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AUSSIE CAMPERLEBEN
Australier sprechen nicht nur begeistert ueber ihr Heimatland, sie
bereisen es auch. Sie legen in kuerzester Zeit unglaubliche Strecken
zurueck und ziehen mit einem 5-, oder, 6 Zylinder Toyota, Nissan oder
Mitsubishi teils sehr grosse, luxurioese Wohnwagen durchs Land. Weder
ein Verbrauch von 25 Liter/100 km noch eine Distanz von 4000 km von
daheim bis zur Traumdestination kann das wandernde, sympathische Volk
von ihrem Vorhaben abhalten. Unterwegs sind, der klassische Urlauber mit
ein par Wochen Ferien, das durchs Land jobbende Ehepaar, einige Europaeer mit den Mietautos von "Maui", "Britz", "Apollo" oder "Wicked"
und die Pensionierten die jetzt im Winter, vom Sueden in den warmen
Norden ziehen. Einige fahren nur einen Gelaendewagen mit Zelt, andere ziehen
zusaetzlich einen robusten "off road" Anhaenger mit sich
herum und die aeltere Garde ist in der Regel mit einem grossen 4x4
Zugfahrzeug und dem Wohnwagen unterwegs. Ein par ganz verrueckte fahren
Luxus-Busse ueber die Insel und ziehen auf einem Anhaenger meist noch
einen Jeep und ein attraktives Boot hinter sich her. Der Bus nivelliert
sich auf Knopfdruck und damit "Mutti" in der Badewanne genug Platz hat,
werden kurz nach dem Parken die Seitenwaende ausgefahren. Das Campen
selbst ist stark reglementiert! Wirklich wildes, freies campen ist kaum
mehr moeglich! Die Infrastruktur ist aber grossartig und das Angebot
reicht vom einfachen, abgelegenen gratis "Buschcamp" bis zum noblen Park
mit Pool und Tennisplatz. Einkaufen kann man in jeder groesseren
Ortschaft. Das Angebot ist fast wie daheim, aber von einem
Woolworth zum andern, sind es oft 500-1000 km! Ein Vorrat an Esswaren fuer zwei Wochen und genuegend
Wasser ist jedes Campers Pflicht. Weil das zur Verfuegung
stehende Trinkwasser gelegentlich befremdend riecht, tun wir das, was
daheim die Steine der Churfirsten hoechst effizient, langsam und
geduldig tun, hier, fluechtig mit einem Katadyn Keramikfilter. Die
Aussie's sind nicht so heikel, kaum auf dem Platz installieren sie ihr
Equipment und gehen dann rasch zum gemuetlichen Teil ueber. Weil bei
ihnen alles praktisch ist, besorgt "Billy" in der Glut heisses Wasser
fuer den Tee, waehrend am Feuer, ein Bier, oder ein Glas Wein getrunken
und dazu die Geschichte des Tages erzaehlt wird. Uebrigens, "Billy" ist
ein Blechkessel und weil Australier passionierte Jaeger und Fischer
sind, haben sie immer eine Story auf Lager!
DENHAM - EXMOUTH
Am Sonntag 27.06. verlassen wir kurz nach zehn Uhr Carnarvon und fahren
auf dem Highway Nr.1 nordwaerts. Beim Minilya Roadhouse folgen wir dem
Wegweiser nach Exmouth, aktivieren dann unser GPS und gehorchen der
sprechenden Lady auf's Wort. Sie fuehrt uns auf eine, den Haushalt
durchruettelnde "dirt-road" und etwas spaeter an den "14 Mile Beach".
Vor uns liegen unter einem stahlblauen, wolkenlosen Himmel ueber 20 km
Kueste mit kristallklarem Wasser. Der weisse Sandstrand der teilweise
durch felsige Partien unterbrochen ist, bietet Campern unzaehlige
ganz exklusive Plaetze. Wir suchen ein solches Fleckchen Erde aus und
lassen es uns ein par Tage gut gehen. Hier lernen wir Margaret und
Michael kennen. Das nette australisches Ehepaar kennt die Schweiz recht
gut. Sie erzaehlen von Olten, Bad Schinznach und dem Pilatus und laden
uns auf eine Fahrt entlang der Kueste ein. Wir sehen uns Wanderduenen
an, machen diverse Stopp's in wunderschoenen Buchten und geniessen bei
einer dieser Gelegenheiten, Margaret's Tee und ihre feinen Biscuits. Auf
der Rueckfahrt profitieren wir von Michaels ornithologischen Kenntnissen
und bestimmen einige gefiederte Kuestenbewohner. Zurueck bei "friieda"
montieren wir unser Fernrohr und beobachten ausserhalb des Riff's Wale.
