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DARWIN
Die Stadt am "top end", die am Weihnachtstag 1974 vom Wirbelsturm "Tracy" voellig zerstört wurde, praesentiert sich den Besuchern heute als moderne Metropole. Sie laesst bezueglich Infrastruktur nichts vermissen, ist das Eingangstor des Nordens und Dank der Naehe zu Singapur ein beliebtes An- und Abreiseziel. Von hier werden Touren in die Kimberleys, in die Nationalparks Litchfield und Kakadu, ins rote Zentrum oder an die Ostkueste unternommen. Wir benuetzen die, nach dem britischen Evolutionsforscher Charles Darwin benannte Stadt zum Einkaufen, zum Haare schneiden, zum aufschalten von Bericht 39 und als Vorbereitungs- und Ausgangspunkt fuer den Besuch des fantastischen Kakadu Nationalparks.

KAKADU NATIONALPARK
14 Tage ist der Parkpass gueltig und genau diese Zeit geben wir uns, um ein Teil der Sehenswuerdigkeiten des 20'000 km2 grossen Gebietes zu besuchen. Der zum UNESCO-Welterbe gehoerende Park ist der groesste Nationalpark Australiens. Er wird von den hier lebenden Aboriginals Bininj/Mungguy gemeinsam mit Parks Australia verwaltet, hat hervorragende Informationsbroschueren, eine exzellente Infrastruktur und bietet dem Besucher ein beneidenswertes Angebot an gefuerhten Wanderungen, Dia Shows und "Art site talks". Weil es Spass macht den engagierten jungen Menschen zuzuhoeren, wenn sie begeistert ueber Land, Leute, Brauchtum oder ueber die dramatischen, saisonalen Veraenderungen der Lebensraeume referieren, machen wir von dem Angebot rege Gebrauch. Wir besuchen einen Web- und einen Malkurs, lernen von Aboriginal wie man Fasern faerbt ohne Farbstoffe von Ciba-Geigy und Ulla malt, mit aus Gras selbst gefertigten Pinseln, in der Technik der Ureinwohner ihr erstes Kunstwerk, einen "Stingray". Ob es fuer eine eigene Kunstgalerie reicht ist noch offen, aber Ansaetze von kuenstlerischem Talent sind erkennbar!
Der Kakadu mit seinem enormen Reichtum an Aboriginal-Kultur, den informativen Kulturzentren, den landschaftlichen Schoenheiten, den rauhen Steilwaenden, den weiten mit Eukalyptusbaeumen und Palmen durchsetzten Feuchtgebieten, den Schluchten und den Pools ist anders. Fuer ihn muss man sich Zeit nehmen. Die Bininj/Mungguy glauben, dass Vorfahren in der Schoefungszeit uebers Land zogen und Landschaften, Pflanzen, Tiere und Menschen schufen und sie lehrten wie sie leben und das Land pflegen sollen. Sie haben Jahrtausende so gelebt, haben ihr Wissen von Generation zu Generation weitergegeben und sind mit Fauna und Flora achtsam umgegangen. Sie kennen sechs Jahreszeiten deren Anfang und Ende sie an Hand von Pflanzen, Blumen, Wolkenbilder und Tierverhalten bestimmen. Sie kennen keine Jagdverwaltung aber ein eigenes Jagdgesetz, haben Schutzgebiete die sie nicht betreten und ausgekluegelte Brandrodungsplaene zur Erneuerung der Natur. Die Bininj/Mungguy haben ihr Land geliebt, gehegt, gepflegt und haben von und mit ihm einfach und bescheiden gelebt. Leider hat der Auftritt des weissen Mannes dieser Idylle vor ca. dreihundert Jahren ein jaehes Ende bereitet.

