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Thailand 30.09.-31.10.2009
VON GANZ UNTEN ZURUECK ZUR GLUECKSEELIGKEIT
Kurz nach dem Entreissdiebstahl durch ein vorbeifahrendes Moped, stehen
wir schockiert in einer der vielen Nebenstrassen Ayutthayas. Die Gaffer
aus den umliegenden Behausungen und die zahlreich aufmarschierte
Tourist-Police wissen wohl, dass da nichts mehr zu holen ist! Fuer uns ist auf
jeden Fall kein Ansatz einer Suchaktion zu erkennen. Uns
werden immer wieder die gleichen Fragen gestellt, Notizen werden auf
kleine "Bloeckli" gekritzelt, Handy's klingeln und der kreischende Ton
aus der Sprechanlage des Streifenwagens ist zu hoeren. Schliesslich
landen wir auf dem zustaendigen Revier, erhalten den so wichtigen
Polizei-Rapport und werden spaeter in unserem Guesthouse abgeliefert.
Nun realisieren wir, wir sind allein, in einem fremden Land und "sans
papiers"! Jetzt beginnt die Phase des Funktionierens. Die Basis daheim
wird angerufen, Kreditkarten werden gesperrt, die Botschaft in Bangkok
benachrichtigt, unsere Reisefreunde Barbara & Uwe informiert und fuers
Erste, tauschen wir einige unserer versteckten Dollars in Baht um. Der
kleine Bruder daheim erweist sich einmal mehr als grosse Stuetze, er
beruhigt uns, besorgt uns ueber Western Union Bargeld und laesst neue
Kreditkarten auf das Konsulat in Bangkok schicken. Wir studieren unser
Kartenmaterial und greifen am naechsten Tag gut vorbereitet, aber ohne
GPS den "Moloch" Bangkok an! Die Fahrt ist aufregend, die Skyline, die
Schnellstrassen und die Stadtautobahnen fuer Landeier gigantisch und
die Dimension der riesigen Hauptstadt unvorstellbar. Wir meinen kurz vor dem Ziel
zu sein , fragen an der Toll-Plaza zwei Polizisten nach
dem Weg und erhalten folgende Antwort: Bleiben sie ca. fuenfzehn
Kilometer auf dieser Spur, halten sie sich an der Gabelung links,
bleiben sie weitere sechs Kilometer auf dieser Autobahn und fragen sie
dann erneut nach dem Weg! Na Prost!
Aber, die Alten haben sich gut gehalten, meistern ihre Aufgabe bravouroes
und parken ein Stunde spaeter neben dem grossen Schweizerkreuz an der
noblen Adresse im Zentrum der Metropole. Ein "Bravo" der Navigatorin!
Formulare werden ausgefuellt, neue Paesse bestellt und dann Barbara &
Uwe gesucht die in der Soi Samsen 5, in einem Guesthouse am River wohnen.
Es ist schoen die beiden Traveller zu treffen, in das von Barbara
bereits reservierte Zimmer zu ziehen, unanstaendig lang und ausgiebig zu
duschen und dann, seit vierundzwanzig Stunden erstmals entspannt ein
Bierchen zu trinken! Zwei Wochen spaeter treffen unsere Paesse ein!
Genau ein Tag vor Ablauf unseres Visums in Thailand! Es folgt ein
Wettlauf gegen die ablaufenden Termine. Wir fahren kreuz und quer durch
die riesige Stadt und rennen durch die Bueros der Immigration und der
Zollverwaltung. Am Ultimo, also am 08.10.2009 werden unsere Visas
verlaengert und "friieda's" Zollpapiere abgestempelt. Weil wir sehr
happy und wieder im Geschaeft sind, leisten wir uns am Siamsquare einen
suendhaft teuren Kaffee und lassen die letzten Tage Revue passieren. Es
scheint, dass alles fuer etwas gut ist! Wir durften Bangkok intensiv
besichtigten, kennen das seltene Gefuehl der Papierlosigkeit und wissen
nun, dass - "alles was dich nicht umbringt, macht dich stark"!
BANGKOK
Thailand's Metropole hat alles, was Besucher von einer Grossstadt von
Weltformat erwarten duerfen. Nirgends in Thailand ist die Bandbreite
menschlichen Schicksals so augenfaellig wie an den Ufern des Flusses "Menam
Chao Phraya". Hier wird in unmittelbarer Naehe der Klongs wo jene
leben, die es nicht geschafft haben, Reichtum offen und ungeniert zur
Schau gestellt. Einkaufzentren der Superlative bieten alles nur
erdenklich Mögliche zum Verkauf an und ein Steinwurf entfernt, kochen
Menschen mit schmutzigem Wasser in erbaermlichen Huetten ihre
Tagesportion Reis. Inmitten betriebsamer Konsumpalaeste,
repraesentativer Verwaltungsgebaeude und modernen Hochhaeusern stehen
beschauliche Tempelanlagen. Die Moderne, die Hektik und der Laerm dieser
Grossstadt wird immer wieder durch Tradition, gelebte Religioesitaet und
Besinnliches durchbrochen. Wir haben viel Zeit und besuchen nebst den
touristischen Hauptattraktionen auch kleinere Seitenstrassen, gehen viel
zu Fuss, fahren Taxi, Tuk-Tuk, Public Bus und Skytrain,
benutzen die Schiffe auf dem Menam Chao Phraya und lassen uns mit dem
Longtail-Boot durch einen der noch wenigen, offenen Klongs chauffieren.
