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VON COOBER PEDDY BIS PORT AUGUSTA
Die Fahrt von der Opal-Stadt bis Port Augusta ist auf unseren Festplatten trotz beschraenkter Kapazitaet wohl fuer ewig gespeichert. Hunderte von Kilometern auf der absolut flachen Scheibe mit spaerlichem Wachstum, lassen uns nachdenken, traeumen aber auch realisieren, dass wir auf der riesigen "Kaeseplatte" ueber die der wolkenlose, tiefblaue Himmel wie eine ueberdimensionale Glocke gestuelpt ist, nur Staubkoerner sind. All diese Gedanken loesen bei uns einen kuriosen Gefuehlscocktail aus. Es ist wunderschoen, es ist eigenartig und weil wir so allein und so klein sind, ist es auch angsteinfloessend. Wir hoffen, die Strasse durch die unendliche Weite moege uns bald in die Zivilisation zurueckfuehren und gleichzeitig wuenschen wir uns noch zwei, drei schoene Plaetze zum Uebernachten unter dem offenen Himmel an dem die Sterne bis zum Horizont gehen. Einige glauben nun, man muesste uns therapieren, andere, werden uns verstehen! Das Zurueck in die Zivilisation haben wir in Port Augusta mit einem Wurst-Kaesesalat "à la Ulla", mit einem frischen Parisette und "Shiraz-Cabernet" gefeiert.

FLINDERS RANGES
Das natuerliche Felsbecken "Wilpena Pound", ist das Herz des Flinders Ranges NP und liegt ca. 250 km nordoestlich von Port Augusta. Das beruehmte Fotomotive ist eine ca. 80 km2 grosse Flaeche die ringsum mit steilen Felswaenden umgeben ist und sich dem Betrachter aus der Vogelperspektive wie ein riesiger Suppenteller praesentiert. Wir haben einen Gipfel zu Fuss bestiegen und uns die eindrueckliche Landschaft von oben angesehen. Ueberhaupt war die Woche in den Flinders eine feine Sache. Ruhige schoene Bushcamps, spielende Hasen, neugierige Kaengurus und stolze Emu-Maennchen die mit ihren Jungen vorsichtig durch die Gegend ziehen, bluehende Wiesen, ein interessantes fast trockenes Flussbett mit maechtigen "Red River Gum" Baeumen entlang dem Ufer und die liebliche, huegelige Umgebung sind Bilder die wir von hier mitnehmen. Hier haben wir auch Ingrid und Robert, die kreativen Jungfotographen die wir erstmals an der Westkueste getroffen haben, wieder gesehen. Wir haben dieses Wiedersehen genossen, mit ihnen zwei nette Tage verbracht, gequatscht, uns einige ihrer sehenswerten Bilder angeschaut, ihren bevorstehenden Schritt in die berufliche Selbstaendigkeit besprochen und ihnen dazu, natuerlich viel, viel Glueck gewuenscht. Wer weiss, vielleicht haben wir uns ja mit einem kuenftigen Starfotographen unterhalten!

BROCKEN HILL, SILVERTON
Dass wir vor einer Woche in Port Augusta die Rueckkehr in die Zivilisation zu frueh gefeiert haben, merken wir etwa auf halbem Weg nach Brocken Hill. Die anfaenglich recht abwechslungsreiche, fruchtbare Landschaft wechselt zu unserer Enttaeuschung ab Yunta, einem kleinen, verlassenen Nest am Highway, in trockenes, karges Grasland. Es folgt eine 250 km lange Autofahrt durch eine typisch australische Schafweide! Links und rechts der Strasse ist ausser dem absolut flachen, bis an den Horizont reichenden Weideland, nichts zu sehen! Vor Ort entnehmen wir Naivlinge dem Reisefuehrer, dass Brocken Hill, als die "Minenstadt im Outback" bekannt ist! Hier wurden einst enorme Bodenschaetze gefunden und noch heute werden Zinn, Zink, Blei und Silber im grossen Stil abgebaut. Die Stadt ist nuechtern, sie ist mit allem ausgestattet was man zum Leben braucht, sie hat sogar einige Museen und Gallerien, aber sie hat kein Charme. Wir sind uns schnell einig, hier werden wir uns wohl nicht niederlassen. Etwas ausserhalb der Stadt liegt Silverton das einst als Drehort fuer einige Filme diente. Ein par alte verrueckte Autos, einige heruntergekommene Haeuser, eine staubige Bar und ein kurioses Café werden hier als touristische Attraktion verkauft. Wer Broken Hill und seine Umgebung "magic" findet, muss ein ausgesprochener Outback-Fan oder ein ausgewachsener Inselbewohner sein! Angetan sind wir dann schon eher vom nahegelegenen Desert Park mit seinen Skulpturen und dem schoen angelegten Weg durch den botanischen Garten. Wir meinen, man kann Brocken Hill besuchen. Wer es nicht tut, hat nichts verpasst! Ueber den Stuart Highway und weitere 350 km Weideland erreichen wir Wentworth. Hier treffen sich die beiden groessten Fluesse Australiens, der Darling und der Murray River. Hier ist es schoen, hier hat es Wasser und wo Wasser ist, ist Leben! Trotzdem, die Idylle truegt und wer genau hinsieht, stellt unschwer fest, die Klimaveraenderung und der Kampf um's Wasser haben bereits Spuren hinterlassen. Wo nicht mehr genuegend Wasser ist, sind verlassene Farmen zu sehen und die "for sale" Plakate saeumen die Strasse! Der zustaendige Minister fuer die nationale Wasserverteilung ist nicht zu beneiden und hat in Australien, etwa die gleich schwierige Aufgabe, wie ein Finanzminister in der Europaeischen Union! Wer hier reist, merkt bald, Wasser ist das Gold der Zukunft! Wer davon genuegend und in guter Qualitaet hat, wird nicht nur reich, sondern ueberlebt!

