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JANUAR 2013
Argentinien hat uns seine landschaftliche Vielfalt auf unserer Tour von den Anden durch die trockene Pampa, ueber Buenos Aires, das feuchte Entre Rios, und das tropische Misiones nochmals gut praesentiert. Am ersten Januar essen wir in Chile frische Kirschen vom Baum und fahren auf dem Weg zur Grenze durch Gebiete die in Bayern liegen koennten. Die Siedler der zweiten, dritten Generation koennen ihre Herkunft nicht verheimlichen. Ihre Haeuser, die gepflegten Felder, die Kirsch- und Apfelbaeume, die Gemuesegaerten und natuerlich die Namen ihrer "Estanzias" sprechen eine zu deutliche Sprache. Neu und deshalb auch interessant, ist der P.N. Lanin und bewundernswert die Kombination der hier wachsenden "Araukarien" mit der schneebedeckten Kuppe des Vulkan's "Lanin". Die viel bejubelte "Ruta de los siete Lagos" und das touristische "San Martin de los Andes" hauen uns nicht vom Hocker! Wir uebernachten zwar einmal am idyllisch gelegenen Lago "Hermoso" aber die Andenlandschaft mit zahlreichen Seen und Flüssen und den bewaldeten Taeler zwischen den Bergen ist nicht nach unserem "Gusto". Wir sind halt bereits "Pampahasen" und meiden uebervoelkerte Gebiete und Luft, die von lauter Disco-Musik und Sonnencreme geschwaengert ist! Spannend sind dann die 1000 km nach Buenos Aires. Sie fuehren zuerst auf einer schnurgeraden Strasse, durch absolut flache, trockene Gebiete in denen hoechstens ein paar Graeser und maximal kniehohe Straeucher wachsen. Eine kleine Oase in dem Duerregebiet ist der N.P. Lihué Calel, eine ehemalige "Estanzia". Der selten besuchte Nationalpark liegt in einem Wuestengebiet mit einem jaehrlichen Niederschlag von nur 400 mm und dennoch reicht das Wasser fuer eine artenreiche Vegetation. Die letzten 400 km bis zur Hauptstadt sind gepraegt durch eine ueppig gruene, mit Wasser gesegnete Region auf der uns waehrend hunderten von Kilometern riesige Felder mit Sonnenblumen, Mais und Sojabohnen bis kurz vor die Hauptstadt begleiten. Ein Zweitagesticket erlaubt uns die Stadt des "Tangos", angenehm auf dem offenen Oberdeck des Doppeldeckers zu besichtigen. Die Stadt mit den vielen Gesichtern verpasst uns aber trotzdem geschwollene Fuesse! Es kann halt nicht alles sitzend angeschaut werden. Wir verlassen Buenos Aires mit guten Erinnerungen und ziehen nordwaerts. Nach den Suedkordilleren, den Vulkanen, der Pampa und der Metropole ist nun noch das Zweistromland "das argentinische Mesopotamien" mit der huegeligen, sumpfigen Landschaft zwischen dem "Rio Parana" und dem "Rio Uruguay" an der Reihe. Die mehrere Kilometer breiten, traege dahin gleitenden Gewaesser erinnern oft eher an Seen als an Fluesse und das zwischen ihnen liegende Feuchtgebiet ist, da wo es noch nicht von "Industriebauern" trocken gelegt wurde, ein Paradies fuer viele Vogelarten, Reptilien und Insekten! Palmen, Stoerche und verschiedene Reiher saeumen die Strasse, schoen gezeichnete Warane kriechen durch die Gegend und am Abend weist "Vizcacha-Vater" seine Kinder, vor seinem Bau, lautstark in die Schranken. Freude macht uns die huegelige Provinz Misiones mit den Tee- und Tabakplantagen, den kleinen, farbenfrohen Haeusern, den winkenden Menschen, den "Saltos de Mocona" und den im Laenderdreieck Argentinien, Paraguay und Brasilien liegenden, unvergleichlichen Wasserfaellen "Iguazu". In der "Guarani-Sprache heisst das Naturwunder Iguazu absolut treffend, "grosses Wasser". Auf einer Laenge von 2.5 km stuerzen donnernd, zischend und brausend in 275 Einzelfaellen 2000, in Spitzenzeiten 7000-10000 m3 Wasser in der Sekunde in zwei Stufen von 60 bis 90 m in die Tiefe und legen eine ganze Region in feine Nebel. Regenbogen bilden sich und verzaubern die mit Schoenheit ohnehin nicht geizende Region mit der einmaligen Fauna und Flora in eine absolute Maerchenwelt. Wir nehmen uns fuer "grosses Wasser" bewundernd und wohl wissend, dass wir etwas aehnliches nie mehr sehen, viel Zeit und schlendern sowohl in Argentinien als auch in Brasilien je ein ganzer Tag durch den Park!