Die bis zu 15 m langen "Vierzigtoenner" gleiten langsam, elegant durch
die Wellen und stossen dabei riesige Wasserfontaenen aus. Gut gelaunt
springen sie aus dem Wasser, drehen sich und klatschen sichtlich erfreut
zurueck ins kuehle Nass. Ihre imposanten Schwanzflossen glaenzen in der
Abendsonne und wenn sie geschmeidig, anmutend zurueck ins Wasser
gleiten, kriegst du definitiv Gaensehaut! Wir zelebrieren dieses
unvergessliche Erlebnis mit einem feinen Nachtessen. Es gibt Salat,
selbstgemachte "Fleischkuegeli" mit Polenta und ein Glas Rotwein. Uns
geht es gut! Es ist nicht leicht diesen Platz zu verlassen, aber Coral
Bay und Exmouth rufen. Sie haben beruehmte Straende zum Schnorcheln und
das Ningaloo Riff ist mit seiner unvergleichlichen Unterwasserwelt ein
Marine Park der Superlative. Sowohl Schnorchler als auch Taucher
erfreuen sich hier an der enormen Farbenpracht und Kreativitaet der
Natur. Kilometerlange, weisse Sandstraende saeumen das Ufer hinter dem
Riff. Diese Region haelt, was die Prospekte versprechen! Die Realitaet
ist noch besser als ihre Werber!
TOM PRICE
Die Fahrt vom Cape Range Nationalpark bis zur Minenstadt Tom Price ist
abwechslungsreich. Die huegelige Landschaft bietet interessante Bilder
und entlang der Landstrasse sind Kaenguru's, ab und zu ein Emu oder ein
Dingo und riesige Raubvoegel zu sehen. Auf dem Uebernachtungsplatz 495
sitzen wir am Abend mit zwei australischen Ehepaaren und den Deutschen
Thomas und Ute am Lagerfeuer. Die netten Schwaben stammen aus dem
Raum Stuttgart und berichten ueber ihre Reise unter der originellen
Adresse: www. outbackspaetzle.jimdo.com
Fuenzig Kilometer vor dem Karijini Nationalpark liegt die Minenstadt Tom
Price. Sie ist von dem australisch-kanadischen Rohstoffriesen Rio Tinto
aufgebaut und mit allem ausgeruestet worden, was eine fuenftausend Seelen zaehlende Gemeinde braucht. Die Ortschaft
im huegeligen Buschland hat nichts besonderes zu bieten und trotzdem, strahlt
sie eine ganz spezielle, ruhige Atmosphaere aus. Tom
Price ist der hoechst gelegene Ort Westaustraliens, liegt auf 747 Meter
ueber Meer und wuerde ohne die Minenindustrie gar nicht existieren. Hier
nehmen wir an einer gefuehrten Minentour teil. Auf dem 5.5 Kilometer
langen und 1.5 km breiten Gelaende wird im Tagebau Eisenerz abgebaut.
Trucks mit Pneu's von 3.7 m Durchmesser karren Steine durch die
Gegend und brauchen dabei je 20 Liter Diesel pro 1 km! Da wird sortiert,
gewaschen, gemischt, Depot's werden aufgeschichtet und Material in
Eisenbahnwagen verladen. Rio Tinto verfuegt mit 1600 km ueber das
groesste private Eisenbahnnetzwerk Australiens und transportiert die
abgebaute, eisenerzhaltige Masse mit imposanten Zugformationen an die Kueste. Zuege mit 230 Wagen und einer Laenge von 2.4 km schleppen je ca.
30'000 Tonnen in die Aufbereitungs-, Misch- und Schiffsverladestation in
Dampier. Dort werden in der Flutwellen sicheren Anlage, ein Welle von 10
Meter Hoehe kann ihr nichts antun, in der Stunde durchschnittlich 7000
Tonnen Rohmaterial verladen und in die ganze Welt verschifft. Nach zwei
Stunden staunen, geben wir die Schutzbrille und den Helm wieder ab und gehen zurueck zu "friieda".
