WELTREISE

HOME WIR ROUTE INFO BERICHTE KONTAKT LINKS
 

















ALLE  BERICHTE


ALLE BILDER





































 


VIETNAM
Waehrend "friieda" mit dem Autoschiff Hoegh Bejing auf einer 26-taegigen Seereise von Sydney nach Los Angeles ist, besuchen wir das uns noch unbekannte Vietnam. Ohne unser fahrendes Heim, sind wir als Rucksacktouristen unterwegs und mischen uns ungeniert unter die meist jungen Leute die auch auf diese Weise unterwegs sind, organisieren jeweils vor Ort den naechsten Schritt und fahren mit oeffentlichen Verkehrsmitteln durch das Land mit dem Einparteiensystem am Suedchinesischen Meer. Wir kommen auch in der Sozialistischen Volksrepublik die cirka 90 Millionen Menschen beherbergt nicht umhin, uns mit der Geschichte des Landes zu befassen und muessen dabei aufpassen, dass wir uns von der Auseinandersetzung mit "Agent Orange", der fuerchterlichen, westlichen Entlaubungsaktion mit dioxinhaltigen Herbiziden, sowie den aktuellen, schrecklichen Bildern aus Japan und dem menschenverachtenden Umgang mit Regimekritikern in aller Welt nicht erdruecken lassen. Wenn wir mitanhoeren muessen, wie "cool" sich westliche Analysten ueber Japans Kreditwuerdigkeit unterhalten, waehrend noch tausende Menschen vermisst werden und die Atomlobby in schier unmoeglichen Voten immer noch fuer ihr profitables Geschaeft einsteht, stehen unsere Nackenhaare bergwaerts und wir sind unendlich froh, dass unser fahrendes Heim kein Fernseher hat!

HO CHI MINH
In Saigon, dem heutigen Ho Chi Minh fuehlen wir uns rasch zuhause. Es ist zwar nicht wie in Thailand, Laos, oder Kambodscha aber, Parallelen  sind erkennbar. Der Mix aus dem allgemeinen Chaos, der schlechten Luft, dem weitverbreitenden Laecheln, der Flexibilitaet und dem Ideenreichtum der Menschen ist allen asiatischen Voelker eigen. Was hier auf der Strasse alles angeboten und verkauft wird ist unvorstellbar und die Initiativen, irgendwie zu ein par "Dong" zu kommen sind vielfaeltig. Wir essen bei einer Frau, die auf der Strasse auf einem kleinen Kohlengrill "Spiessli" zubereitet, rollen Gemuese in Reisteigblaetter, tauchen das Ganze in die dafuer bereitgestellte Sauce die in huebschen Schaelchen mit den anderen Zutaten auf einem grossen Blechteller serviert werden. Es schmeckt gut. Wir geniessen die Zwischenverpflegung auf dem Gehsteig und machen der fleissigen Frau fuer ein Laecheln und 45'000 Dong, cirka 2.- CHF, offensichtlich eine grosse Freude. Klar besuchen wir die wichtigsten Sehenswuerdigkeiten Saigons und es macht auf den Touren zur Opera, zur Kathedrale, zu der alten Post, zum Markt, oder zum 1925 errichteten, geschichtsträchtigen Hotel Majestic immer wieder Spass, zwischen stinkenden Bussen, hupenden Autos und hunderten vermummter Mopedfahrer die Strasse zu ueberqueren! Wer in Ho Chi Minh zu Fuss unterwegs ist und vorwaerts kommen will, muss ein gesundes Selbstvertrauen haben und entschlossen handeln. Spaziergaenge durch die pulsierende Stadt am Saigon River sind interessant und bieten immer wieder Ueberraschungen. Wir werden von jungen Leuten angesprochen die ihr Englisch pflegen wollen, wir bummeln durch verschiedene Geschaefte, vergleichen Angebot und Preise und suchen in einem der unzaehligen chinesischen Shops ein Ladegeraet fuer die Batterien unseres Fotoapparates. Das ist fuer Chinesen mit ihrem Beziehungsnetz kein Problem. Eine billige Kopie mit Sony-Emblem ist zu einem akzeptablen Preis im Nu auf dem Ladentisch. Am Abend interessiert uns natuerlich das kulinarische Angebot der Grossstadt. Wir lassen uns im Hotel beraten und meinen, die uns empfohlenen Lokale sind alle weiter zu empfehlen. Es stimmt nicht, dass man in Vietnam immer nur Nudelsuppe essen muss!