MURRAY RIVER, CLARE UND BAROSSA VALLEY
Sichtlich erleichtert tuckern wir nun Renmark entgegen. Die ersten 40 km saeumen gewaltige Kornfelder, beidseitig die Strasse! Dann tauchen am Horizont die ersten wohltuenden Gruentoene der Orangen, Pfirsich, Zitronen und Traubenplantagen auf. Die Haeuser haben Blumen geschmueckte Vorgaerten, gepflegte Rasen, wir hoeren eine Amsel singen und sogar einen Hahn kraehen. Kurz vor Renmark passieren wir die Grenze von Victoria nach South Australia und werden wie alle anderen Reisenden kontrolliert. Die Beamten suchen hier nicht nach Drogen, Schnaps oder Zigaretten, sie suchen "Fruchtfliegen" und nehmen uns dann prompt auch ein Knoblauch, eine Zwiebel, eine Zitrone und ein par Minitomaten ab!
Etwas spaeter stellen wir uns fuer einige Tage in ein Bushcamp am Murray River und geniessen das herrliche Wetter und die endgueltige Rueckkehr in die Zivilisation! Am zweiten Tag am River, sind wir 34 Jahre verheiratet. Wir besuchen einen wunderschoenen, hundertjaehrigen Garten der Ulla's Gefuehlwelt arg  durcheinander bringt. Die Malven, die Rosen, die Hummelschaukel und die fantastischen Graeser wecken schmerzhaft, alte Erinnerungen! Am Abend sitzen wir ganz allein am Fluss. Es gibt frischen Blattsalat, wir grillieren ein feines Rindsfilet und kredenzen eine Flasche Rotwein. Das Filet hat "5-Sternkoch" Qualitaet der Wein ist super und die Aussicht auf den langsam dahin fliessenden Murray beruhigt. Papageien, ein Baumlaeuferpaerchen, der treue "Willie wagtail", ein Kookabura, "der lachende Hans" und man "sehe und staune", ein par "Fruchtliegen" am Weinglas, sind heute unsere Gaeste. Von hier folgen wir dem Murray River ueber Loxton, und Moorook bis Morgan. Wir machen einige Stops in den schoenen Camps der Riverland National Parks. Die Plaetze sind einfach, aber nett, liegen meist direkt am Fluss und weil zur Zeit nicht viel Leute unterwegs sind, werden sie kaum frequentiert. Wenn immer moeglich beobachten wir Tiere die sich in der Naehe von "friieda" aufhalten, machen einen kleinen Spaziergang oder, wenn wir solche haben, schwatzen wir mit den Nachbarn. Zum Beispiel mit dem 73-jaehrigen Mann der 8000.- A$ in seine Metalldetektoren investiert hat und damit nun mit viel Spass, fast wertlose Muenzen sucht! Ein anderer, auch interessanter  ueber 70-jaehriger Gespraechspartner erzaehlt von frueheren Zeiten, dem gesellschaftlichen Wandel und sinniert spannend ueber Gegenwart und Zukunft. Er hat listige, wache Augen, ein spitzbuebisches Laecheln, einen kleinen, sehr alten Caravan, aber offensichtlich ein grosses Wissen! 
Burra, einst Minenstadt und groesster Umschlagsplatz von Merinowolle hat uns auf Anhieb gefallen. Der gepflegte Ort hat trotz seinem frischen Erscheinen ein Hauch von Nostalgie! Die 40 Kilometer durch die sanften, weiten Huegel von Burra bis Clare sind ein reines Vergnuegen. Kornfelder so weit dein Auge reicht, Weiden vom Feinsten, gepflegte Hoefe und vor Clare die ersten Rebberge. Wir kaufen in Clare ein und lassen uns dann von "friieda" durch die fruchtbare Gegend des Clare und des noch beruehmteren Barossa Valley's kutschieren. Hier sind einige Weinberge, Bezirke, die "Wimmler/innen", Maschinen und die Kellereien, Fabriken. Aber es gibt sie noch, die Winzer die von Hand "wimmlen" und ihre feinen Trauben, 2 1/2 Jahre in edlem Holz reifen lassen. Nach der Degustation eines so gelagerten Tropfens, schalten wir das Radio ein und hoeren zu unserem Erstaunen die australische "Stubete". Die aus Balsthal stammende Frau erzaehlt Chlausgeschichten, sie spricht vom "Geisle chloepfe", einem alten Brauch im Tal und ihr Basler Partner legt "urchige" Boedeler, wie Polkas, Schottisch und Jodellieder auf und laesst sie zur Freude aller Heimweh-Schweizer ueber Adelaide Hill, in den Aether!

