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ALICE SPRINGS
Die ehemalige Tankstelle mit Kiosk, draussen im australischen Zentrum, hat sich mittlerweile zur zweitgroessten Stadt des Northern Territory entwickelt. Sie beherbergt heute ca. 30'000 Einwohner, hat alles was es zum Leben braucht und wird von den Australiern liebevoll " The Alice" genannt. Die beruehmte "Todd Mall",  die Fussgaengerzone von Alice Springs ist zwar laengst nicht so interessant wie im Reisefuehrer beschrieben aber die Museen, die Galerien, die Didergidoo-Shop's und das Aboriginal Kulturzentrum in der "multikulti" Stadt haben auf uns eine ganz eigenartige Wirkung. Schon die Einfahrt in die Stadt hat ein "Kribbeln" ausgeloest! Wir sind in der Mitte des roten Kontinentes! Der Stuart Highway verbindet Alice Springs im Norden mit dem 1500 km entfernten Darwin, im Sueden mit Adelaide das auch so weit weg liegt und beschwerliche Pisten bringen Abenteurer nach ueber 2000 km holpriger Fahrt an die West- oder an die Ostkueste. "The Alice" ist allein auf weiter Flur, ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und die einzige Versorgungsstation von oder nach der Fahrt zu den Mac Donnell Ranges, dem Ayers Rock, den Olgas oder einem der harten Tracks.  

VON ALICE SPRINGS BIS COOBER PEDDY
Das sogenannte "rote Zentrum" präsentiert sich uns, dank ausserordentlichen Regenfaellen in den Vormonaten, traumhaft gruen und sagenhaft bluehend. Das seltene Ereignis findet nur ca. alle 30 Jahre einmal statt und versetzt sogar Einheimische ins Schwaermen und Staunen. Das hat zur Folge, dass wir unzaehlige Landschafts- und Blumenbilder schiessen und unsere Fahrt fuer Motive die wir laengst im Kasten haben, trotzdem immer wieder unterbrechen. Spaziergaenge durch frisches, fast zwei Meter hohes Spinifexgras, durch die blau, lila, gelb und weiss gespickte Bluetenpracht sind hier, wo sonst die rote Erde und die Trockenheit den Ton angeben, ein ganz besonderes Erlebnis. In Alice Springs angekommen, ruhen wir uns ein wenig aus, kaufen ein und vereinbaren fuer "friieda" ein Termin in einer Mercedes-Garage. Sie braucht einen gruendlichen Check, einige Oel- und Filterwechsel und wie sich herausstellt, auch neue Stossdaempfer. Pakistan und Indien sind wohl auch an "friieda" nicht spurlos vorbei gegangen! Nun, sie hat die Auffrischung verdient und Abnuetzung haben wir schliesslich ja alle! Weil der Service erst in einigen Tagen gemacht werden kann, besuchen wir in der Zwischenzeit den West Macdonnell NP und verbringen in Ellery Creek und Ormiston Gorge einige wunderschoene, erholsame Wandertage. Nach vier Monaten Sonnenschein finden wir die zwei ersten Regentage auf der Rueckfahrt nach Alice sogar als willkommene Abwechslung und lesen je nach Artikel, aufmerksam, staunend, oder amuesiert die zwei neueren Beobachter die wir kuerzlich von einem "Eiligen" Schweizer erhalten haben. Zurueck in Alice Springs treffen wir zufaellig Helga und Juergen. Wir haben mit den beiden Deutschen seit einiger Zeit Kontakt per E-Mail, uns aber noch nie gesehen. Auf dem Woolworth-Parkplatz begegnen wir dann den aufgestellten jungen Leuten mit ihrem orangen VW-Bus! Wir unterhalten uns, die Zeit fliegt davon und weil wir uns noch viel zu erzaehlen haben, gehen wir mit ihnen und einem weiteren deutschen Paaerchen auf den ausserhalb der Stadt liegenden Ubernachtungsplatz "Emely Gap". Es ist spannend mit den jungen Leuten zu sprechen, von ihren Erlebnissen unterwegs zu hoeren und etwas von ihrer Lebenseinstellung und ihren Plaenen zu erfahren. Wir sind so unterschiedlich, die hinterfragende, sensible Helga und ihr Partner Juergen, ein "Mann fuer alle Faelle", die zwei suessen, traeumenden, die Tanja und der Michael mit ihren erfrischenden Plaenen und wir. Trotzdem, oder eben deshalb, verbringen wir einen sehr interessanten Abend und schoene, gemuetliche Stunden bei einem laengeren, lockeren Fruehstueck. Wir verabschieden uns mit dem guten Gefuehl wieder einmal eine wertvolle Reisebekanntschaft gemacht zu haben. Vielen Dank und allseits gute Reise!