Wir gehen aber auch in die noblen Einkaufscenter, geniessen das
kulinarische Angebot der originellen Strassenkuechen, schauen uns den
unvorstellbaren HiFi-Markt im Pantip an, ich lasse mir einen
Kurzhaarschnitt wie zu alten Zeiten verpassen und fuer Ulla machen wir
einen Zahnarzt-Termin im International Hospital. Die grosszuegige
Eingangshalle, mit all den fremden Menschen verschiedener Hautfarben und
Rassen in ihren traditionellen Gewaendern geben dem Ganzen eher den
Anstrich eines Internationalen Flughafens als eines Spitals! Hier trifft
sich nun wirklich die ganze Welt! Wir werden trotz kurzen Hosen
freundlich empfangen und professionell bedient. Einem generellen Check
folgen mehrere Roentgenaufnahmen des Oberkiefers, eine halbstuendige Zahnreinigung und dann der Besuch beim
Spezialisten fuer Bruecken, Kronen und Gebisse! Die Diagnose ist
ernuechternd und die Rechnng mit einhundert CHF anstaendig! Wir werden
diese Nobelklinik anfangs 2010 fuer einen groeberen Eingriff wohl wieder
besuchen!
Wer Bangkok besucht muss als Minimalprogramm den Wat Phra Kae, den
Koenigspalast, das Nationalmuseum, den Wat Mahathat und den Wat Po
besuchen. Der Gigantismus dieser Anlagen wird von einer seltenen
Schoenheit, vollendeten Formen und feinen Details hoher Handwerkskunst
wett gemacht und meist in stilvollen, sehr gepflegten Gaerten
praesentiert. Wer mehr Zeit hat muss durch die Gassen von Chinatown
schlendern, den Siam-Square, den golden Mount und die koeniglichen Barken
besuchen und beim Erawan-Schrein einen laengeren Halt einlegen. In
Thailand steht auf fast jedem Privatgrund ein Geisterhaeuschen in dem
der Hausgeist wohnt. Die Thais nennen es "chao thi" und lassen es selbst
in den modernsten Zentren nach ganz bestimmten Regeln aufstellen. Es
darf nie im Schatten des Hauses stehen, muss nach Norden oder Sueden
schauen und wird an einem astrologisch bestimmten Tag aufgestellt. Ist zwischen den Wolkenkratzern kein geeigneter Platz
zu finden, wird das "chao
thi" auf dem Dach des Glaspalastes aufgestellt. Es gilt den Hausgeist
bei guter Laune zu halten, ihn zu pflegen, zu fuettern zu beschenken und
ihn am Erfolg der Firma oder des Privathaushaltes durch Vergroesserung
oder Aufstockung seiner Unterkunft zu beteiligen. Das wohl edelste und beruehmteste Geisterhaeuschen Thailand's steht im
Zentrum der pulsierenden, laermigen Stadt an einer wichtigen Kreuzung.
Obwohl direkt ueber ihm in mehreren Etagen die Schnellstrasse, der
Skytrain und die Stadtautobahn fuehrt, hat sich der, dem hinduistischen
Gott Brahma gewidmete Erawan-Schrein zu einem wichtigen Wallfahrtsort entwickelt. Hier
kommen Menschen aus allen Gesellschaftsschichten zusammen, entzuenden
Raeucherstaebchen, spenden Blumenkraenze, opfern Kokosnuesse ja sogar
ganze Schweinskoepfe, legen als Dank einen geschnitzten Elefanten zu
Fuessen der viergesichtigen Gottheit oder lassen Taenzerinnen mit
Musikbegleitung Lakon-Taenze auffuehren. Dies alles soll das
Wohlgefallen Brahmas erwecken! Damals noch "papierlos" sitzen wir
lange auf einer Bank, verfolgen das Geschehen und hoffen, dass Brahma
auch uns ein bischen von seiner Guete zukommen laesst.
FAZIT
Heute wissen wir, Brahma hat uns nicht im Stich gelassen und eigentlich muessten wir
ihm, insbesondere aber dem Langfinger von Ayutthaya ein Dankeschoen
zukommen lassen! Er hat uns den hoechst interessanten Aufenthalt in
Bangkok aufgezwungen. Dank ihm sind wir in der Regenzeit nicht auf
Kambodschas schlechten Strassen unterwegs, er hat dafuer gesorgt, dass
wir unser Sicherheitskonzept ueberarbeiten und sein schnelles Zugreifen
hat uns "sans papiers" werden lassen! Wer kann von sich schon
behaupten, jemals "papierlos" gewesen zu sein?
WIEDER UNTERWEGS
An einem Sonntag verlassen wir Bangkok ueber die Rama VI in Richtung
Norden. Wir haben auf den guten Strassen viel Zeit fuer die Umgebung.
Wir denken aber ab und zu auch an daheim, sehen die verschneiten Berge,
hoeren das vertraute Geraeusch der Heizungen in den Kellern und sind all
jenen neidisch, die ihre Kaschmirpullis, Kamelhaar und Pelzmaentel nun wieder
ausfuehren duerfen waehrend wir, in kurzen Hosen und duennen,
verwaschenen Leibchen immer die Naehe eines Ventilators suchen um, zumindest
unseren Schweissdruesen eine kleine Verschnaufpause zu goennen!!! Zwei
Tage tuckern wir so traeumend ueber den Highway und passieren dann die
Friedensbruecke die ueber den Mekong von Thailand nach Vientiane in Laos
fuehrt. Hier besorgen wir uns ein neues Visum fuer Thailand, treffen
zuerst den Basler Ronny, spaeter die Berner Brigitte und Daniel mit Sohn
Etienne und sind kurz darauf bereits wieder im ehemaligen Siam. Jetzt geht die Reise
dem Mekong entlang nach Chiang Khan und dann ueber Sukhothai nach Chiang Mai zum
Lichterfest!
Liebe Gruesse,
Ulla & Kari
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