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FEIERTAGE
Fuer einige Menschen sind Feiertage einfach freie Arbeitstage! Andere
finden Geschenke und die Bescherung geil, Christen feiern Christi
Geburt, Gourmets schlemmen durch diese Tage, die Nachtschwester wuenscht
sich einen andern Job und "Fahrende", hoffen auf gute
Gesellschaft oder gar lieben Besuch von daheim!
San Miguel de Allende hat uns "Beides", liebe reisende Nachbarn und Besuch von
daheim beschert! Am 24.12. sitzen Besitzer und Camper auf dem
Campingplatz zusammen. Weil jeder etwas fuer das Buffet mitbringt deckt
sich der Tisch in Kuerze mit kulinarischen Spezialitaeten aus aller
Welt. Sauerkraut mit Ananas, Wursteintopf, Fleischkuegeli, diverse
Salate, mexikanische Suppe und amerikanische Suessigkeiten zieren die
Teller, es wird geprostet und in verschiedenen Sprachen munter
gequasselt. Ein Tag spaeter sitzen wir mit den Deutsch-Kanadier Karen
und Klaus und ihrem Hund Jessie, mit Sabine und Theo aus Hamburg sowie
den Bayern Claudia und Uwe gemuetlich bei Gluehwein und echtem, leckerem Nuernberger Lebkuchen.
Auch Ulla's Minichristbaum und Sabine's Dekoartikel sorgen fuer weihnaechtliche Stimmung unter dem mexikanischen Himmel.
Am 26.12.
kommt unsere Tochter Tina und ihr Freund Stefan fuer zweieinhalb Wochen zu uns auf Besuch. Es
ist, als falle Weihnachten und Ostern zusammen! Zwei Jahre haben wir
uns nicht mehr gesehen! Die Freude ist gross, unser Weihnachtsgeschenk
ist riesig, die Emotionen sind gewaltig und die ersten Plauderstunden
sehr intensiv! Das nennt man Feiertage!
UNSER BESUCH
Tina und Stefan wohnen in einem kleinen Hotel in der Naehe von unserem
Campingplatz. Wir fruehstuecken gemeinsam in der "Friieda" schwatzen
viel, gehen einkaufen, machen Spaziergaenge zum botanischen Garten,
schlendern ueber den Dienstagsmarkt oder klopfen einige der unzaehligen
Boutiquen im Zentrum ab. Stefan und mich zieht es aber meistens etwas
frueher zurueck zu "Friieda" und dem dort, kuehl lagernden Serveza! Es
tut gut wieder einmal Maennergesellschaft zu haben! Abends entfaltet
sich "Fleischmaudi" Stefan zum Chefgrilleur und praepariert uns laessig,
gekonnt, unanstaendig dicke Rindsfilet, riesige T-Bone oder
Ribe-Eye-Steaks. Den Frauen bleibt die Zubereitung der
Zutaten und ich bin fuer den Wein zustaendig. Keine Angst, bei uns ist
nicht der Wohlstand ausgebrochen! Fleisch ist hierzulande einfach gut
und guenstig.1kg Rindsfilet kostet cirka CHF 15.-, Parmaschinken CHF
18.- und der spanische Serrano CHF 22.-: Ein guter, roter Chilene oder ein
feiner Argentinier ist fuer etwa CHF 7.- zu haben und deshalb, selbst fuer
uns erschwinglich. Tina und Stefan scheinen unsere Lage erkannt zu haben
und schenken uns bei dem ohnehin sehr emotionalen Abschied einen mit
Spezialitaeten, prallgefuellten Mammutrucksack! Uns bleibt die
Erinnerung an die Tage mit ihnen, im Kuhlschrank liegt echter
Appenzeller, feiner Greyerzer und der teure "Santo Thomas" wartet auf die
richtige Gelegenheit geoeffnet zu werden. Vielen Dank fuer alles,
"machets guet" und so Gott will, auf Wiedersehen im Herbst 2013.