KARIJINI - BROOME
Die Schulen in Westaustralien haben die ersten zwei Juli Wochen
Winterferien. Das heisst, alle Nationalparks und Campingplaetze in der
Naehe von Sehenswuerdigkeiten sind voll besetzt. Die Leute stehen
bereits morgens um fuenf Uhr am Parkeingang und hoffen auf ein
Schnaeppchen. Weil wir Zeit haben, nehmen wir an diesem Wettbewerb nicht
teil und machen auf dem Caravanpark in Tom Price eine Woche Urlaub. Um
den Vierzehnten ziehen die ersten Familien ihre Wohnwagen wieder suedwaerts. Nun ist es an uns, "Karijini", den Nationalpark mit
den beruehmten Schluchten zu besuchen. Der zweitgroesste Nationalpark
Westaustraliens ist das Juwel der Pilbara die geologisch zu den
aeltesten Landschaften der Erde zaehlt. Die Schluchten des Karijini Nationalparks, Dales, Weano,
Hancock, Knox und Joffre sind wunderschoen. Die steilen, bunt
leuchtenden Waende, die Pools, die engen Passagen aber auch die breiten,
begruenten Stellen mit dem friedlich dahin blaetschernden Bach bieten
unzaehlige, seltene Fotomotive. Es sind die Abstiege in die imposanten
Schluchten, es sind die 100-200 m hohen senkrechten Waende die teils nur
1 m auseinander stehen und es ist das Spiel von Licht und Farbe die uns
hier faszinieren. Bewegend ist aber auch die Tatsache, dass du auf geologisch hoechst interessantem Grund stehst, dass vor 2500 Millionen Jahren
gewaltige Druecke diese Gesteinsmassen formiert und Verschiebungen der
Kontinentalplatten die Felsen aufgerissen und die Schluchten gebildet
haben. Spaziergaenge dieser Art, sind nachhaltig, sie
brennen sich in dein Gedaechtnis ein und relativieren die eigene
Wichtigkeit! Auf einem Rundgang durch die "Dales Gorge"
treffen wir
Ingrid und Robert. Die beiden, in Perth lebenden Deutschen sind
mit ihrem Wohnmobil auf Australien-Reise. Sie finden unser Unternehmen "friieda"
gut. Wir unterhalten uns, trinken Tee und bevor sich
unsere Wege wieder trennen, veranstalten wir sogar ein gemeinsames Fruehstueck. Wir wuenschen den beiden sympathischen,
"eingekauften Aussie's" weiterhin Spass am Reisen, nach der
kreativen Pause viel Erfolg auf dem Weg zurueck ins Berufsleben und bis
dann, allseits gute Fahrt. Hier wollen wir auch etwas fuer unsere
Bildung tun und melden uns fuer einen "Sterngucker-Abend" an. Einige
Schleierwolken erlauben aber die Sicht zum Saturn nicht
und die Exkursion wird abgesagt. Nun muessen wir kuenftig auch mit
dieser Bildungsluecke leben!
Auf dem 900 km langen Weg vom Karijini bis nach Broome ist nicht viel zu
sehen. Den ersten abwechslungsreichen 150 km folgen unendlich
scheinende 550 km, in flachem Buschland. Dazwischen liegt die nicht unbedingt
sehenswerte Hafenstadt Port Hedland und dann folgt wieder ebenes Buschland.
Weit und breit kein Haus
und nur ab und zu ein entgegenkommendes Auto. Wir ueberbruecken
die Zeit unterwegs indem wir unsere Stimmbaender trainieren. Wir singen Lieder, oder was wir davon
kennen, von Fredy Quinn, Adriano Celentano oder Udo Juergens und lassen die
eher langweilige Landschaft mangels Text mit "la..la..la" an uns vorbeiziehen. Allerdings und das ist Australien, immer wenn du meinst am Ende
der Welt zu sein, kommt ein Highlight! Nur wenige Kilometer
abseits des Highways, liegen
die Straende Cape Keraudren, Eighty Mile und Barn Hill. Jeder fuer
sich ein Paradies! Am Eingang zu Cape Keraudren steht
ein Schild mit der Aufschrift; "Caretaker" zur Zeit nicht verfuegbar,
such dir ein Platz am Strand aus, ich komme dann vorbei! Wir ruecken "friieda"
langsam vor, auf dem Weg zu den Duenen sehen wir Kraniche tanzen und ein
australischer Storch watet stolz im seichten Wasser. Das Angebot an Stellplaetzen ist riesig, Camper stehen vereinzelt auf Anhoehen, hinter
den Duenen, an Klippen, oder am Rand der Lagune. Wir gesellen uns zu
Letzteren direkt am Wasser mit Blick auf das offene Meer und den, mehrere
Kilometer langen Sandstrand. Es ist unbeschreiblich schoen hier.
Wir haben noch nie einen so schoenen, einsamen Strand gesehen. Tagsueber sind 3-4 stuendige Strandwanderungen moeglich ohne
auch nur einer
Menschenseele zu begegnen. Am Abend brennen ueberall kleine Lagerfeuer
und die Nachbarn laden zu "small talk" und "happy hour" ein.
Der perfekte Strand aber ist Barn Hill. Die, dem weissen Sandstrand vor
gelagerte, steinige Kueste mit ihren
skurrilen Felsformationen und den idyllischen Buchten ist der absolute
Hammer! Hier bleiben wir mehr als eine Woche. Bei 30-35° C ist
spazieren angesagt, "baedele" trotz Hai-Warnung, sowie "suennele" und
faulenzen!
Liebe Gruesse aus dem australischen Winter in die Heimat mit
dem Jahrhundertsommer.
Ulla & Kari
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