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AUSTRALIEN
Vor rund zwei Milliarden Jahren bildete Australien zusammen mit Afrika, Indien, Neuseeland, Suedamerika und der Antarktis noch ein grosser Suedkontinent. Heute ist die riesige Insel rund 8000 km von Afrika entfernt, selbstaendig und ein grossartiges, faszinierendes Reiseland mit mediterranen und tropischen Zonen, mit Buschland, Steppen, Wuesten, mit gutem Weideland und Regionen in denen Obst, Gemuese und Fruechte ebenso gut gedeihen wie die Weintrauben, Shiraz, Cabernet und Merlot. Australien hat aber auch enorme Bodenschaetze, verfuegt ueber Zink, Kupfer, Eisenerz, Gold und Diamanten und hat wohl deshalb eine so bewegte und noch nicht aufgearbeitete Geschichte. Die Entdeckung Australiens durch James Cook und die Invasion der Weissen hatte fuer die Aborigines verheerende folgen. Schweiss, Blut und Traenen praegten die ersten 300 Jahre "Weisser Herrschaft". Menschenrechte wurden mit Fuessen getreten, kulturelle, religioese Riten missachtet, Land enteignet und die wahren Besitzer als Sklaven gehalten. Heute laufen einige vielversprechende Projekte, ein Umdenken der Weissen ist spuerbar, Ansaetze zur Verbesserung der Lebenssituation der "Aborigines" sind vorhanden und ein nationaler "Sorry Day" wird jaehrlich von einer breiten Oeffentlichkeit getragen. Der multikulturelle, fuenfte Kontinent ist fuer die naechsten rund elf Monate unser neues Gastland! Seine Groesse und die ungewohnten Distanzen sind fuer uns und "friieda" eine echte Herausforderung. Von der West, zur Ostkueste sind es, "fadengerade" auf der Landkarte rund 4000 km und von der Nord zur Suedkueste 3100 km ! 

FREMANTLE
Die ersten Wochen in "down under" sind, die positive Ueberraschung schlechthin. Schon im Hafen von Fremantle, wo wir  "friieda" fuer die grosse Reise flott machen, uns ein Outback-Pflichtlager mit Esswaren zulegen, eine Haftpflicht- und eine Versicherung fuer Pannenhilfe abschliessen, werden wir immer wieder angesprochen. Eine aeltere Dame, die als Mitglied der "Polarbaeren" taeglich ein Bad im Meer nimmt, ist sichtlich erfreut ein Womo mit Schweizerkreuz vor ihrem Clublokal vorzufinden. Sie ist vor fuenfzig Jahren aus Deutschland immigriert und spricht trotzdem noch immer ein properes Deutsch. Sie zeigt Ulla das Clublokal, erzaehlt vom Schwimmclub und gibt uns einige gute Ratschlaege mit auf den Weg. Noch am gleichen Tag treffen wir zwei junge Maenner die bis vor Wochen in Walenstadt, Mels und Sevelen in der Schweizer Armee gedient haben. Am Abend besuchen uns ueberraschend, Francoise und Mario. Das aus Bex im Waadtland stammende Ehepaar hat vor fuenfzehn Jahren in Fremantle eine neue Heimat gefunden. Sie haben "friieda" in der Stadt gesehen, uns am Abend im Hafen gesucht und auch gefunden. Es hat Spass gemacht sich mit den beiden, weltoffenen Menschen zu unterhalten. Es war ein ueberraschender, spontaner aber nachhaltiger Besuch! Vielen Dank nach Fremantle.

