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BROOME
Die Hauptstadt des Nordwestens ist dank der herrlichen Straende und des
angenehmen Klimas der ideale Urlaubsort fuer die, vom kalten Winter fluechtenden Menschen aus dem Suedwesten. Tausende, vorwiegend aeltere
Leute, ueberwintern hier im ehemaligen Fischerdorf am indischen Ozean.
Die noblen Campingplaetze sind zwei Jahre im voraus zu buchen und die
zahlreichen, edlen Terrassenrestaurants am Cable Beach zeugen von
kaufkraeftiger Kundschaft. Broome ist aber auch fuer weniger gut
betuchte, ein lohnendes Ausflugsziel. Der charmante Kleinstadtcharakter,
China Town und die Geschichte um die Perlenzucht sind gute Gruende die
prosperierende Ortschaft zu besuchen. Broome war einst das Mekka der
Perlmutt-Taucher und hat bis zu 80% des Weltmarktes mit dem damals so
begehrten, glaenzenden Material beliefert. Als Kunststoffprodukte, das
edle Perlmutt vergessen liessen, hat sich die Kuestenregion dank der
staendig hohen Wassertemperatur, der vorhandenen Schwebestoffe und der
enorm hohen Tide, das Wachstum von Perlen zu
Nutze gemacht und sich auf deren Zucht spezialisiert. Heute sind Broom's kostbare Perlen in Schattierungen von weiss bis anthrazit als
wunderschoene Kugeln mit einem Durchmesser von bis zu 16 mm weltberuehmt. In Perlaustern waechst in ca. 1 1/2 Jahren
aus einem ihnen eingepflanzten Perlmuttkuegelchen das begehrte Ding, das spaeter so
manches Dekoltee verschoenert. Eine Muschel wird ca. 8 Jahre in der
Produktion eingesetzt. Dann, wird sie zu langsam, die produzierten
Perlen zu klein und dann, geht es ihr wie uns Menschen. Sie wird aus dem
Produktionsprozess entfernt! Weil Ulla, "Kleine" nicht will und wir uns
"Grosse" nicht leisten koennen, kaufen wir in Broome keine Perlen
sondern einen neuen, praktischen Rolltisch, lassen uns ein Sonnen- und
Windschutztuch auf Mass anfertigen und weil unser Inverter
ausgestiegen ist, besorgen wir bei "All-Volts" wo wir mit einem
herzlichen "Gruezi" empfangen werden, einen Neuen.
"THE KIMBERLY"
Das Hochland zwischen Derby und Kununurra wird als "The Kimberley"
bezeichnet. Ein Gebiet von 423'000 km2, groesser als die Schweiz und
Deutschlad zusammen, Natur pur mit wilden, felsigen Schluchten, riesigen
Rinderfarmen, weitlaeufigem Savannenland und abgelegenen
Aboriginal-Gemeinden. Am eindruecklichsten erlebt man die
landschaftlichen Hoehepunkte wohl auf einer Allrad-Tour durch die "Gibb
River Road". Wir haben diese Region mit "friieda" auf dem "Great
Northern Highway" bereist. Die Alternative auf der gut ausgebauten
Strasse ist bequemer, nicht so stressig, bestimmt weniger staubig,
schont Mensch und Maschine und ist wegen der einzigartigen,
abwechslungsreichen Landschaft ein reines Reisevergnuegen. Hier macht es
Spass, "friieda" hunderte von Kilometer ueber den Asphalt rollen zu
lassen. Huegelzuege, Tafelberge, oder ganz skurrile Felsformationen
unterbrechen immer wieder den weiten Blick in das unendlich scheinende,
grosse Land. Weil wir uns hier bereits gegen den tropischen Norden
bewegen, wird es zunehmend waermer, unsere Schweissdruesen werden wieder
aktivert und die Veraenderung der Vegetation ist offensichtlich. Die,
fuer diese Region charakteristischen "Boab-Trees" sind eine Augenweide.
Die verstreut in der Landschaft stehenden Baeume mit ihrem
flaschenfoermigen Stamm, der fast leuchtend, glatten Rinde und den
kahlen, verwurzelten Aesten gehoeren in die Familie der Affenbrotbaeume.
Sie bluehen nachts und werden von Fledermaeusen bestaeubt, ihr Stamm
speichert Wasser und hat die Faehigkeit sich stark auszudehnen. Fuer die
Ureinwohner war er Wasser und Nahrungslieferant. Fuer die meisten
Touristen ist er lediglich ein gutes Fotomotiv. Auf uns wirken die
ungewoehnlichen, sehr alten Baeume mystisch. Wir glauben, wie die
Aboriginals, dass sie uns Kraft geben oder uns Menschen sogar etwas sagen
wollen!