AUSZUEGE AUS DEM TAGEBUCH
01.09.2010 Vor zwei Tagen hat uns Bruder Heini, in seiner Funktion als Basisleiter auf unser Budget aufmerksam gemacht und uns punkto Finanzen die erste gelbe Karte gezeigt! Wein, Bier und Schnaps sowie andere Extravaganzen werden ab sofort und bis zum Weihnachtsessen von der Einkaufsliste gestrichen!
02.09.2010 Ulla besucht auf Merl-Camp einen Aboriginal Web-Kurs und bastelt, trotz nervender Mueckenplage noch spaet abends an ihrem ersten Tischset!
03.09.2010 Heute haben wir am Cahills Crossing "Salties" aus nächster Naehe beobachtet, an einem "Ranger walk" teilgenommen und am Abend den Sonnen-untergang auf Ubirr-Rock genossen. Der Blick in die wunderschoene, riesige, gruene mit eigenartigen Felsen durchzogenen Ebene hat uns sprachlos gemacht. 04.09.2010 Wir lernen auf einem kleinen Buschcamp Barbara und Roger kennen. Die freundlichen, sympathischen Schweizer leben in Australien und sind mit ihrer Profi-Ausruestung (mit einem Allrad Zugfahrzeug und einem noblen Outback Camper) fuer laengere Zeit auf Tour durch den Kontinent mit der roten Erde.
05.09.2010 Auf dem abwechslungsreichen, empfehlenswerten, 4-5 stuendigen Bushwalk um Nourlongie, ist uns die erste Schlange ueber den Weg gelaufen!
06.09.2010 Es kann nicht so weitergehen! Wir brauchen eine Pause und goennen uns einen Ruhetag! Lesen, Sudoku machen, Musik hoeren alles ist fakultativ!
07.09.2010 Wir stehen auf Muirella Camp und geniessen die Vogelwelt die sich uns, auf, am und um den angrenzenden "Billabong" freizuegig zur Schau stellt.
08.09.2010 In Yellow Water treffen wir Barbara und Roger wieder! Wir verbringen gemeinsam einen gemuetlichen Nachmittag und Abend auf Mardugal Camp.
09.09.2010 "Ben" ein Deutscher Backpacker bringt von Barbara und Roger die Nachricht, dass die 4x4-Strasse zum Maguk Camp fuer "friieda" machbar ist!
10.09.2010 Maguk ist ein traumhaft schoener Campground, er wird kaum frequentiert, liegt im Schatten grosser Baeume und nicht weit entfernt von einem grossen krokofreien Pool mit stahlklarem, erfrischendem Wasser. Bei Tagestemperaturen um die 38 - 40 Grad natuerlich die ideale Badewanne.
11.09.2010 Ich, "Kari" gewinne nach langen, deprimierenden "Schaellejass-Wochen" wieder einmal. Und wie ich gewinne! Mein Selbstvertrauen ist zurueck!
12.09.2010 Ende Kakadu, wir sind zurueck in Pine Creek, erledigen die elektronische Post und goennen uns trotz Budgetwarnung, je ein feines "Magnum"!
13.09.2010 Ich muss meine Situation ueberdenken! Ulla liest in einer Frauenzeitschrift schmunzelnd den Artikel: "How I killed my husband and walked free".

DIE GENIALEN BAUMEISTER
Termitenhuegel verschiedenster Bauform gehoeren zum Landschaftsbild der Kimberleys und des Northern Territory. Einige Arten bauen unterirdisch, andere in Baumstaemmen und die fuer uns attraktivsten, erstellen ihre Tuerme auf dem Erdboden. Die bis zu sechs Meter hohen Kunstbauten enthalten ein intelligentes  System von Gaengen, Hallen und Kammern und sind dank der raffinierten Bauweise perfekt klimatisiert. Besonders augenfaellig sind die Bauten der "Magnetic" oder Kompasstermiten die flache, schmale Keile erstellen die wie duenne, hohe Waende aussehen und alle von Norden nach Sueden ausgerichtet sind. Diese Bauweise garantiert eine moeglichst konstante Innentemperatur. Die Morgensonne erwaermt die Wand von Osten, die heisse Mittagssonne kann dem Spitz nichts anhaben und die Abendsonne heizt, die ihr zugerichtete Flaeche fuer die Nacht. Termiten sind nicht nur gute Baumeister, sie sind auch zuverlaessige Lieferanten von hoechst interessanten Daten fuer Wissenschaftler verschiedenster Fachgebiete. Sie leben in sogenannten Termitenstaaten welche mehrere Millionen Individuen umfassen können und kennen eine Art Kastensystem. Nebst einem, oder mehreren Koenigspaaren gibt es geschlechtlich verkuemmerte und fast blinde, maennliche und weibliche Arbeiter die als Brutpfleger, Nahrungsbeschaffer, Nestbauer oder Waechter, geduldig ihren Staatsdienst tun!     