GUANAJUATO
Lieblich praesentiert sich die in einem Talkessel liegende, farbenfrohe
Hauptstadt der gleichnamigen Provinz seinen Besuchern. Der Blick vom
hoch ueber der Stadt liegenden Pipila Denkmal ist sehr eindruecklich
und der Spaziergang ueber die, durch enge Gassen fuehrenden Treppen
hinunter in das Zentrum, ein Vergnuegen. Da sind schoene Plaza's und Kirchen
zu sehen oder Geschaefte fuer jeden Geschmack und die unterschiedlichsten
Budgets zu bewundern und nette, heimelige Beizli laden zum Einkehren
ein. Das ist auch gut so, denn irgendwann lechzen unsere trockenen, durstigen
Kehlen nach Serveza und die geschwollenen Fuesse schreien nach einer
Pause. Grund genug, um sich ein schoenes Plaetzchen zu suchen und die
Gemueter mit "Guacamole" und einem dunklen Indigo wieder auf Vordermann zu
bringen. Wir sehen uns noch das raffinierte Tunnelsystem der ehemaligen
Silberstadt an das die Autos voruebergehend in ehemaligen
Bergwerksschaechten von der Oberflaeche verschwinden laesst
und die Stadt verkehrsfrei und sympathisch macht. Der abendliche,
erneute Rundgang ueber die Treppen zu *Pipila" laesst uns einige
gute Bilder bei untergehender Sonne schiessen und leistet sicher auch
einen positiven Beitrag an die derzeit klaegliche, konditionelle
Verfassung.
DIE HAUPTSTADT
Mexiko-City ist eine der groessten Staedte dieser Erde. 25 Millionen
Menschen leben in der riesigen Kommune auf cirka 2300 Meter ueber Meer
die flankiert wird von den Zwillingsvulkanen Popocatépetl und
Iztaccihuatl sowie der Sierra Nevada. Sie ist der politische,
wirtschaftliche, kulturelle und soziale Mittelpunkt des Landes. Das
Zentrum von "Cuidad de Mexico" steht auf der Liste des Weltkulturerbes,
beherbergt Universitaeten, Hoch- und Fachschulen, Theater, unzaehlige,
teils weltberuehmte Museen und viele bemerkenswerte Baudenkmaeler.
Wir fahren mit Tina und Stefan am 04.01.2012 mit dem Bus von San Miguel
de Allende in die Hauptstadt Mexiko's und beziehen Quartier im "Centro
Historico", nahe dem Zocalo. Neugierig erkunden wir zuerst die naehere
Umgebung und kaufen uns dann ein Zweitagesticket fuer den Touribus.
Auf dem Oberdeck des roten Busses fahren wir stundenlang, gaffend durch
die wichtigsten Quartiere und lauschen gespannt den Erlaeuterungen der
weiblichen Stimme im Kopfhoerer. Drei weitere Tage marschieren wir zu
Sehenswuerdigkeiten, besuchen Museen, oder fahren mit der U-Bahn von
einer Attraktion zur andern. Uns fasziniert, der Zocalo, das
antropologische Museeum, der Nationalpalast, die Wandgemaelde von Diego
Rivera, die Zona Rosa, die Plaza Coyacan und der bunte Mix aus arm,
reich, alt und neu! Das Salz in der Suppe Mexiko's sind aber die, die
Stadt bevoelkernden Menschen, ihre Gastfreundschaft, ihr Laecheln und
ihre Ehrlichkeit den Touristen gegenueber. Wer Mexico oder "el De-Efe"
wie die Hauptstadt auch genannt wird besucht, kann den Platz Garibaldi
getrost auslassen, sollte aber unbedingt das Museeum von "Frida Kahlo"
besuchen. Fuer Mexiko City muss man sich mehrere Tage Zeit nehmen. Der
sympathische "Moloch" mit der ewigen Dunstglocke hat es verdient!
ERFREULICHES
Tina und Stefan haben etwas zoegerlich zwar aber, sie haben uns ueber ihre derzeit
laufenden Baustellen orientiert. Zuerst spienzelt Tina wortlos einen
auffaellig teuren Ring, dann betrachten wir uns die Plaene ihres neuen
Eigenheims, diskutieren moegliche Hypothekarmodelle, die Gestaltung
des Gartens, Umbauvarianten und sogar zu taetigende Anschaffungen
besprechen
wir sehr detailliert. Waehrend wir uns ueber den Gartenschlauch, den Rasenmaeher
und die so dringend notwendige Spaltmaschine unterhalten, sagt die auf
dem goldenen Ring sitzende Perle an Tina's Ringfinger kein Wort! Es ist wie in einem guten Krimi,
jeder weiss bereits am Anfang, dass der Gaertner der Moerder ist, aber
trotzdem lesen alle
interessiert weiter. Wer laesst wann die Bombe platzen? Nun,
irgendwann nach dem zweiten Glas Wein geben sie uns offiziell ihre
Verlobung bekannt.