Das Juwel der Kimberly's ist aber mit Sicherheit der Purnululu
Nationalpark mit den fantastischen, einzigartigen, magischen "Bungle, Bungle". Die wohl
eindruckvollste Landschaft Westaustraliens ist vom Great Northern
Highway, ab Spring Creek nur ueber eine mehr als fuenfzig Kilometer lange,
wackere Allradpiste zu erreichen. Wir haben "friieda" und unsere
Nerven geschont, eine Tour gebucht und uns von East Kimberly Tour's zu
den orange-schwarz gestreiften Felstuermen chauffieren lassen. Die
Spaziergaenge in die Mini Palms und zur Cathedral Gorge werden sich auf
unserer Liste der Reise-Highligths bestimmt ganz oben ansiedeln. Die runden,
bunten Sandsteintuerme die wie Bienenkoerbe aussehen, sind erst
seit 1987 touristisch erschlossen und gehoeren seit 2003 zum
Weltnaturerbe. Die Bungle-Bungle sind sehr speziell, sie zu
sehen, sie besuchen zu duerfen, ist ein Geschenk. Die seltsamen,
farbigen, runden Huegel, gehen unter die Haut. Die Summe aus der
Geschichte, aus dem enormen Alter, aus der Bedeutung fuer die Ureinwohner sowie
aus der Form und Farbe der "Bungle Bungle", wirkt wie ein
bedeutendes, formvollendetes, sakrales Gebaeude auf den Besucher.
Hier moechte man verweilen!
EIN BESONDERES ERLEBNIS
Am 07.08.10 stehen wir in Kimberly am Mary River, auf "free-camp" 637.
Kaum ist "friieda" installiert stellen wir fest, dass nur zwei, drei
Meter von uns entfernt, ein "bower-bird" der seiner Liebsten in
muehseliger Arbeit unter einem Busch eine praechtige Laube gebaut hat,
vor unseren Augen seine Auserwaehlte tanzend umwirbt. Sein Kunstwerk ist
aus mehreren hundert Aestchen geformt, ca.30 cm hoch, eifoermig und
begehbar. Die Umgebung ist geschmueckt mit allerei Weissem. Steine,
Papierchen, Plastikteilchen, Blaetter und weisse Rinde. Er
schleppt immer wieder neue Sachen an, zeigt sie stolz seiner sich noch
zierenden Braut, ordnet die schon herumliegenden Teilchen neu, stellt
seine Kopffedern zu einem niedlichen, pinkfarbigen Kroenchen auf und
taenzelt mit leicht geoeffneten Fluegeln, verzweifelt, bittende Toene
von sich gebend um sein Kunstbau. Stets in der Hoffnung, die "prima
donna" moege sein hofieren mit dem Durchschreiten der Laube
baldmoeglichst belohnen gibt der Junge bis zum Eindunkeln alles! Er
baut, ordnet, taenzelt und fleht. Die stundenlange Vorstellung ist
ruehrend, sie ist einmalig und ein seltenes, ein besonderes Geschenk von
der Natur an uns. Ob es zu einem "Happy End" gekommen ist, wissen wir
nicht. Wir sind am naechsten Tag frueh weitergefahren und haben die
beiden in Ruhe gelassen.
NORTHERN TERRITORY
Am 16.08. verlassen wir Westaustralien und betreten das "Northern
Territory". Das riesige Gebiet, das mit dem tropischen Norden und dem
roten Zentrum, fast ein Sechstel der Flaeche Australiens einnimmt,
beherbergt nur ca. 200'000 Menschen wovon rund die Haelfte in Darwin
lebt! Wen wundert's, dass grosse Teile nicht oder nur sehr duenn
besiedelt sind und uns hier lange Autofahrten durch "Niemandsland"
bevorstehen. Nun, das
Northern Territory mit den sehenswerten Nationalparks Litchfield und
Kakadu der Hauptstadt Darwin und dem roten Zentrum muss man auf einer
Australienreise besuchen. Waehrend den Wintermonaten April bis Oktober
ist die Luftfeuchtigkeit nicht so hoch wie in der Regenzeit und die
Tagestemperaturen sind mit 30-35° C angenehm. Nachts kuehlt es ab und
ermoeglicht uns, auch ohne "Bico-Matraze "e tuefe, gsunde Schlaf". Hier
im tropischen Norden wo Palmen wachsen und die Vogelwelt bunter ist,
sind auch die Leistenkrokodile, die groesste und gefaehrlichste
Krokodilart der Erde heimisch. Die Leute unterscheiden zwischen den
kleinen Suesswasser-Krokodilen "Freshies" und den bis zu 7 m langen
Salzwasser-Krokodilen "Salties". Die "Salties" sind pfeilschnell,
fressen alles was sich bewegt und geben dir, einmal im Angriff, keine
zweite Chance! Das Badevergnuegen ist deshalb in dieser Gegend etwas
eingeschraenkt und die oertlichen Warnschilder sind unbedingt zu
beachten. Sind die Pool's Krokofrei wie im Litchfield NP, ist der Spass
perfekt, die Abkuehlung willkommen und das morgendliche Bad im Bach
hoechste Lebensqualitaet. Hier treffen wir Katharina & Thomas die
Deutschland vor drei Jahren verlassen haben und seither mit ihren
vollgepackten Motorraedern unterwegs sind.
Es ist immer schoen, Menschen aus der Heimat zu treffen. Wenn diese dann
noch auf gleicher Wellenlaenge liegen, ist ein Gespraech ueber "Gott und
die Welt" und der obligate Erfahrungsaustausch ein Vergnuegen.
DIE STREUFAMILIE
Waehrend wir "Alten" in Darwin, dem Eingangstor zum Norden, Bericht 39
bearbeiten und mit viel Muehe einige "Saetzli bruenzlen", laesst sich
unser Sohn Reto von seinen indischen Arbeitskollegen in Thailand,
voellig entspannt ein feines Chicken Curry servieren und Tochter Tina
lutscht auf dem Gipfel des "Finsteraarhorns" mit Stolz erfuellter Brust am
Traubenzucker.
Aus Darwin gruessen herzlich
Ulla & Kari
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