VON PINE CREEK BIS ALICE SPRINGS
Zurueck vom Kakadu, fahren wir auf Empfehlung von Barbara und Roger nochmals etwas noerdlich zu den Douglas Hot Springs. Das war ein guter Tip, danke! Die heissen Quellen sprudeln in einer lieblichen Gegend inmitten hoher Baeume aus dem Boden und vereinigen sich ca. einhundert Meter spaeter mit dem Wasser, eines sich durch den Wald schlaengelnden Baches. Wir sind uns schnell einig, bleiben drei Tage auf dem angrenzenden Campingplatz, geniessen die Idylle und liegen stundenlang in den warmen Pools. Nun geht es langsam suedwarts. Wir verbringen einige Tage in den Edith Falls, kaufen in Katherine ein und besuchen die Katherine Gorge, ein System aus spektakulaeren, von hohen Sandsteinwaenden umgebenen Schluchten. Auf einer Wanderung in die Butterfly Gorge treffen wir Heidi aus Deutschland. Heidi merkt schnell, dass Ulla's Wurzeln wohl nicht rein eidgenoessisch sein koennen und wenig spaeter stellt sich heraus, dass ihre Freundin dort wohnt, wo Ulla aufgewachsen ist. Drei Menschen treffen sich auf einem Felsvorsprung in einer einsamen Schlucht auf der anderen Seite der Erde und alle kennen Rheinau, ein kleines, verlorenes, vergessenes Dorf inmitten "of nowhere" zwischen Hornisgrinde und dem Rhein. Am gleichen Tag finden wir unter dem Scheibenwischer ein Zettel mit folgender Notiz: "von St. Gallern an St. Galler, herzliche Gruesse und gute Reise"! Urs & Gitte. Wie klein die Welt doch ist!
Bevor es auf dem Stuart Highway suedwaerts geht, ruhen wir uns auf dem noblen Shady Lane Camping in Katherine zwei Tage aus und besuchen die "School of the Air" oder das groesste Klassenzimmer der Welt! Von hier aus unterrichten Lehrer ihre Schueler ueber Internet. Die mehrere hundert Kilometer entfernten, auf abgelegenen Farmen lebenden Kinder schalten sich einmal taeglich fuer eine Lektion ins Netz und erhalten anschliessend  Aufgaben fuer das eigene Studium. Die Flugpost, das E-Mail und ein Chatraum sind, nebst jaehrlich zweimal sechs Wochen Unterricht in Katherine, weitere Kontaktmoeglichkeiten zwischen Lehrer und Schueler. Es macht Spass einen Einblick in das absolut beeindruckende, auf Disziplin und Eigenverantwortung bauende Schulsystem zu erhalten und dem aufgestellten Team von Frauen und Maennern zuzusehen, wie sie jungen Menschen ueber ein elektronisches Medium Bildung vermitteln. Auf dem Weg in die Mitte besuchen wir noch die heissen Quellen von Mataranka, schauen uns die "Devils Marbles", riesige, rote Granitkugeln die in seltenen Formationen wie Kunstwerke im sonst kahlen Gelaende stehen an und tuckern dann langsam durch die immer trockener und karger werdende, aber hoechst interessante Landschaft, Alice Springs entgegen.  
 
Aus dem roten Zentrum grüssen herzlich,
Ulla & Kari


 
 

   

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