Freude herrscht! Ulla ist ueberzeugt den besten Schwiegersohn in
Aussicht zu haben und ich bin froh um die Unterstuetzung
im Geschlechterkampf!
KOMISCHES
Ulla hat seit einiger Zeit Lust zu stricken. Nach den ersten noch recht
guenstigen Acryldecken ist jetzt eine noblere Wolldecke an der Reihe.
Also gehen wir in San Miguel einkaufen. In dem kleinen Laden im ersten
Stock an der San Anemira gibt es alles was Stricknadeln lieben. Dass wir
da Wolle von der Schweizer Firma Lang kaufen koennen, die allerdings in
Italien produziert wurde, verwundert uns nicht besonders. Komisch gucken
wir erst als uns die Verkaeuferin nach erfolgtem Deal mit einem properen
"TSCHAU ZAEME" verabschiedet! Nicht komisch ist, dass uns in
Mexiko ein Wohnmobil mit einer Baselbieter Autonummer begegnet. Komisch
ist nur, dass Paul und Elisabeth im Gespraech sofort auf das Stichwort
Haegendorf einsteigen und wir dann schnell feststellen, dass die ledige
Lauper ihre Wurzeln in der Gemeinde hat, in der ich aufgewachsen bin.
Ein komisches Gefuehl beschleicht mich, als wir uns hier in Mexiko ueber
Elisabeth's ehemalige
Ferienumgebung den Schluessel, die Hodels, den Homberg, das Gaessli und
ueber ihre beiden Tanten "Marieli" und "Hoffme Ruthli" unterhalten!
Nicht komisch ist, dass daheim "Datenklau" jetzt ploetzlich nicht mehr
so heisst. Nicht komisch ist auch, dass Hedgefonds mit griechischen
Staatsanleihen Geld verdienen, sofern das Land am Olymp im Maerz pleite
geht. Komisch waere, wenn wir dank Datenklau irgendwann erfahren wuerden,
dass Angela, Silvio oder Nicolas solche Fonds gekauft haben! Hoppla,
Europa!
GEMISCHTES
Am Vorabend unserer Abreise von San Miguel sind wir bei den Baselbietern
eingeladen. Pauls "Chilli con Carne" schmeckt auch den Zuerchern Esther
und Erich die ihr fahrendes, 11 Tonnen schweres "Chalet Suisse", direkt
neben Elsbeth und Paul parkiert haben. Es ist "sau gemuetlich" im
Vorzelt der "Bebbis". Es ist wohl die Mischung aus den illustren Gaesten,
aus dem Genuss von Weisswein, Tinto und Schnaps die, die Diskussion
ueber helvetisch, politisch brisante Themen so in Fahrt bringt!
"Repeticion erwuenscht"!
Kultur pflegen wir beim Besuch der archaeologisch sehr bedeutenden
Mayastaette "Teotihuacan". Die Pyramiden "de la Sol" und "de la Luna"
sind von den groessten der Welt, der "Calle de los Muertos" ist
gigantisch und das Museum zeigt fantastische Arbeiten um 100-600 nach
Christus. Dann folgt "Cholula" mit der beruehmten Kirche auf
der
Pyramide und Puebla, die Stadt in der ich die
Bikini-Reklame nicht begutachten kann, weil mitten auf der
Fahrbahn Dollendeckel fehlen und mich zu aeussert konzentriertem Autofahren
zwingen! Schoen ist die Fahrt durch die Berge in die Stadt der "Mole", nach Oaxaca.
Interessant ist die Besichtigung einer Tequila Brennerei. Das Feuer
unter dem dampfenden Kupfergeschirr, das Kuehlbad und das Roehrchen das
den Hochprozentigen von sich gibt, erinnert mich an den Eggberg. Wir kaufen
dem Bauer, fuer Heilzwecke, eine Flasche von dem, drei Jahre im
Eichenfass gelagerten Edelsaft ab!
Aus Mexiko grüssen herzlich
Ulla & Kari
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