesuch in Nepal ist gesichert. Wir benutzen Nepal als Durchreiseland auf dem Weg nach Varanasi. Da wir in Almora fast vier Wochen gestanden sind und am 28.12.08 unsere Tochter in Dehli abholen koennen bleibt uns nur wenig Zeit fuer Nepal. Wir werden, so Gott will, Kathmandu, Pokhara und die Berge Nepals bei anderer Gelegenheit geniessen.
Unser Ziel ist Sauraha, im Chitwan National Park, Natur pur, herrliche Tierwelt und einige Tage Erholung. Die Fahrt durch Nepal ist spannend, die Bilder am Strassenrand, obwohl geprägt von Armut, irgendwie beruhigend, schön und friedlich. Es ist oft beschaemend festzustellen wie genuegsam,  wie anspruchslos die Menschen in diesen Ländern sind. Man sieht hier viele froehliche Leute, hoert sie singen, sieht in den von Wind und Wetter gezeichneten Gesichtern, ein zahnloses aber herzliches Laecheln und strahlende Augen. Hier ist jetzt Winter, tagsueber sonnig warm, am Abend und in der Nacht aber frisch, neblig und feucht. Wen stoerts, in Tuecher gehuellt sitzen sie nach Sonnenuntergang am Feuer, legen
sich dann meist nur unter einem Strohdach auf ihre Brittschen und machen ein Nickerchen. Morgen früh gehts zu einem der ueberall, oft im Muell herumstehenden Brunnen mit Handpumpe, die Tuecher fallen und dann wird geseift, geschruppt und gewaschen als wuerde dies naechstens verboten. Wer Arbeit hat, geht dieser nach, bringt Gemuese auf den Markt, kocht Tee am Strassenrand, fuellt mit einer uralten Hermes fuer Analphabeten Formulare aus, schneidet Haare oder transportiert mit einem Esel Lasten. Es ist wie in Indien, absolut chaotisch aber ruhig und friedlich. In Lamahi wird unsere Traeumerei unterbrochen. Die Strasse ist wegen einem Unfall gesperrt, eine Weiterfahrt vorläufig unmöglich. Wir beziehen vor einem Hotel mit angegliederter Strassenkueche Quartier. Da wir uns auf der Hauptstrasse nach Kathmandu und Pokhara befinden, verursacht die Sperre in kurzer Zeit eine lange Kolonne von Lastwagen und vollgestopften Bussen. Am andern Morgen ist die Situation unveraendert! Tausende von Menschen sitzen geduldig in den Bussen, am Strassenrand und wer es sich leisten kann in einer der Strassenkuechen. Wir beobachten die Szene, haben Kontakt zu Reisenden und sehen was alles in und auf den Bussen transportiert wird. Gemuese, Baumwollballen, Fahrraeder, Plastikrohre, Ziegen und oft auch einige mutige Billigfahrer zieren die Daecher der sonst schon hoffnungslos ueberladenen Busse. Nach vierundzwanzig Stunden wird die Strasse wieder frei gegeben. In rund einer halben Stunde hat sich der bunte Haufen hupend zwar, aber friedlich, aufgeloest. Wir bleiben noch eine Nacht, warten bis sich die Sache beruhigt hat und steuern "friieda" am naechsten Tag an unser Ziel, den Chitwan
National Park. In Sauraha wird uns ein Standplatz vom Feinsten zugewiesen. Wir stehen vier Tage direkt am Fluss, am Sunset-Point und an der Stelle, wo taeglich die Elefanten gebadet werden, Waesche gewaschen wird, wo Menschen ihr Privatbad nehmen und ihre Haare waschen. Wir machen eine gefuehrte "bird wachting tour" und gehen auf eine ganztaegige Jeep-Safari. Wir sind mit unserem Guide jeweils alleine unterwegs und beide Male sehr erfolgreich. Wir sehen eine traumhafte Landschaft, mehrere Nashoerner auf Kurzdistanz, Rotwild, Wildschweine, viele farbenpraechtige Voegel und man hoere und staune, sogar einen Tiger. Es hat Spass gemacht weil unser Guide mit Leib und Seele bei seiner Arbeit war. Seine Begeisterung hat sich förmlich auf uns uebertragen, seine ueberschwengliche Freude und spontane Umarmung nachdem wir den Tiger gesichtet haben war ruehrend. Dinesh heisst der Mann, er nennt sich "Naturelover" und ist ein Meister seines Fachs. Thanks a lot, Dinesh, und tschau Chitwan, es war schoen bei euch!

Varanasi das spirituelle Indien
Was Mekka fuer Moslems und Jerusalem fuer Juden und Christen ist, ist Varanasi fuer Hindus, - die heiligste Stadt aller Staedte. Hier spiegelt sich die einzigartige Vielfalt und Wiederspruechlichkeit des Indischen Lebens, in Form und Konzentration, wie nirgends sonst in Indien! Geburt und Tod, unbaendige Lebensfreude und meditative Versenkung, von Abfaellen und Tierexkrementen ubersaete, nach Urin und Faekalien stinkende Altstadtgassen, goldverkleidete Tempel, erbaermlich entstellte Bettler, schillernde Saris, offene Scheiterhaufen und heitere Sitarmusik , - alles geht gleichzeitig und auf engstem Raum nebeneinander her. Varanasi wird oft auch die Seele Indiens genannt, es ist besonders, es ist spirituell!
In unserem Reisefuehrer steht ueber Varanasi treffend; --- Man sollte sich Zeit nehmen, um das zunaechst verwirrende Nebeneinander in aller Ruhe auf sich wirken zu lassen. Wer dies tut und vorurteilsfrei hinschaut, hoert, riecht und fuehlt, wird dem Geist Indiens in der ewigen Stadt naeher sein als irgendwo sonst. Natuerlich sind hier die neuzeitlichen Probleme des hoffnungslos uebervoelkerten Kontinents auch krass und deutlich sichtbar.
Der scheinbar so mystisch wirkende Nebelschleier ueber der Stadt ist nichts andereres als ungefiltert in die Luft abgegebene Industrieabgase und der Ganges, an dessen Ufer Pilger allmorgendlich ihr rituelles Bad nehmen, die toten verbrannt und Kleider gewaschen werden, steht kurz vor dem oekologischen Kollaps. Wer Lust und Zeit hat, sollte es sich ansehen! Indien ist gewaltig, nie einfach, immer faszinierend!

Wir sind jetzt in Dehli, feiern hier Weihnachten und bereiten uns im Nehru-Park auf die Ankunft unserer Tochter Tina und die anschliessende gemeinsame Reise bis Goa vor. In dieser Gegend setzt unser Sohn Reto mit seiner Visite, in der zweiten Haelfte Januar, das Tuepfchen auf
das " i ". Wir freuen uns riesig auf unsere verspaeteten Weihnachtsgeschenke und werden sie entsprechend geniessen.

Wir wuenschen allen frohe Festtage, viel Glück, gute Gesundheit und ein interessantes, spannendes 2009.

Ulla&Kari