DIE REISE IN KUERZE
In unserer naechsten Station, in Mui Ne, wohnen wir in einem schoenen Guesthouse direkt am Meer. Das Ambiente ist gut, der Garten heimelig und das Personal sehr aufmerksam und freundlich. Wir fuehlen uns hier sofort wohl! Das, einer in der Schweiz lebenden Inderin gehoerende Haus ist eine Oase der Ruhe und wirkt auf Gaeste die soeben einige Tage im laermigen, stinkigen Ho Chi Minh verbracht haben besonders wohltuend.  Leider sind die sogenannten Sehenswuerdigkeiten um Mui Ne vor lauter Muell kaum mehr zu sehen und deshalb eher ein abschreckendes Beispiel als eine touristische Attraktion! Wer auf seiner Vietnam-Tour Mui Ne nicht besucht, verpasst definitiv nichts! In Na Trang haben wir ein Zimmer ohne Fenster! Die Stadt mit der gepflegten Flanierpromenade am Meer, mit dem alten, haesslichen, aber echten Markt und der Tempelgruppe "Po Nagar" auf einer Anhoehe ueber dem Cai-Fluss sollte man besuchen. Ueber das echte Vietnamesische Restaurant " Lac Canh" steht im Reisefueher folgender Text: "Froehlich-anarchische Garagenatmosphaere, jeden Abend brechend voll, super gut und super Preise". Wir bestellen uns das empfohlene Beef BBQ vom Tischgrill. Die Atmosphaere ist tatsaechlich wie beschrieben, das Rindfleisch laesst sich auch mit Plastikzaehnen verarbeiten, es sind keine Touris im Lokal, wir sind begeistert. Ein Highligth ist auch Hoi An! Der huebsche Ort am "Thu Bon" war schon im 16., 17. und 18 Jahrhundert wegen seinem Hafen beruehmt und wurde damals in der gleichen Liga wie Malacca und Macau gehandelt. Heute hat man als Besucher das Gefuehl, die Zeit sei hier vor einigen Jahrzehnten einfach stehengeblieben. Der alte Stadtkern ist ein architektonisches Kunstwerk, mit unzaehligen Shops, Gallerien, Pagoden und vielen guten Restaurants. Hier feiern wir auf der Terrasse eines guten Lokals, Ulla's Geburtstag. Ein vietnamesischer "Fuenfgaenger" und ein Shiraz begleiten uns durch den Abend. Die Stimmung ist gut und unsere Tischnachbarn unkomplizierte, kommunikative Australier. Wir behalten den 22.03.2011 gerne als einen gemuetlichen, kurzweiligen Abend in Erinnerung.
In Hue machen wir auch ein Stopp, bleiben aber in der Stadt mit der beruehmten Zitadelle wegen schlechtem Wetter und einer hartnaeckigen Erkaeltung drei Tage im Hotel. Wir lesen, schauen Fussballspiele wie Leverkusen - Schalke oder Udine - Catania an, ich lutschte Vietnamesische Hustenbonbons, trinke Tee und schwitze mir die Angreifer vom Leib! In der Hauptstadt wohnen wir in einem komfortablen Hotel im alten Stadtkern von Hanoi. Die Metropole ist zwar auch laermig und schmutzig, aber es gefaellt uns hier auf Anhieb. Das bunte Durcheinander aus hupenden, sich wild kreuzenden Mopeds, Strassenverkaeuferinnen, Schuhputzer und Porschefahrer ist in den engen Gassen Hanois ein ganz besonderes Erlebnis. Dazu kommt, dass Hanoi kulinarisch einiges zu bieten hat und seine Kueche auch Menschen die weder Hund noch Innereinen moegen, nicht zu kurz kommen laesst. Ein Bier vom Fass auf einem kleinen Hocker auf der Strasse, inmitten von Touris aus aller Welt, die mit dir staunend, lachend das froehliche Treiben beobachten und die vielen spontanen Gespraeche zwischen Menschen unterschiedlichsten Alters, Herkunft und Rasse sind "allererste Traveller-Sahne" und machen das Leben trotz stinkiger Luft lebenswert!
Wer nach Vietnam geht, sollte Sapa und den Sonntagsmarkt in Bac Ha besuchen! Die Bergregion nahe der Chinesischen Grenze beherbergt einige Ethnische Minoritaeten wie die Muong, Hmong, Thai, Nung oder Tay. Diese Bergvoelker sind ihrer Tradition meist noch treu, leben in Grossfamilien in sehr einfachen Behausungen und bewirtschaften die steilen Haenge ihrer Taeler ausschliesslich von Hand. Die kunstvoll angelegten Terrassen in denen vorwiegend Reis, aber auch Mais, Sojabohnen, Suesskartoffeln und in den kleinen Gaerten diverses Gruenzeug gezogen wird, sind fuer uns eine Augenweide! Fuer die hier lebende Bevoelkerung die fast jeden Quadratzentimeter ausnuetzt, beackert und bepflanzt ist dies die einzige Chance an Futter zu kommen und zu ueberleben! Lange wird das wohl nicht mehr so bleiben! Schon jetzt pilgern taeglich hunderte von Touris durch ihre Doerfer, gaffen in ihre Haeuser, in ihre Schlafraeume und fotografieren mit Vorliebe nackte "Kinderfuedlis" und tropfende Nasen!  Wer sich den Buckel auf den fuer uns so schoenen Reisfeldern nicht mehr krumm ackern will, wird Tour-Guide, oeffnet das Haus seiner Sippe fuer die zahlenden Touris, beteiligt sich an der Beiz am Bach und Frauen und Kinder versuchen mit Selbstgebasteltem zu Dollar zu kommen!