DAS VERRUECKTE AUSTRALIEN
In Australien ist alles anders!  Hier ist im November Fruehling. St. Nikolaus wird bei Aussentemperaturen von 35° Celsius dekoriert, Weihnachten wird barfuss und in Shorts gefeiert und rechts gesteuerte Autos fahren legal auf der linken Strassenseite. Die riesige Foederation mit einer starken Frau an der Spitze ist politisch selbstaendig, ihr offizielles Staatsoberhaupt aber, ist Charles vitale Mutter, die "Queen of England". Australien hat nur etwa 22 Millionen Einwohner, aber den Kontinent bevoelkern hunderte von Milliarden "Fliegen" und belaestigen Touris und Einheimische! Aussie's haben fuer alles Plakate. Sie machen dich auf jede Eventualitaet aufmerksam. Vorsicht feuchter Boden, sie koennten ausrutschen! Vorsicht Kabel, sie koennten stolpern!  Auf der Toilette steht: Bitte nach Gebrauch Deckel schliessen und wenn du baden gehst steht dort, "Pool open", aber zur Sicherheit wird noch eine Karikatur eines Krokodils angebracht das gerade einen "Touri frisst"! In einigen Regionen begegnet man selbst auf dem Highway nur alle 20-30 Minuten einem anderen Fahrzeug und Autofahrer gruessen sich wie Leute in einem Bergdorf! Menschen die im Winter die Sonne und die Waerme suchen, fahren hier in den Norden und Waschmaschinen haben nur einen Kaltwasseranschluss! Jeder Bach hat ein Namensschild, auf dem Highway wird jede kleine topographische Erhebung mit "Crest", bezeichnet, fuer Hochwasser sind Messlatten angebracht und am Strassenrand stehen oft so nuechterne Schilder wie: "Mach mal Pause, muede Fahrer bringen sich um"!

FUER EINMAL GANZ PRIVAT
Wenn die Blume im eigenen Garten welkt, schaut "Mann" sich oft nach etwas Juengerem um. Das ist nicht speziell und gesellschaftlich toleriert. Speziell ist, wenn die Ehefrau davon weiss, die Konkurrenz akzeptiert und daheim sogar offen und oft darueber gesprochen wird. So geschehen im Hause "friieda". Seitdem auch ich mich mit der neuen Situation zurechtfinde und das Spielchen phantasievoll spiele, geht es mir viel besser. Ich schaue meiner "Neuen" genuesslich zu wie sie sich duscht, wie sie im Garten relaxt oder sich auch sonst, meist eintoenig pfeifend mit irgend etwas beschaeftigt. Ich habe sie noch nicht getauft. Der Ohrenarzt in Bangkok hat sie Tinnitus genannt, gelacht und gemeint: Sie wird wohl ihre treuste Freundin und sie, wird Sie bestimmt bis ans Ende Ihrer Tage begleiten! Na, prost Opa! Hat Mutter also doch recht wenn sie sagt: "Die AHV kommt nicht allein".

Aus Adelaide gruessen herzlichst
Ulla & Kari




 
 

   

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