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DER NORDEN
Der erste Eindruck von Chile reiht sich nahtlos an die Impressionen von Boliviens Sueden, dem Abstecher nach Argentinien mit den farbenfrohen Bergen von Purmumarca und der fantastischen Fahrt ueber den Paso de Jama. San Pedro de Atacama ist ein kleiner, huebscher Touristenort in der Wueste. Er ist auch Ausgangspunkt fuer verschiedene Sehenswuerdigkeiten in der naeheren Umgebung und zudem werden hier die Grenzformalitaeten erledigt. Diese sind in Chile relativ restriktiv. Wie Drogenhunde durchkaemmen freundliche, aber korrekte Zoellnerinnen unser Eigenheim und fahnden nach nicht Deklariertem. Wir sind gut vorbereitet, kochen vor der Grenze was wertvoll ist, stellen es in den Kuehlschrank und legen fuer das Selbstvertrauen der Fahnderinnen einige Frischwaren, ein paar Kartoffeln, ein halber Knoblauch und ein Apfel in ein Koerbchen. Sie nehmen es uns, wie erwartet, zufrieden weg und wuenschen uns "buen viaje".
In San Pedro de Atacama besuchen wir bei Vollmond, "nota bene", das Valle de la Luna. Wir wissen zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass der grandiose Sonnenuntergang ueber dem Tal mit den kuriosen Gesteinsformationen, den voellig unberuehrten Wanderduenen und dem, von Ulla fast vergoetterten Vulkan "Lincancabur", fuer Tage unser letztes Ereignis ist, das unsere, vielleicht auch schon etwas verwoehnten Gemueter so richtig erfreut! Denn, der Rest des "Norte Chico" ist schnell erzaehlt! In Calama verabschieden wir uns von unseren Reisegefaehrten aus dem Baselbiet, wuenschen uns gegenseitig viel Glueck, allseits gute Fahrt und hoffen auf gemeinsame Weihnachtstage, irgendwo um Ushuaia, in "Tierra del Fuego". Dann fahren wir 1500 km zwischen Calama, Antofagasta, Caldera und La Serena durch eine einzige, grosse Wueste. Diese Einoede wird auch die Gegend der "tausend Mienen" genannt. Hier wird ueberall nach Kupfer, Silber und anderen Edelmetallen gebuddelt. Die wirtschaftliche Bedeutung der Mienengesellschaften manifestiert sich denn auch in der neuen Asphaltstrasse deren Sicherheitslinien und Leitplanken, in der trockenen Gegend, waehrend Tagen, unsere einzige Abwechslung sind!

DER MYSTIZISMUS
Es lohnt sich, das inmitten der Wueste gelegene Tal des "Rio Elqui" zu besuchen. In dem subtropischen, gruenen Tal zwischen den kahlen Bergen gedeihen Trauben, Papaya, Feigen und allerlei Gemuese. Hier wird einer der besten "Pisco" produziert! Weil die Luft gut und rein, der Himmel nachts meist sternenklar ist und stoerende Lichtquellen minimal sind, ist das "Valle de Elqui" auch ein Eldorado der "Sternengucker". Auf den Huegeln der Umgebung stehen in den Observatorien die weltweit groessten Fernrohre. Europaeische Spitzentechnologie die bei uns nicht eingesetzt werden kann, weil die Lichtverschmutzung zu gross ist! Europa hat die Teleskope, Chile hat den Sternenhimmel! Wir lassen uns im Observatorium "Mamalluca" bis gegen Mitternacht in die Sternkunde einfuehren, genehmigen uns danach als Absacker noch ein "Pisco" und schlafen dann goettlich auf dem Parkplatz des Observatoriums, hoch ueber dem Dorf "Vicuna". Klar, besuchen wir das kleine Staedtchen "Vicuna" mit seiner huebschen Plaza, den alten Haeusern im Kolonialstil und der Brennerei, in dem Trauben in eine sehr sympathische Form verwandelt und in Flaschen abgefuellt werden. Der Mix aus dem subtropischem Klima, der klaren Luft, dem Schnaps, den kahlen Bergen und dem fruchtbarem Tal, in dem Solarkocher keine Seltenheit sind, foerdert auch den Mystizismus und zieht Esoteriker, Sterngucker, Moechtegern-Buddhisten und Hippies an.            