UNTERWEGS
Am 01.01.2013 staunen wir nicht schlecht, als man uns kurz vor der Grenze stoppt und erklaert, dass der chilenische Grenzposten an Silvester vollstaendig abgebrannt und fuer cirka zwei Wochen nicht mehr passierbar ist. Der naechste Grenzuebergang liegt als einzige Alternative etwa 300 km noerdlich!            Uns kommt sofort das Horoskop des Tagesanzeigers in den Sinn, das den Widdern raet, 2013 zu vergessen und auf 2014 zu warten! Nun, Widder hin, Widder her, wir wollen zurueck nach Argentinien und muessen den Umweg in Kauf nehmen.
Im P.N. Lihué Calel gefaellt uns die Aussicht von einem etwa 600 Meter hohen Granithuegel auf die unendlich scheinende Pampa so gut, dass Ulla vorschlaegt am naechsten Morgen auf dem Huegel zu fruehstuecken. Ich bin von dem Vorschlag zuerst nicht begeistert, lasse mich dann aber ueberreden den Kaffee, die Broetli, den Butter, die Konfituere, den Kaese, den Salami, das Joghurt und die Aepfel samt Servietten und Geschirr auf den Berg zu tragen. Marschzeit eine Stunde! Aber, es hat sich gelohnt. So muessen einst Koenige getafelt haben!
In Buenos Aires stehen wir auf einem zentral gelegenen 24h Parkplatz direkt am Meer. Nichts besonderes, aber die Lage ist ideal fuer die Besichtigung der Metropole und es weht auch bei 30° C immer ein angenehmes Lueftchen. Der Besitzer weiss das und verkauft den Parkplatz zum stolzen Preis von 20 $/Tag. Er erklaert uns, dass die Sache rund um die Uhr bewacht ist, dass es in dem scheusslichen Raum den er auch als Kueche benutzt Wasser und sogar ein "Bano" gibt. Als wir das stille Oertchen benutzen wollen brauchen wir seine Hilfe, weil die Spuelung nicht geht! Kein Problem, draussen steht ein Kuebel. Ihr muesst ihn nur mit Wasser fuellen hinein tragen und spuelen und falls ihr eine Tuere braucht fuer das "Haeuschen", nehmt das Brett das dort am Kuehlschrank steht! "Argentinien wie es leibt und lebt"!
Boca ist auch tagsueber kein sicherer Stadtteil von Buenos Aires, aber man muss ihn sehen, er ist lebendig, bunt und angeblich die Wiege des Tangos. Dieser wird hier zwischen den farbenfrohen Blechhuetten und den vielen Beizen fuer die Touristen noch immer kommerziell sehr erfolgreich zelebriert! Aber wirklich gelebt wird er leider nur noch selten. Boca hat zum Tango wohl die gleiche Beziehung wie Maienfeld zum "Heidi"! Unverrueckbar wie eine Festung, steht dafuer das Fussballstadium der Boca Juniors im Viertel. Das "Bombonera" ist die Fussballschule, eine Art Religion mit Uebervater "Diego Armando Maradona" und nebst den Touristen die einzige Hoffnung des von oben voellig vergessenen Quartiers. 
Auf der RN 14 in Richtung Concordia ueberholt uns hupend ein Auto in dem uns lachende Fahrgaeste mit ihren Schweizerpaessen zuwinken und so mancher Argentinier erzaehlt uns stolz, dass auch seine Wurzeln im Land mit den vielen Bergen liegen! In Concordia erreicht uns die Nachricht, dass unser Reisefreund Paul in Puerto Madryn im Spital liegt! Wir sind froh, dass es ihm bereits wieder besser geht und freuen uns auf ein Wiedersehen irgendwo an der Kueste in Uruguay! Ein Schock ganz anderer Art, verpasst uns die Basis mit zwei Einladungen. Der kleine Bruder wird 60ig Jahre alt! Das koennen wir noch verkraften, es laesst uns Spielraum, wir koennen es schoenreden. Die Einladung zur Haegendoerfer Altersfasnacht mit Abholdienst aber, ist der finale "Gongschlag"! Jetzt gehoeren wir dazu, Pro Senectute laesst gruessen, das Alter hat uns! Nun, wir wissen nicht ob die einladende "Haegageri-Gugge" weiss, was sie fuer unseren Transport von und zurueck nach Brasilien berappen muss, danken aber herzlich fuer die Einladung und teilen ihr mit, dass wir uns gerne abholen lassen! Das Motto "Ab i Suede" passt uns!
Man kann die Argentinier die immer, ueberall und zu jeder Zeit Maté-Tee trinken moegen oder nicht, man kann sich gelegentlich ueber sie aergern, weil sie auch dann selbstsicher Auskunft geben wenn sie keine Ahnung haben, aber sie haben auch ihre laessige Seite! Sie sind hilfsbereit, grosszuegig und lassen einander im Frieden. Wir koennen an Tankstellen uebernachten, haben Internet, Wasser und oft sogar Duschen ohne jegliche Verpflichtung und wenn wir unterwegs ein Fruehstuecksplatz suchen, duerfen wir immer auf ihre Spontanitaet zaehlen. Wie kuerzlich! Wir stellen "Friieda" auf einem Straesschen das zu einer Firma gehoert, in den Schatten eines Baumes und bevor wir fragen koennen, ob das in Ordnung ist, laechelt ein Mann und sagt mit einer laessigen Geste: "tranquillo"

Es war schoen hier, wir haben viele Perlen gesehen, "caballero tranquillo" ist uns oft begegnet und trotzdem werden wir Argentinien nicht in unsere Hitliste fuer   moegliche Alterswohnsitze aufnehmen.

Es grüssen herzlich
Ulla & Kari