Dann folgt ein Erlebnis mit Suchtpotential. Wir nehmen in Gem Tree an einer sogenannten "Fossicking-Tour" teil. Ein cleverer Unternehmer fuehrt Touris mit Pickel, Schaufel, Kuebeln einem Kanister mit Wasser und dem obligaten Sieb ausgeruestet auf ein Feld in dem angeblich Edelsteine zu finden sind. Nach einer kurzen Demonstration werden wir ca. drei Stunden allein gelassen, graben, pickeln, schaufeln und sieben Erde wie die Verrueckten. Weil wir tatsaechlich kleine Steinchen aus dem schmutzigen Wasser filtrieren die, gegen die Sonne gehalten wunderschoen rot schimmern, legen wir noch einen Zacken zu. Wir wissen dass wir mit unserem Fund keine grossen Spruenge machen koennen, laecheln ueber die Aktion und uns, merken aber auch welche Gefahr in dem Spiel steckt Heute ist der 10.10.2010! Wir sind dreissig Monate unterwegs und kein bisschen muede! Grund genug fuer ein feines Essen und ein Glaeschen Wein. Nun geht es ueber Alice Springs auf dem Stuart Highway weiter suedwaerts. Auf dem Weg in den Kings Canyon werden wir zu einem unfreiwilligen Stopp wegen ueberfluteter Strasse angehalten. Ein Tag spaeter ist der Asphalt dann aber wieder passierbar und dem Unternehmen Kings Canyon, Australiens groesste und tiefste Schlucht, steht nichts mehr im Weg. Der Canyon Walk, ein ca. 6 km langer Spaziergang fuehrt ueber der Schlucht durch eine traumhafte Landschaft und bietet atemberaubende Blicke in die bis 300 m tiefer liegende Schlucht. Die orange farbigen, imposanten Waende, die verschiedenen Gruentoene der Graeser und Straeucher und die leuchtenden, bunten Farbtupfer der zierlichen Blumen sind Balsam fuer Leib und Seele. Der Kings Canyon hat seinen Namen verdient. Wer ihn besucht muss sich unbedingt 4-5 Stunden Zeit nehmen, den "Canyon Walk" absolvieren und das Naturschauspiel auf sich wirken lassen. Es lohnt sich!
Nun, wer die Mitte besucht, schaut sich den "Uluru", oder auch Ayers Rock an. Ob er ein Monolith oder die Spitze eines riesigen unterirdischen Felsens ist, ist Futter fuer die Wissenschaftler. Fuer uns ist er beeindruckend, gigantisch, ein 348 m hohes, rotes Wunder das ganz allein in absolut flacher Umgebung wie ein Mahnmal vor uns steht. Wir sehen uns den "Uluru" bei unter- und aufgehender Sonne an und umrunden ihn auf dem interessanten 9 km langen Fussweg.
Das "Filetstueck" des roten Zentrum sind fuer uns aber klar die Kata Tjuta, "viele Koepfe" oder einfach die Olgas. Die anmutende Gebirgsformation aus runden Kuppen erstreckt sich ueber eine Flaeche von 36 km2. Die Rundwanderung "Valley of the Winds" ist etwa 7 km lang, einmalig schoen und beim Besuch der Olgas ein "Muss". Wir verlassen "Kata Tjuta" in aufgeloester Stimmung, singend und den grossartigen Kuppen immer wieder Aufwiedersehen winkend. Wir schreien wie kleine, uebermuetige Kinder aus dem Auto: "danke Olgas, es war schoen, wir lieben euch". Weil "friieda" eine echte Lady ist, beglueckt sie uns  mit dem 100'000-sten km nicht einfach irgendwo, nein, sie tut es an einem exklusiven Ort, auf der Fahrt zwischen den Olgas und dem Uluru. Bevor wir auf die Landstrasse zurueckkehren, machen wir in der Naehe des Uluru NP auf Sandy Bay, einem freien Camp in roten Sandduenen ein par Tage Urlaub. Tagsueber sind wir hier ganz alleine, gegen Abend kommen meistens drei, vier Fahrzeuge dazu, kleine Feuer brennen, die Stimmung ist friedlich und um ca. 9.00 Uhr ist fuer alle Bettruhe! Spaziergaenge durch die roten Duenen die uns jetzt mit saftig gruenen Pflanzen und bunten Blumen begluecken und der abendliche, geniale Blick in den australischen Sternenhimmel machen den Aufenthalt hier draussen in der Stille enorm wertvoll. Hier erleben wir auch das fuer die Mitte typische, Wuestenklima! Auf heisse Tage, zur Zeit 35-40 Grad, folgen frische Naechte. Das ideale Klima, tagsueber "barfuss und oben ohne", nachts zusammenruecken! Auf der fast 800 km langen Fahrt vom Sandy Bay bis Coober Peddy passieren wir am ersten Tag die Grenze vom Northern Territory in den Bundesstaat South Australia und kurz vor Coober Peddy den "Dog Fence" ein 5300 km langer Zaun der die Schafe der Farmer im Sueden von den wilden Hunden, den "Dingos" schuetzt. Wer nun glaubt, es sei langweilig hunderte von Kilometern ueber das flache Land zu fahren, irrt! Die sich unterwegs leicht veraendernde Topographie und die von ueppig gruen und bluehend, in karg und spaerlich uebergehende Vegetation sind Abwechslung genug. Dazu kommt die unendliche Weite, die Stille, die Einsamkeit und der Sehnsuechte weckende Blick in die Ferne. Die verrueckte Opal-Stadt Coober Peddy, eine 4000 Seelen Wuestenstadt in der viele Menschen vor der grossen Hitze fliehen und unter der Erde wohnen, einkaufen oder in die Kirche gehen, holt uns von der Traeumerei der Strasse zurueck in die Realitaet. Hier buddeln Halbwilde nach Opal, graben einige hundert Quadratkilometer Boden um und versuchen ihr Glueck mit den verfuehrerischen Steinen.
Dass dabei nicht alle das grosse Los ziehen, zeigt ein Rundgang durch die Ortschaft. Es ist wild hier, ganz anders, heiss, karg, topfeben, 700 km bis Alice Springs, 500 km bist Port Augusta, dazwischen nichts. Die hier wachsenden Straeucher sind verglichen mit ihren grossen Bruedern im Norden, Kuemmerlinge und das nur vereinzelt spriessende Gras ist mager! Wir stellen uns drei Naechte etwas ausserhalb der Stadt ganz allein unter den gigantischen Sternenhimmel, geniessen, die Ruhe, lauschen dem Wind und lassen unsere Seelen baumeln.

