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Indien 28.02.-24.03 2009

Tamil Nadu ist die suedlichste Provinz Indiens, es ist Suedindien in Reinkultur! Hier wird dieses Land so unverfaelscht gelebt und vorgefuehrt, wie in keinem anderen Bundesstaat des Subkontinents. Das Land der Tamilen (Tamil Nadu) ist sprachlich eigenstaendig und zeichnet sich durch eine tiefe Religioesitaet aus, die sich in den bunten, oft mit hunderten von Goettern verzierten Tempeltuermen manifestiert. Die praechtig bunten Tempel stehen oft  im Stadtzentrum und bilden in den klassischen Tempelstaedten den kulturellen und religioesen Mittelpunkt.
Der suedlichste Zipfel hat aber auch landschaftlich einiges zu bieten und die fruchtbaren Gebiete mit den landwirtschaftlichen Produkten wie Zuckerrohr, Baumwolle, Reis, Tee, Chilies, Kaffee und Kokos lassen einige andere Staaten vor Neid fast erblassen!  Die Kueche Suedindiens ist vielfaelltig, scharf und traegt einiges dazu bei, dass Tamil Nadu zu unserem Favorit herangewachsen ist. Die selten interessante, wuerzige Mischung aus guter Kueche, landschaftlicher Schoenheit, unverfaelschter Kultur, kunsthistorischen Schaetzen und dem staendigen Laecheln machen Tamil Nadu so sympathisch, dass es auf keiner Indienreise fehlen darf.
Wir kommen am zweitletzten Tag des zweiten Monat's in Tamil Nadu an. Weil wir von Puvar, unserem letzten Strandparadies erst nach Mittag wegfahren, schaffen wir es bis kurz vor dem Eindunkeln nur bis Ethancaud. Wir stellen "friieda" auf einer Tankstelle am Dorfeingang ab. Der freundliche Besitzer ist sogar stolz, uns auf seinem Grundstück zu haben und begleitet uns sehr gerne in eine nahegelegene Strassenkueche. Es ist wie immer sehr einfach, aber gut und herzlich. Die obligaten Fragen nach Herkunft, Familie, Kinder und natuerlich dem Vornamen werden auch hier gestellt und weil sich offensichtlich nicht jeden Tag Touri's in dem "Nest" verirren, mustern uns die zahlreichen "Gaffer " diesmal besonders intensiv! Sie haben keine Hemmungen, stellen sich neben uns und schauen zu, wie wir immer noch etwas ungeschickt, nur mit der rechten Hand,  Reis und Saucen auf dem Bananenblatt mischen, zu mundgerechten Baellchen formen und dann versuchen, diese ohne Verlust in den Mund zu stopfen!!! Am 28.02. fahren wir gemuetlich dem suedlichsten Punkt von Indien, Kanyakumari oder Cap Comorin entgegen. Hier treffen sich die arabische See, der indische Ozean und der Golf von Bengalen. In Kanyakumari wurde die Asche von Mahathma Gandhi den Weltmeeren uebergeben und hier kann jeweils bei Vollmond, der Sonnenuntergang und der Mondaufgang vom selben Punkt aus und zwar gleichzeitig beobachtet werden. Auf den beiden Felsen knapp fuenfhundert Meter vor der Kueste steht unuebersehbar das Memorial des grossen Hindu-Philosophen Vivekananda. Wir sind in Cap Comorin sofort zu Hause, fuehlen uns wohl und quartieren im Santhigiri Ayurveda-Center ein. Wir nehmen ein einfaches Zimmer, bewegen uns bei Tagestemperaturen um die 36° wie die Inder, sehr langsam und nur in den Morgen-, und Abendstunden. Tagsueber ist Siesta angesagt, es wird Post erledigt und wir goennen unseren strapazierten Koerpern eine einstuendige Massage. Da wir in Indien sind, werden Frauen von Frauen und Maenner von Maenner massiert!  Es wird in einer hygienisch eher zweifelhaften Umgebung vierhaendig gezupft, getaeschelt, geschlagen, massiert, zwischendurch werden Geister angerufen, die oelige Masse beschworen und heisse Steine eingesetzt. Es ist ein oeliges, aber eindrueckliches Erlebnis!
