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Indien 16.01-28.02 2009

Agonda-Beach, N 15° 01.896,  O 73° 59.444 ist unsere Position fuer  ca. vier Wochen. Es ist nicht ganz einfach, mit dem uns zur Verfuegung stehenden, bescheidenen Wortschatz diesen Standplatz zu beschreiben. Eines ist aber klar, wer hier Heizoel verschachern will, liegt falsch.      Wer Peach Webers "sun, fun, nothing to do"  nachleben will, jedoch goldrichtig! Die taeglich zehn Stunden Sonnenschein machen sogar unsere Solarpanels gluecklich!
"friieda" steht unter Palmen direkt am Meer. Agonda-Beach ist eine ca. anderthalb Kilometer lange, vom Tourismus noch kaum erfasste Bucht. Sandstrand, Palmen, Ruhe und Natur pur. Wir teilen dieses Paradies mit acht Nachbarn, Travellers aus ganz Europa. Neben uns stehen Nancy und Philip aus Belgien, Roman aus Waedenswil, Hildegard und Christian aus Oesterreich und Agnes und Tadaeus aus Deutschland, Dazu kommen Spanier, Franzosen und Englaender. Die Familie ist gross, interessant und sehr heterogen, hinter jedem steckt eine Geschichte, eine Motivation, eine Lebensphilosophie. Wir machen viele gute Bekanntschaften, fuehren eben solche Gespraeche und spueren, dass wir nicht die einzigen Spinner sind! Annalore und Hubert zum Beispiel, sind seit fast vier Jahren unterwegs und haben sich entschieden, in ihrem Fahrzeug alt zu werden. Roman der unternehmenslustige, junge Schweizer ist mit seinem alten Toyota ueber Turkmenistan, Usbekistan, Kirgistan, China und Pakistan nach Indien gekommen und Walter und Christine aus Oesterreich, eigentlich Vollblut-Camper, sind nach Indien geflogen und wundern sich nun, wie all die Europaeer mit ihren Womo's unter die Palmen von Goa kommen. Sie informieren sich intensiv, sind von der Idee begeistert und werden es wohl bald selbst auch versuchen. Wir wuenschen dem sympathischen Ehepaar schon jetzt alles Gute, viel Spass und gute Reise. Sie  sind, wie alle hier, neugierig, unternehmungslustig und auf der Suche nach einer Alternative zu Sitzungen, Termine, Statistiken, zu Chef, Handy und "big brother is watching you". Agonda-Beach ist eine solche Moeglichkeit. Du wachst um acht Uhr auf, fruehstueckst am Meer unter Palmen, legst dich anschliessend in die Haengematte, liest ein Buch oder laesst dir die rauhe, geile Stimme von Gianna Nannini an die Ohrmuschel donnern. Das kann, je nach Stimmung auch eine Arie, ein Klavierkonzert oder der Jodlerclub vom Huesliberg sein, Hauptsache es gefaellt dir. Ist dem so, ist das Gefuehl unbeschreiblich gut.