BUS UND BAHN
Weil wir schon einige Zeit unterwegs sind, springen wir nicht mehr jedem Hinweis im Reisefuehrer nach, wir besuchen nicht mehr jede Pagode und jeden Wasserfall, sondern freuen uns an kleinen, neuen Details. So sind zum Beispiel die Fahrten ueber Land mit den Bussen immer wieder ein Erlebnis. Wir fahren nicht selber, wir sind entspannt und betrachten das Geschehen neben der Strasse, die vorbeiziehenden Reisfelder mit den jungen, hellgruenen Pflaenzchen und den, auf ihren Feldern arbeitenden Menschen. Von Ho Chi Minh nach Mui Ne liegen wir relativ nobel auf der oberen Etage im Touri-Bus und haben Aussicht auf das so beruhigende Gruen der Reisfelder. Von Mui Ne bis Na Trang haben wir normale Sitze, die Fahrt dauert etwa vier Stunden und ist ohne besonderes Ereignis. Von Na Trang bis Hoi An sind wir aehnlich gebettet wie auf unserer ersten Busfahrt. Diesmal sind aber fast nur "Locals" im Bus, dieser haelt an jeder Strassenecke, bringt Post, nimmt Pakete mit, Einheimische steigen ein und aus als waeren wir im Stadtomnibus, am TV laeuft in unglaublicher Lautstaerke ein billiger Bollywood-Streifen nach dem andern, der Bus ist schmutzig und der Urindampf den ich bei einem Blitzbesuch auf dem buseigenen Haeuschen eingeatmet habe, verfolgt mich fast zwei Tage. Nach weiteren vier Stunden im Bus von Na Trang bis Hue, wechseln wir nach total 23 Stunden Bus das Transportmittel und steigen auf die Bahn um! Um 2.12 Uhr, mitten in der Nacht also, verlaesst der Zug Hue fuer die 13 stuendige Fahrt nach Hanoi. Schon der Bahnhof ist nüchtern. Wagen 4 und die Sitze 2/3, das Geschehen drum rum, die Menschen mit dem vielen Gepaeck, die Schaffnerin die den Gang des Wagens ab und zu vom groessten Muell befreit, ihn aeusserst elegant zwar, aber nur unter den hintersten Sitz putzt, das laute Geschrei aus den Lautsprecher der wackelnden Flachbildschirme, das Rattern des veralteten Rollmaterials, das unheimliche Knattern bei jedem Bremsversuch des Lockfuehrers und der Bahnhof von Hanoi, sind gute Gruende fuer eine Zugfahrt in Vietnam. Vielleicht ist es aber ratsam, sich zwischendurch zu kneifen um sicher zu sein, dass man tatsaechlich Zug faehrt und nicht irgendwo im Kino sitzt und sich ein Film der unmittelbaren Nachkriegszeit anschaut.

LAND UND LEUTE
Trotz all den Kriegen, die dieses Land fuer Ideologien einiger machthungriger Spezies aus Ost und West ueber sich ergehen lassen musste, ist in Vietnam nichts von Bitterkeit, Hass oder gar Ressentiments zu spueren. Die junge Generation schaut vorwaerts, glaubt an eine bessere Zukunft und ist stolz, heute in einem freien, unabhaengigen Staat leben zu duerfen. Bis zu einer demokratischen Freiheit und einem Wohlstand wie wir ihn haben, ist, wenn es den ueberhaupt gibt, aber noch ein langer, beschwerlicher Weg zurueck zu legen. Wir wuenschen dem sympathischen Volk,
dass es diese Chance irgendwann bekommt und dann, die Kraft und den Mut, sich von ihrem korrupten, die Entwicklung stoppenden Einheitsbrei zu befreien. Wir sind froh Vietnam besucht zu haben. Es ist eine Reise wert, es hat sehenswerte Landschaften, es ist anders, es beherbergt viele liebe, laechelnde, zufriedene Menschen von denen wir, wenn wir hinschauen, vielleicht nicht Sauberkeit und Hygiene, aber ein bisschen mehr Ruhe Gelassenheit und Toleranz mitnehmen koennen!

Aus aktuellem Anlass, melden wir uns erst cirka Ende Mai wieder. Dann, mit unseren ersten Eindruecken aus Amerika.
Es gruessen herzlichst
Ulla & Kari