Unsere Reise fuehrt ab hier wieder nordwaerts. Madurai, die heimliche Hauptstadt Suedindiens ist ein Ort zum verweilen! Wir bleiben drei Tage und besuchen den Sri-Meenakshi-Tempel mehrmals, obwohl die riesigen mit hunderten von farbigen Goettern verzierten Tempeltuerme gerade zugedeckt sind. Die, die Millionenstadt ueberragenden Tuerme werden alle zwoelf Jahre restauriert, das heisst frisch bemalt und wir Glückspilze sind gerade zu diesem Zeitpunkt hier! Es ist trotzdem schoen, es ist interessant die Szene zu beobachten, durch die engen Gassen, ueber den Blumen-, oder den beruehmten Obst und Gemuesemarkt zu schlendern, oder sich mit den Einheimischen in den Park zu setzen und zu geniessen. Madurai ist anders, hat Charme und wirkt auf uns beruhigend. In Trichy (Tiruchirapalli) beeindruckt uns dann vor allem das freundliche Personal des Hotel Sangam. Wir koennen hier gratis stehen, haben Wireless sogar in der "friieda" und benutzen den Swimmingpool fuer relativ wenig Geld. Wer hier vorbei kommt, sollte auch ein vegetarisches Biriyani, ein Chicken-Paratha-Masala oder eine der feinen Dosa's probieren. Die Kueche im Sangam ist hervorragend! Vielleicht haben wir schon zu viele Tempelanlagen besucht in denen geschaeftstuechtige Brahmanen den Glaeubigen die Rupies abnehmen und finden deshalb nicht mehr alles so schoen, wie die Verfasser unseres Reisefuehrers. Der Sri-Ranganatha-Swami-Tempel ist zwar riesig und die Tempeltuerme beeindruckend, das Innenleben erinnert aber mehr an eine "Chilbi" als an ein Vishnu-Heiligtum. Auf der Fahrt nach Pondicherry pfluecken wir Baumwolle. Es ist als pensionierter Textiler schon ein spezielles Gefuehl, dieser Pflanze auf dem Feld gegenueber zu stehen und ihr ein Bueschel weisse Fasern zu entnehmen.
Kurz darauf parken wir "friieda" in Pondicherry. Wir fühlen uns trotz eines heftigen Gewitters wohl in der ruhigen Strasse in der Naehe des franzoesischen Konsulates, spielen Jatzi und lassen den, seit Monaten ersten Regen unser Heim abspuehlen. Der lang anhaltende Regen ist aber so stark, dass das Wasser in unserer Strasse nicht mehr abfliesst und "friieda" ploetzlich in ca. 25 Zentimeter tiefem Nass steht. Wir fluechten mitten in der Nacht in die etwas hoeher gelegene Rue de la Marine und schlafen sehr unruhig, weil wir Angst haben unser "Chalet-friieda" koennte davon schwimmen. Morgens um Acht ist die Welt aber wieder in Ordnung, die Sonne scheint und uns gibt es noch! Die ehemalige franzoesische Enklave verleiht der Ostkueste Indiens ein Hauch von "savoir-vivre" und der Anblick der Tricolore ist in diesem Teil der Erde ungewohnt witzig. Das kulturelle, geistige und oekonomische Zentrum Pondicherry's ist aber eindeutig der Aurobindo-Ashram mit Schulen, Krankenhaeusern, Laeden, Fabriken und mehreren hundert Immobilien. Es ist allerdings zu bezweifeln, ob das heutige Imperium, dem Geist des Ashram-Gruenders noch entsprechen würde!  Man bedenke auch, dass die  Verursacher dieser klassischen  Fehlentwicklung, einst, - auf der Suche nach einer Alternative zu Ospelt & Co. - nach Indien reisten!  Hehre Ideale und ernuechternde Realitaet!
Wir folgen der Beach-Road bis Mamallapuram und betrachten wieder einmal mit gemischten Gefuehlen all das, was wir da zu sehen kriegen. Traumhafte Palmenstraende, riesige bluehende Baeume, echte suedindische Doerfer mit dem so selbstverständlichen Kontrastprogramm von Wohlstand und Armut. Wohl nirgends auf der Welt leben Menschen so friedlich, oft mit ihrem Hab und Gut auf der Strasse, in einfachen, mit Palmenblaetter bedeckten Lehmhuetten, oder hier im Sueden, in den mutig bunt bemalten Villen zusammen!  Die Kaste machts moeglich, dem Charma sei Dank!