Am 27.01.09 muessen wir uns leider von Tina verabschieden. Wir tun es kurz,  - aber, - nicht schmerzlos! Uns bleiben die Erinnerungen an eine schoene Zeit und einige typische Tina Deko-Artikel!  Zwei Tage spaeter kommt jedoch bereits Reto. Er bringt uns News aus der Heimat, Geraeuchertes, Kaese und "feine Honig" von der Rueti in Murg. Wir geniessen noch zehn Tage am Strand, beobachten die taeglich vor der Kueste spielenden Delphine, baden, quatschen und fruehstuecken wie einst im Freihof. Wir inhalieren die Duefte die der Speck vom Toesstal, die Salametti vom Steiner, der graeucherte Bueffelmozzarella, der rassige "Citterio" und der Bienenhonig von sich geben und lassen die feinen Sachen genuesslich auf unseren Zungen vergehen. Den Spendern sei Dank! Hier bringt Reto "Oldi's" Computer wieder auf  Vordermann, reinigt, defragmentiert, holt Updates, macht Backups und brennt die wichtigsten Daten auf DVD's um sie daheim sicher abzulegen. Hier besuchen wir auch die oertliche Mercedes-Garage und verpassen "friieda" neue Bremskloetze. Das ist auf den Strassen dieses verrueckten Landes absolut kein Luxus! Auf diese, kehren wir am 08.02.09 dann auch zurueck, verlassen Agonda-Beach, Goa, die kleinste Provinz des Landes und steuern dem, im Bundesstaat Karnataka gelegenen Hampi entgegen. Die 350 km lange Fahrt ins Innere des Landes ist abwechslungsreich, unproblematisch, die Strassen sind ueberraschend gut und das Tagesziel wird planmaessig erreicht. Wir koennen "friieda" wie so oft in Indien, fuer wenig Geld im Garten des KTDC Hotels parkieren, duerfen WC und Dusche der  Anlage benutzen und der Parkwaechter passt rund um die Uhr auf uns und "friieda" auf. Vijayanagars war die ehemalige, bluehende Hauptstadt  des letzten grossen Hindu-Reiches Suedindiens. Ein ausgekluegeltes Bewaesserungssystem sorgte hier schon anfangs des 15. Jahrhunderts fuer Wohlstand und Reichtum. An Stelle der Tempel und Koenigspalaeste stehen heute allerdings armselige Huetten und wo frueher Baumwolle, Gewuerze und Edelsteine gehandelt wurden, wird jetzt Obst und Gemuese verkauft. Aus dem einst stolzen Vijayanagars wurde das unscheinbare, aber liebliche Dorf Hampi. Die auf einer Flaeche von 26 km2 verteilten, kunsthistorisch einzigartigen Baudenkmaeler, stehen in einer, von grossen Granitfelsen und gruenen Oasen durchsetzten Landschaft und machen den Besuch des Dorfes am Tungabhadra-Fluss zum Erlebnis. Wer sich Zeit nimmt und sich im idyllisch gelegenen Mango Tree Restaurant, im Schatten der grossen Baeume noch eine suedindische Mahlzeit servieren laesst, wird das 1986 zum Weltkulturerbe erklaerte Hampi, wohl nicht so schnell vergessen. Wir lassen es uns hier volle zwei Tage gut gehen, geniessen die Landschaft, beschaeftigen uns mit der Geschichte und schlendern einfach durch die sympathische Ortschaft. Dabei treffen wir zufaellig die Luzerner Yvonne und Bruno die wir letztmals in Islamabad gesehen haben. Wiedersehen macht auch im Ausland Freude! In Hampi muss Ulla zum Zahnarzt!!! Weil wir in Indien sind und weil die Behandlung fuer Fr. 7.50 und die Antibiotika fuer Fr.1.80 ihre Wirkung gezeigt und Ulla von ihren Schmerzen befreit haben, wäre es unfair sich ueber die Praxis und die dort herrschende Hygiene im Detail zu aeussern. Wer sich in diesem "Laden" eine Spritze verpassen und ein Teil eines Zahnes ziehen laesst, ist aber sicher mutig! Geht dann das Ganze noch ohne Komplikationen ueber die Buehne, hat sicher Shiva, Krishna oder Ganesha seine Finger im Spiel gehabt.