DER FRUEHLING
Viele Campingplaetze sind noch geschlossen aber die Blumen an der Kueste bluehen! Sie lassen sich vom kuehlen Wind, der vom Pazifik blaest nicht abhalten und strahlen fuer uns auf der ueber 300 km langen Kuestenfahrt um die Wette! Ab La Serena bis kurz vor Santiago de Chile gleicht die Gegend einer grossen Gartenanlage. Ulla meint, hier wachsen cirka dreissig verschiedene Blumen, bunt und einmal mehr, traumhaft schoen arrangiert von "Mutter Natur". Es tut gut nach zwei Monaten Berge, Paesse, Wueste und Sand, wieder Gras und Straeucher wachsen, neue Blaetter spriesen und Fruehlingsblumen, bluehen zu sehen. Am 10.10. also 4 1/2 Jahre nach unserem Start, fahren wir durch das Skigebiet "Portillo" und den 3900 m langen Tunnnel, durch die Anden nach Argentinien. Kurz vor der Grenze ueberholen uns hupend und winkend, vier Berner Motorradfahrer. Wir treffen sie spaeter auf dem Parkplatz des Mirador's vom 6960 m hohen und hoechsten Berg Amerikas, dem "Aconcagua", bestaunen ihre grossen BMW's und plaudern ein wenig ueber unsere gemeinsame Leidenschaft!
Sie fahren in den Norden, wir an diesem Tag noch suedoestlich bis Mendoza. Die Stadt der Baeume ist wohl weltweit einzigartig. Ohne den riesigen "Parque San Martin", sollen 50'000 Baeume die Strasen saeumen. Wir haben sie nicht gezaehlt, aber wir haben uns hier auf Anhieb wohl gefuehlt. Mendoza ist mit etwa 900'000 Einwohner eine Grossstadt, strahlt aber die Ruhe und Gelassenheit eines kleinen, sympathischen Dorfes aus. Wir stehen direkt neben dem Stadium, das zur Fussballweltmeisterschaft 1978 erbaut wurde und heute, Austragungsort des Laenderspiels zwischen Argentinien und Uruguay ist. Wir sehen das Spiel auf der Leinwand im Camping mit der Laermkulisse aus dem Stadium! "Messi" und seine Kollegen spielen erfrischenden, modernen Fussball. Die genialen Techniker kombinieren Spielwitz, Kampfgeist und Lust am Spiel auf hoechstem Niveau. Wir werden in "Sepp Blatter's" Goldgrube zwar nicht gehandelt, aber unser Punktestand laesst vermuten, dass wir schon 2013 nach Brasilien fahren!