PERTH - CARNARVON
Andy, "the man with the big pan"  war unsere erste Bekanntschaft auf australischem Boden. Der Metzgermeister aus Deutschland hat uns auf dem Flughafen angesprochen, von seiner deutschen Bratwurst und dem Aussie-Lifestyle geschwaermt und uns als aktiver Camper mit einigen guten Tips versorgt. Wir besuchen ihn an unserem ersten Reisetag in den Norden und erhalten erstmals eine Lektion betreffend Distanzen! Der Spruch, kommt doch schnell auf einen Kaffee vorbei, ich wohne gleich um die Ecke, hat uns zuerst an unserem GPS zweifeln und "friieda" gute 50 km in ein Aussenquartier von Perth fahren lassen. Andy wohnt nobel! Wegen der grossen Waldbrandgefahr im Sommer allerdings etwas gefaehrlich, auf einem grossen Grundstueck mitten im Wald. Einer seiner Vorschlaege fuehrt uns an einen nahegelegenen Stausee und an unseren ersten Uebernachtungsplatz. Es ist stockdunkel, kein Licht weit und breit, wir riechen den Wald, den Duft von Harz, hoeren ab und zu das Geraeusch eines vorbeifahrenden Autos oder Laute eines nachtaktiven Vogels und schlafen dann, unsere taeglich obligaten neun Stunden, wie die Murmeltiere! Das Fruehstueck nehmen wir in einer Parkanlage auf der Anhoehe ueber dem See. Es ist Winter im Sueden Australiens. Die Temperaturen liegen tagsueber um 18-20 Grad und nachts um 10 Grad! Es ist uns klar, wir muessen nordwaerts an die Waerme! Aber schon 50 km nach Perth machen wir Halt im Yanchep National Park, kaufen einen Jahrespass fuer alle Nationalparks in West Australien und geniessen in der Folge den schoen gelegenen Park an einem kleinen See. Wir machen eine Wanderung und bekommen mehr vor die Linse als wir uns je ertraeumt haben. Schwarze Kakadu's, Kaenguru's, Kuala's verschiedene Enten, ein Loeffler, Wasserschildkroeten und der unermuedliche Willie Wagtail haben den Spaziergang um den huebschen See zu einem grossartigen Erlebnis gemacht. Am spaeten Mittag halten wir auf Stellplatz 363, einer Empfehlung aus "Camp 5" dem Campfuehrer den hier fast alle benutzen. In diesem Buch finden Camper Strassenkarten und praktisch alle Camping- und Stellplaetze des Landes. Detaillierte Angaben geben Auskunft ueber Einrichtung, Aussicht, max. Parkzeit, Kosten und vieles mehr. Hier treffen wir zwei australische Ehepaare die ihre riesigen Wohnwagen mit grossen Offroader durchs Land ziehen. Maree, John, Vicki und Denis merken schnell, dass wir mit den Gepflogenheiten hierzulande noch nicht so richtig vertraut sind und greifen uns auf sehr sympathische Weise unter die Arme. Sie sind spontan, geben uns Erfahrungen weiter und am andern Tag folgen wir ihnen bis zu den beruehmten "Pinnacles". Auf dieser Fahrt nimmt John eine Abkuerzung und zeigt uns, wie man "dirt-road's" faehrt! Versucht man es wie alle Anfaenger im "Schneckentempo", sind die Rotweinglaeser gefaehrdet weil der Haushalt ruecksichtslos durchgeschuettelt wird! Streichelt die Nadel die 80iger Marke, ist die Staubentwicklung gewaltig, der Fahrer angespannt, aber das Fahrzeug ruhiger! Nach dem Besuch der fotogenen Kalksteinnadeln uebernachten wir am "Lake Indoon" und folgen unseren voruebergehenden Reiseleitern zu einem herrlichen, wilden Platz direkt am Meer. Hier stehen wir drei Tage, geniessen tagsueber die waermende Sonne, den indischen Ozean und das Schauspiel eines Delphins, der uns zweimal eine unvergessliche Show bietet. Dabei kommt er bis zwei Meter ans Ufer, dreht kurz vor der knietief im Wasser stehenden Ulla ab, spritzt durch die Gegend und freut sich offensichtlich auch ueber seine gelungene Darbietung. Am Abend sitzen wir mit den Aussie's am Lagerfeuer, schwatzen, lachen und sind froh Pullover und Jacken dabei zu haben. Hier geht die Sonne um 18.00 Uhr unter, dann wird es kuehl und ein halbe Stunde spaeter ist es schon ziemlich dunkel. Um 20.00 Uhr sind alle Camper in ihren Womo's, Wohnwagen oder im Zelt! Um 8.00 Uhr morgens, kurz nach dem Sonnenaufgang bekommt die Sache wieder Leben. Wir, -  kommen meistens etwas spaeter aus dem Bau! Ich entlaste dann Ulla in der Kueche, aktiviere den Outdoor-Gaskocher, haue ein par Eier in die Pfanne und lasse die Sache im brutzelnden Butter knusprig werden. Drinnen ist gedeckt, es riecht nach Toast, auf dem Tisch ist Butter, Kaese, Konfituere, der heisse Kaffee dampft aus den Tassen und aus den Lautsprechern kommen beruhigende Toene aus "back to earth"! Eigentlich ist dies alles ganz normal! Aber, - heute verabschieden sich Maree, John, Vicki und Denis. Sie wollen, wie wir nach Darwin, haben aber nicht so viel Zeit und fahren uns deshalb ab jetzt voraus. Zwei Tage spaeter sind wir alleine in Richtung Geralton unterwegs, machen einen lohnenden Abstecher ins Chapman Valley, besuchen Coronation Beach und dann die "Pink Hutt Lagoon" deren Wasser durch eine Meeresalgenart pink gefaerbt wird. Laut unseren Unterlagen setzen die Algen waehrend ihrer Bluetezeit Beta Karotin frei, dieses verfaerbt die Salzkristalle und laesst die Lagune "pink" erscheinen! Dann folgt Kalbarri mit seiner imposanten Kueste und den bekannten Fotomotiven "Natural Bridge" und "Eagle Gorge" und nach dem Besuch des "Hawks Head", einer Aussichtsplattform mit schoenem Blick auf den Murchison River, fuehren wir "friieda" zurueck auf den Highway Nr. 1. Auf dem Weg nach Denham schauen wir in Hamelin Pool die "Stromoliten", die aeltesten fossilen Lebewesen der Erde an! Die aus Kolonien von Mikroorganismen bestehenden Schichtkoepfe waren mit ihrer Sauerstoffproduktion schon vor Milliarden Jahren am Aufbau der Erdatmosphaere beteiligt. Experten schaetzen das Alter der Stromoliten in Hemelin Pool's, stark salzhaltigem Wasser, auf ca. 3000 Jahre und auf einer Infotafel wird uns staunenden Menschen erklaert, dass wir ohne den Sauerstoff der Stromoliten gar nicht existieren wuerden! Wer in dieser Gegend unterwegs ist, muss auch am Shell Beach ein Halt machen und einmal, "auf Muscheln gehen". Der 120 km lange Strand besteht nur aus kleinen, schneeweissen Kalkmuscheln die sich teilweise bis zu 4 Meter aufschichten. Der Kontrast zum tiefblauen Meer und der flachen, mit kleinen Straeuchern durchsetzten, roten Erde ist einfach "fantastisch".
Ein weiteres Highlight ist "Rocky Pool". Der sonst unterirdisch fliessende "Gascoyne River" versorgt aus seinem riesigen Reservoir sowohl die Stadt Carnarvon als auch die umliegenden Farmen auf denen Gemuese, Mango und Bananen gezogen werden mit Wasser. In "Rocky Pool" laesst er zwischen roten Felsen etwas Wasser an die Oberflaeche treten und bildet in malerischer Umgebung einen kleinen See. Es ist traumhaft hier. Im Umkreis von fuenfzig Kilometer ist kein Haus, nur wir und Natur pur. In diesem Bushcamp, uebrigens ein Tip aus Camp 5, bleiben wir fuenf Tage. Fuer ein zweistuendiges Morgenkonzert seltener Guete garantieren diverse gefiederte Saenger und die Solisten, hier als "Pied Butcherbird" bekannt, verwandeln die Umgebung ums Camp mit ihren klaren Stimmen und dem virtuosen Gesang in ein Paradies. Auf dem Spaziergang am Nachmittag beobachten wir grasende Kaenguru's und sammeln duerres Holz fuer's Lagerfeuer. In dieser Stille, inmitten "of nowhere", durch ein Swarovski-Fernrohr einen Silberreiher stolz im Wasser gehend zu beobachten oder einem Darter zuzusehen wie er seine Fluegel weit aufgespannt in der Abendsonne trocknet, ist ein Erlebnisse der besonderen Art.

