

|
KOH CHANG - BANGKOK - SINGAPUR - PERTH
Am 20.04. sind wir vom ueberraschenden Kambodscha, wieder nach
Thailand zurueckgekehrt. Nach einer kurzen Fahrt, hat uns am andern Tag eine Autofaehre auf die Insel Koh Chang gebracht. Die am Golf von Thailand
liegende Insel ist touristisch zwar bereits stark erschlossen, hat
aber
immer noch einige ruhige, idyllische Plaetzchen fuer aeltere Geniesser.
Wir haben uns etwa zwei Kilometer suedlich von Bang Bao an einem weissen
Sandstrand unter Palmen bei der Familie K+K niedergelassen. Die Koechin
des kleinen, gemuetlichen Restaurant's hat uns taeglich mit
einheimischen Gerichten verwoehnt, das "Chang" war immer schoen kuehl
und die wenigen Gaeste haben sich schnell in Gespraeche verwickeln
lassen. So haben wir von gestrandeten Touristinnen die nach drei Wochen
Urlaub nicht nach Hause fliegen konnten, von dem aktiven Vulkan auf
Island erfahren. Wir hatten netten Kontakt zu zwei Deutschen Familien
mit Kindern denen der verrueckte Berg ebenfalls verlaengerte
Zwangsferien verordnet hat und "last but not least", wir haben an dem
kleinen Sandstrand einen "Melser" getroffen!
Uns hat natuerlich auch die Entwicklung in Bangkok und Neues von unserem
Verschiffungsagenten interessiert. Im noblen "Buudha View" einem
Restaurant in Bang Bao, haben wir uns bei einem Eiscafé oder einem
Fruchtsaft per Internet jeweils die noetigen Informationen geholt. Dann
hat die Verschiffungsagentur uns ploetzlich eine Blitzvariante in
Aussicht gestellt. Verschiffen am 09.Mai, Ankunft in Fremantle bereits
am 18.Mai! Der Blutdruck ist kurzfristig etwas angestiegen, all die bis
dann zu erledigenden Dinge wurden abgecheckt und dann, haben wir mit
Freude festgestellt, dass das Unternehmen Fremantle klappen koennte!
Wir haben einige E-Mails erledigt, telefoniert und sind bereits ein Tag
spaeter nach Bangkok gefahren. Klar hatten wir auf dem Highway Nr. 7,
stadteinwaerts ein komisches Gefuehl, aber der Drang nach "down under"
war groesser, als die Furcht vor Ausschreitungen. Wir haben die erhoehte
Praesenz von Militaer und Polizei sogar angenehm empfunden und die
Checkpoints als eine Art Lebensversicherung betrachtet. Bangkok hat sich
uns dann ueberraschend ruhig und friedlich praesentiert und die Fahrt
zum Hotel lief wie am Schnuerchen. Die folgenden sieben Tage waren das
reinste Arbeitslager! Spitalbesuche, letzte Besorgungen in der Stadt und
dann die "friieda" gruendlich putzen. Die Australischen Behoerden sind
fuer ihre Inspektionen importierter Autos bekannt, ihre Kontrollen
gefuerchtet und die Kosten fuer verordnete Nachreinigungen nicht zu
unterschaetzen. Also, geben wir "Alles"! Wir raeumen unser Eigenheim
aus, schruppen und fegen bei Temperaturen um die 40 Grad, fuenf Tage
lang Fahrraeder, Stuehle, Tische, Schuhe, waschen Kleider, reiben
Schubladen und Kaesten feucht ab, polieren Bad und Kueche auf Hochglanz
und "friieda" wird einer gruendlichen Aussenwaesche und einer peinlich
genauen Unterbodenreinigung unterzogen. Damit sich waehrend der
Ueberfahrt keine ungebetenen Gaeste bei uns einnisten, lassen wir
zwischen der Fuehrerkabine und dem Wohnraum eine provisorische Wand
einbauen. Am Ende der Arbeitswoche sieht "friieda" gut aus und strotzt
vor Sauberkeit, aber wir sind kaputt! Unsere geschundenen Haende
schreien nach Pflege und unsere mueden Koerper verlangen nach
Ferien die pensionierte nicht haben! Am 06.05 fahren wir "friieda" in
den Hafen nach Leam Chabang, die Ausfuhrpapiere werden erstellt, das
Carnet abgestempelt und dann uebergeben wir den Zuendschluessel fuer
unser "Hab und Gut" dem Verschiffungsagenten. "friieda" wird Ro-Ro
verschifft, d.h. sie wird vom Hafenpersonal auf-, und vom Schiff gefahren.
Tschau *friieda" und auf Wiedersehen in Perth!
GEDANKEN ZU SUEDOSTASIEN
Wer diese Region bereist, dem faellt auf, dass vieles ueber den
oeffentlichen Verkehr abgewickelt wird. Busse, Pickups, Tuck-tuck's und
in ganz besonderem Masse die Mopeds werden fuer alles und jedes
eingesetzt. Mopeds dienen als fahrender Verkaufswagen, werden fuer
Umzuege, fuer Tiertransporte oder einen Familienausflug zu "Fuenft"
verwendet und die Pickups sind oft hoffnungslos ueberladen. Zum
asiatischen Bild gehoeren aber auch die unzaehligen Strassenkuechen, die
fliegende Verpflegung und der "Plastiksack". Ihn gibt es in allen
Groessen, in ihm wird alles verpackt und weil sowohl Getraenke und
gekochte Esswaren, ja selbst Soucen in den praktischen Dingern die nicht
verrotten abgegeben werden, wird er auch oft als Essgeschirr verwendet!