DIE PAMPA
Ein paar hundert Kilometer suedoestlich von Mendoza folgt die weite Ebene, der fuer uns so unvorstellbar grossen Busch- und Grasflaeche. Sie ist Argentiniens Mekka fuer Ackerbau und Viehzucht. Riesige Farmen, kaum Menschen, ab und zu eine Rinderherde und schnurgerade Asphaltstrassen praegen die windige Gegend der Provinzen San Luis, Colorado, La Pampa, Rio Negro und Teile Patagoniens. Wir unterbrechen die eintoenigen Fahrten in den NP "De Las Quijadas" und "La Luro", goennen uns ein paar Tage Erholung und freuen uns ueber die Ruhe und die fantastischen Begegnungen die uns die Natur auch hier wieder bietet. Wenn wir bei Neumond ganz allein, irgendwo draussen im "nowhere" ohne stoerende Licht- oder Laermquelle mit einem "Pisco" in der Hand den Nachthimmel bestaunen, dann fuehlen wir uns gut. Wenn Pampahasen, das groesste Mitglied der Meerschweinchenfamilie, vor dem Camper grasen, ein Guanaco vorbei stolziert, Graufuechse uns neugierig besuchen oder der schlichte, aber grossartige Saenger und Kunstnestbauer Hornero, auch Lehmhans genannt, die schoenste Seite seines Ehelebens ungeniert vor unseren Augen auslebt, dann ist das fuer uns einfach wunderbares Relaxen und Futter fuer die naechsten zwanzig Stunden monotones, sich am Lenkrad festhalten! Nun, Argentinien ist halt etwa 8 x groesser als Deutschland und vom Norden des Landes bis Ushuaia sind mindestens 5300 km zurueckzulegen! Dem Erfinder des "Tempomaten", sei Dank!

DIE ARGENTINIER
Viel haben wir auf dem Weg von Mendoza bis Puerto Madryn von dem grossen Land noch nicht gesehen, aber ein paar Eindrücke, Eigenheiten und Begegnungen sind trotzdem haengengeblieben. Wir meinen, dass Argentinier schlecht organisierte, aber hilfsbereite und freundliche Improvisations- und Lebenskünstler sind! Nirgendwo verkehren so selbstverstaendlich, unglaublich klapprige, alte Autos und feinste Nobelkarossen auf der selben Strasse! Kaum in einem Land wird so viel feines Rindfleisch produziert und in keinem andern Land der Welt werden die Grill's so oft benutzt und ueppig belegt wie hier! Argentinier lieben ihre Fleischpartys die sie "Asado" nennen, ueber alles. Sie keltern gekonnt die besten Weine und legen Stolz, Grazie und Eleganz, gepaart mit Lust am Leben in ihre Musik, in ihren Tanz, den "Tango". In Argentinien ist das erste nicht immer das letzte Wort und oft weiss die Linke nicht was die Rechte tut!
So geschehen an der Grenze! Ein Zoellner verlangt zwingend eine Haftpflichtversicherung obwohl uns diese vorerst niemand verkaufen will und sich spaeter bei Polizeikontrollen und der zweiten Einreise ins Land, kein Mensch darum kuemmert! Im National Park "Luro" verkauft uns die Parkverwaltung ein Platz auf dem Camping obwohl die Dusche nicht funktioniert und wir am Muttertag dort gar nicht stehen duerfen! Wenn etwas schief geht, aendern sie zwar nichts, aber sie sagen wenigstens freundlich laechelnd: "pardone Caballero"! Aber die Menschen sind nett! Ein aelterer Mann ist begeistert von "Friieda" und unserer Reise. Ein Ehepaar gibt uns Tipps fuer unsere Fahrt in den Sueden und die ebenfalls Fahrenden Franzi und Pablo markieren auf unserer Karte nicht asphaltierte Strassen. Der saftig, knusprige "Schlegel" der uns ein Grillnachbar als "Versucherli" vorbei bringt reicht bei uns normalerweise fuer zwei Mahlzeiten und der Chef einer Mercedes Garage kontrolliert "Friieda" hoechst persoenlich und beantwortet meine Fragen seelenruhig und selbstverstaendlich gratis! Hier ist vieles anders!     In dem, den Binnenmarkt schuetzenden und sich wirtschaftlich zusehends isolierenden Land, ist das Gefaelle von der Stadt zum Land gross. Es wird wenig investiert und in weiten Teilen des Landes wird kaum ein Peso ausgegeben fuer Unterhalt. Es tropft, quietscht, rostet und blaettert an allen Ecken und Enden. Hier ist wirklich alles anders, hier bringt der Suedwind kalte und der Nordwind warme Luft und Weihnachten ist im Sommer!

Aus Argentinien gruessen herzlich
Ulla & Kari