DIE ERSTE LEKTION
Wir haben gelernt, dass man hier von einer Attraktion zur andern oft 2-300 km zuruecklegen und dabei am Fahrzeug weder Bremse noch Schaltung betaetigen und das Lenkrad nur festhalten muss. Es geht in der Regel auf schnurgeraden, leicht welligen Strassen durch unendlich erscheinendes Buschland. Hier waere der "Galgenstutz" schon ein Berg und die Kurve am Bommerstein hoechste Gefahrenzone! Einfache Gemueter und Naturfreunde wie wir, sehen allerdings auch in dieser Gegend immer etwas und nach zwei Stunden geradeausfahren, werden wir stets mit etwas Sehenswertem belohnt! Uns ist klar, wir sind in einem grossartigen Teil der Erde unterwegs und die naechsten 25'000 km werden wohl noch fuer einige Hoehepunkte sorgen. Obwohl wir noch nicht lange hier sind und erst einen kleinen Teil der Westkueste gesehen haben, sind wir bereits Australien-Fans. Aussie's lieben das Camper-Paradies, das Land mit der roten Erde, ihr Land, auch!  Wenn sie ansteckend, begeistert von gefahrenen Touren, von besuchten Schluchten, Parks, Wuesten und Kuesten erzaehlen, enden sie oft mit:  "it's absolutly magic"!
 
Die Australien-Fans,
Ulla & Kari




 
 

   

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