REISEN LEBEN
Wir haben in dem flachen Kontinent mit drei Klima und drei Zeitzonen viel Kontakt mit anderen Reisenden. Vielleicht ist unsere Autonummer und unser Schweizerkreuz auf dem Reserverad so auffallend, vielleicht ist es aber auch einfach die Kommunikationsfreudigkeit, der Erfahrungsaustausch, die Neugier oder der etikettenlose Umgang den "Camper" pflegen. Waren unsere Nachbarn an der Westkueste noch vorwiegend aeltere, pensionierte Menschen die vor dem kalten Winter im Sueden in den warmen Norden geflohen sind, sind es jetzt Reisende aus der ganzen Welt die, die "Mitte" besuchen. Sie kommen aus allen Himmelsrichtungen erkunden das rote Zentrum und verschwinden ueber den Highway oder eine der staubigen Pisten irgendwann wieder! Es gibt die "Eiligen" 5-6 Wochen-Touristen die in kurzer Zeit moeglichst viel sehen wollen, ein Bild vom Ayers Rock machen und falls Empfang vorhanden, der Sekretaerin daheim gleichzeitig ein par E-Mails beantworten. Es gibt die "Gemuetlichen" die ihre Zeit nutzen und genuessliches Sightseeing betreiben und dann gibt es noch die "Gluecklichen" die reisen, leben! Und genau das tun hier in Australien viele Menschen. Sie reisen mit Hab und Gut, mit "Kind und Kegel" jahrelang durchs Land, einige jobben ab und zu, andere leben vom Ersparten, Begueterte von den Zinsen, und die mit dem "letzten Zwick an der Geisel" von der Rente! Fuer sie alle ist reisen nicht mehr ein Rennen von A nach B, ein Abhacken von gesehenen Spots oder nur ein fotographisches Festhalten beruehmter Motive, fuer sie ist es wichtig, das Erlebte zu spuehren, zu fuehlen, es zu riechen und zu leben! Wir lernen Tag fuer Tag dazu und gehoeren nun langsam aber sicher nicht nur "punkto Rente", auch zur letzten Gruppe! Toastbrot vom offenen Feuer schmeckt uns besser als das von der Gasflamme, Bratkartoffeln mit gelben Bohnen aus der schwarzen Pfanne vermitteln Freiheit und in die dunkle Nacht heulende "Dingos" sind Musik in unseren Ohren.

Aus Coober Peddy gruessen herzlich
Ulla & Kari




 
 

   

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