Unsere Fahrt in den Sueden fuehrt uns ueber Belur zum "Chennakeshvara-Tempel" und spaeter nach Mysore. Mysore, die Stadt mit den breiten, baumbestandenen Alleen, den huebschen Parkanlagen, dem maerchenhaften Stadtpalast und dem, mitten im Zentrum gelegenen und wohl schoensten und farbenpraechtigsten Markt Suedindiens, muss man einfach besuchen! Genauso muss man ab und zu in den oeffentlichen Kuechen einkehren und mit den Einheimischen essen. Die suedindische Kueche ist exzellent und in den einfachen "Beizli" immer vorzueglich. Serviert wird meist im Blechteller, ab und zu auf Bananenblaetter und gegessen wird ohne Besteck, ausschliesslich mit der rechten Hand. Die "Linke" ersetzt in Indien das Toilettenpapier! Am 14.02.09 fuehrt uns eine Umleitung auf einer unmoeglichen Piste durch den Rajiv Gandhi Nationalpark. Wir brauchen Nerven, viereinhalb Stunden für dreissig Kilometer und leiden mit "friieda". Die Schinderei wird dann aber doch noch belohnt. Wir sehen diverses Rotwild, einen kapitalen Hirsch und ein Elefant kreuzt unseren Weg. An diesem Tag erreichen wir auch die Grenze von Kerala. Ein keralisches Sprichwort heisst: "Kollam kandal ilam venda" - wer nach Kerala kommt wird seine Heimat schnell hinter sich lassen. Dies ist angesichts der einzigartigen Schoenheit dieses Bundesstaates mit der tropischen Natur, den traumhaften Straenden und dem weit verzweigten Lagunensystem der beruehmten Backwaters wohl kaum uebertrieben. Kerala ist auch die Provinz mit der hoechsten Alphabetisierungsquote, der kleinsten Kindersterblichkeit und der hoechsten Lebenserwartung. Zudem ist Kerala der einizige Bundesstaat in dem mehr Frauen als Maenner leben und der einzige, der seit fast fuenfzig Jahren von den, von Mahatma Gandhi's Gedankengut, stark gepraegten Kommunisten regiert wird. In Kerala waren auch die Maenner des Kreuzes erfolgreich. Die portugiesischen Kolonialherren haben Spuren hinterlassen, sie haben christianisiert, Kirchen gebaut und dafuer gesorgt, dass heute, rund 20 % der Bevoelkerung Christen sind. Hier sind die Menschen auffallend verspielt, froehlich und hier tragen die Maenner lustige Roecke! Wir folgen suedlich von Parur, fast nur den kleinen Kuestenstrassen zwischen dem Meer und den Backwaters und sehen dabei Doerfer und Straende die vom Tourismus noch nicht beruehrt wurden, machen in Alleppey eine eindrueckliche Zweitages Backwatertour mit dem Hausboot und stellen "friieda" am 20.02.09 auf die "Cliff's von Varkala". Hier, auf dem roten Fels ueber dem weissen Sandstrand erleben wir einen imposanten Sonnenuntergang und geniessen Reto's letzten Abend in Suedindien. Am Fasnachts-Samstag muessen wir uns in Trivandrum dann leider von ihm verabschieden. Reto besucht in Pune noch einige Arbeitskollegen und fliegt dann zurueck in die Schweiz.   Es tut, - wie schon am 27.01.09 - wieder weh!
Wieder allein, suchen wir uns suedlich von Trivandrum ein Standplatz und finden diesen am Eve's-Beach in  Kovallam. Die touristische Gegend ist uns trotz dem herrlich weissen Sandstrand aber etwas zu "busy", die Musik aus der nahegelegenen Tempelanlage zu aufdringlich und die Temperaturen in dem von Huegeln eingekreisten Kessel zu hoch. In Puvar finden wir, was wir gesucht haben!
Ein langer weisser Sandstrand am Rand des Fischerdorfes, fuer uns allein. Tagsueber kriegen wir zwar oft Besuch von den Einheimischen, lassen uns fotografieren, beantworten immer wieder die selben Fragen und machen Betriebsbesichtigungen in der "friieda". Abends ist es aber absolut still
kein Mensch weit und breit und morgen frueh teilen wir den Strand mit den Fischern. Wir stehen hier zwischen dem Meer und den Backwaters mit Suesswasser, baden, lesen und relaxen fuenf Tage bei Tagestemperaturen von ca. 35 Grad und einer staendig, angenehmen Brise die nachts fuer ca. 25 Grad und die Durchlueftung von "friieda" sorgt. Der Standplatz ist zwar traumhaft, die Neugier auf Cap Comorin aber so gross, dass wir weiter  fahren, weil wir wissen wollen wie es da aussieht, wo man Sonnenaufgang und Monduntergang zur gleichen Zeit beobachten kann.

Was wir in "Cape Comorin", dem suedlichsten Punkt von Indien erlebt haben und wie es da aussieht schildern wir im naechsten Bericht.

Liebe Gruesse aus Kanyakumari,
Ulla & Kari