Wir erholen uns einige Tage in Mamallapuram, stehen im Garten des TTDC-Hotels direkt am Meer und besuchen die Hoehlentempel, das grosse  Felsenrelief und Krishna's Butter Ball. Mamallapuram ist gemuetlich, das Steinmetzzentrum Indiens und selbst dann sehenswert, wenn man glaubt, bereits genuegend Tempelanlagen gesehen zu haben! Ein Highlight anderer Art, ist das Vogel-Pardises "Vendantangal". Die praechtige Anlage ist ein natuerlicher Brut-, Futter-, Nist- und Uebernachtungsplatz fuer tausende von Voegel. Etwa sechsundzwanzig verschiedene Vogelarten machen hier Halt. Pelikane. farbige Stoerche, schwarze und weisse Ibize, Loeffler, der Openbill Storch und der elegante Darter um nur einige zu nennen, machen uns hier zwei Tage viel Freude. Wir werden aber auch von den, in Bambushuetten lebenden Menschen am Eingang des Parks verwoehnt und bekocht. Ihre Herzlichkeit, das exzellente Biriyani, die feinen Dosa's und den schmackhaften Tee werden wir wohl nicht so schnell vergessen.
Chennai, eine Stadt mit ca. 7-8 Millionen Einwohner ist unsere letzte Station in Indien. Hier ziehen wir alles was dieses Land zu bieten hat nochmals intensiv ein, holen auf dem Konsulat, das dort fuer uns lagernde, neue Carnet de Passage ab und organisieren mit den Profis von Interfreight Services  "friieda's" Verschiffung nach Kuala Lumpur. In Chennai treffen wir auch die Luzerner Yvonne und Bruno bei ihren Vorbereitungen fuer den Sprung nach Australien wieder. Mit ihnen feiern wir, bescheiden, aber gemuetlich Ulla's 60-igster Geburtstag. Die Kosten sind dem Landesindex entsprechend und belasten das Reisebudget nicht so stark wie "friieda's" Verschiffung!  "friieda" verlaesst Indien auf einem Flat Rack Container mit dem Frachtschiff  Tiger Shark V. 682 am 26.03. und ist am 30.03. in Malaysia! Wir sollten sie dort am 31.03 eigentlich wieder in Empfang nehmen koennen. Ob und wie wir "friieda" wieder gekriegt haben, berichten wir im Bericht Nr. 24.

Adieu Indien!

Am 24.03.2009 ist es dann so weit. Wir verlassen Indien, unsere heimliche Liebe! Auf dem letzten Spaziergang durch das chaotische Chennai kommt Wehmut auf. Auf der Fahrt zum Flughafen schauen wir stumm aus dem Fenster des Taxis. Nach der Passkontrolle ist es dann endgueltig, wir muessen wieder einmal loslassen! Indien ist eine, bis an den Rand gefuellte, bunte Wundertuete. Indien ist faszinierend, es ist grossartig, es ist das Land der Geruche, der Gewuerze, der Farben, es ist die Heimat froehlicher, bescheidener Menschen die sich oft einer tiefen, kindlich naiven Religioesitaet hingeben, es ist das Land der vielen Sprachen, mehrerer Religionen und tausenden von Goettern. Indien ist oft laermig, anstrengend, ab und zu stinkt es fuerchterlich, wir werden bei jeder sich bietenden Gelegenheit "ueber's Ohr gehauen" und trotzdem lieben wir dieses Land und das Laecheln der Menschen mit den bunten Gewaender und ausdrucksstarken, braunen Gesichter.
Indien hat auch viele Gemeinsamkeiten mit der Schweiz! Es ist eine Demokratie, sogar die groesste gelebte Demokratie der Welt, es kennt den Foederalismus, die Religionsfreiheit und hat ähnlich wie wir, ein Kastensystem das dafür sorgt, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer aermer werden und seine Bevoelkerung waechst etwa gleich schnell und unvernuenftig wie das Einkommen von Herrn Vasella! 

Frohe Ostern, passt auf und lasst euch von den Baenkern nicht auch noch die Ostereier wegnehmen!
Ulla & Kari