Eine "Coca-Cola" oder ein Kaffee aus dem "Plstiksack" gefaellig? Wichtig in dieser
Gesellschaft sind aber auch die Tempel, die Raeucherstaebchen, die
Geisterhaeuschen und die, in safrangelb gekleideten, kahlgeschorenen
Moenche. Das bunte Durcheinander ist gepraegt von einer stoischen
Ruhe, von einer beneidenswerten Gelassenheit, von Improvisation, von
Ideenreichtum und der Gabe
sich in Bescheidenheit zu ueben. Der groesste Teil der hier lebenden
Menschen haust in sehr bescheidenen Verhaeltnissen. Das heisst, eine
Ein- oder Zweizimmerwohnung fuer fuenf Personen! Dabei gehoert
ein"Toeffli", ein Tempel, eine Couch, ein Sessel oder auch nur ein
Campingstuhl und meistens ein Riesenpuff an sonstigen Utensilien nebst
dem obligaten Fernseher immer zum Inventar. Vieles findet auf dem
Fussboden statt, das Nachtlager wird nach Bedarf aufgeschlagen und die
Kueche, dh. die Toepfe, eine Gasflasche und ein Rechaud wird draussen vor der Tuere platziert. Der Gehsteig, wenn da ueberhaupt mal einer war, ist
ueberstellt mit Wasserfaesser, Mopeds, Autos, Schubkarren und manchmal
steht, mangels Platz im Haus, draussen an der Hauswand eine Kiste mit
T-Shirts, Shorts und sonst allerlei Tragbarem! Dazwischen verkaufen
Haendler ihre Waren und um die Essenszeiten werden bei den fahrenden
Küchen zu den kleinen Tischchen, Stuehle gestellt damit die "Farangs"
(Auslaender) ihre verwoehnten Hinterteile drauf setzen koennen.
Die Thais setzen sich im "Schneidersitz" auf den Boden, essen, trinken
und diskutieren in aller Ruhe, in einer fuer uns unmoeglichen
Sitzposition. Obwohl die Wasserqualitaet vielerorts einiges zu wuenschen
uebrig laesst, die hygienischen Einrichtungen sehr bescheiden und die
Waschgelegenheiten fuer die Menschen und ihre Textilien meistens auf
tiefem Niveau angesiedelt sind, sieht man in diesem Teil der Erde nur
saubere, gepflegte Leute. Falls es hier im Bus, auf der Strasse oder
sonst wo nach vernachlaessigten Achselhoehlen oder einem Viertage-T-Shirt riecht, ist bestimmt ein "Farang" in der Naehe!
FREMANTLE
Am 17.05. fliegen wir mit der Tiger-Airways von Bangkok nach Singapur.
Weil wir die Billigairline gewaehlt haben, tummeln wir uns erstmals auf
einem "Budget-Airport" herum. Eigentlich, nur eine andere Verpackung fuer das gleiche Produkt!
Die gewoehnlich so attraktiven Gebaeude, die pompoesen Hallen
und das noble Interieur sind hier schlicht, zweckmaessig, aber absolut
ausreichend.
Auf dem vierstuendigen Flug von Singapur nach Perth wird nur auf
Verlangen und gegen Bezahlung serviert, die Zeitung muss jeder selber
mitbringen
und auf Filmvorfuehrungen wird verzichtet. Trotzdem landen wir
puenktlich und sicher um 21.00
Uhr in Perth und betreten etwas spaeter erstmals
den neuen Kontinent. Ein Shuttlebus bringt uns nach Perth und ein Zug
von dort nach Fremantle. Um Mitternacht checken wir im Backpackers "Inn
Freo" in Fremantle ein und beziehen das bescheidene Doppelzimmer, mit
Bad und Toilette auf dem Gang, fuer stolze A$ 70.-/Nacht ! Australien
schockt uns dann auch in den naechsten Tagen, weil alles sehr teuer und
die Buerokratie sehr traege ist. Jede kleinste Dienstleistung, die
andernorts selbstverstaendlich und gratis ist, ist hier mit harten
A-Dollars zu bezahlen und die aufgeblaehte Administration kostet
zusaetzlich Nerven. Wir wurden von Reisefreunden allerdings gut
vorbereitet und gehen die Sache deshalb relativ gelassen an. Bis wir "friieda"
auf der Strasse haben vergehen volle acht Tage. Dem Zoll muss jedes Salz
und Pfefferkorn angegeben und versprochen werden, dass wir keine
Esswaren, Pflanzen oder Drogen an Bord haben. Dann wird "friieda" im
Hafen vom Quarantaene-Officer erstmals inspiziert. Obwohl innen nichts zu
beanstanden und "friieda" auch aussen sauber ist, wird sie auf einen
Lastwagen verladen und in eine Waschanlage gebracht. Dort wird sie
aussen gereinigt und damit ja keine Samen oder Erdkrusten aus Thailand
eingeschleppt werden, sogar abgedampft. Dieser Prozedur folgt eine
weitere Inspektion durch die QIAS. "friieda" ist jetzt sauber genug fuer
die Aussie's, aber fahren duerfen wir noch nicht! Dazu ist eine
Telefonnummer anzurufen die uns natuerlich gegen Bezahlung mit der
Kreditkarte, eine provisorische Fahrerlaubnis von der Waschanlage zur
Motorfahrzeugkontrolle erteilt. Dort wird "friieda" technisch auf "Herz
und Niere" geprueft und nach einem weiteren dreistuendigen
Buero-Marathon fuer ein Jahr registriert und auf die australischen
Strassen entlassen. Wir fahren abends spaet in den Hafen von Fremantle
stellen uns auf einen Parkplatz am Meer, stossen mit einem Glas Rotwein
auf die wieder erlangte Freiheit an und witzeln ueber die "Britisch" gepraegte Buerokratie im Land des Kaenguru's.
Liebe Grüsse aus Australien,
Ulla & Kari
|