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GRANDE COSTA D'AVORIO
Eine Seefahrt die ist lustig, eine Seefahrt die ist schoen..., ist bezogen auf die 26 taegige Fahrt mit der Grande Costa D'Avorio von Montevideo, ueber Santos, Victoria und Dakar nach Hamburg, eine masslose Untertreibung! Attribute wie wunderbar, grossartig, "das Tuepfchen auf das I" oder "der kroenende Abschluss" sind fuer diese Reise treffender!  210 Meter ist sie lang, 35 Meter breit, unser Ausgehdeck liegt 30 Meter ueber dem Wasserspiegel, sie kann 26'000 Tonnen Fracht aufnehmen, braucht in 24 Stunden 60'000 Liter Diesel, hat eine Wasseraufbereitungs-, ja sogar eine eigene Klaeranlage! 28 Mann Besatzung halten rund um die Uhr den Kurs, organisieren die Fracht, pflegen die Maschinen, zaubern in der Kueche und sorgen sich um das Wohlergehen der neun Passagiere. Unsere huebschen Kabinen mit eigenem Bad liegen auf Deck Nummer 11. Da befindet sich auch ein kleiner Speisesaal, ein Aufenthalts-, und ein eher duerftig eingerichteter Fitnessraum mit einem "Doeggeli-Kasten", einer Tischtennisplatte, einem Rudergeraet und einem Fahrrad, das mein altes Bikerherz zwar nicht hoeher schlagen laesst, mir aber im Kampf gegen den "Schwimmgurt" gute Dienste leistet. Die drei taeglichen Mahlzeiten "à la Italiana" hinterlassen Spuren!

TAGESABLAUF
7.30-8.30 Uhr Fruehstueck, 11.00-12.00 Uhr Mittagessen, 18.00 Uhr Nachtessen! Dazwischen spielen wir Tischtennis, strampeln auf dem Fahrrad, lesen, hoeren Musik, arbeiten am Bericht Nummer 70 oder liegen in den Liegestuehlen auf dem Oberdeck an der Sonne. Ab und zu unterbricht der Kapitaen die Ruhe mit einer "Mann ueber Bord" oder "Feuer an Deck 11" Uebung, laesst die Sirene das entsprechende, ohrenbetaeubende Signal ertoenen und schreit dann zur allgemeinen Beruhigung, "attention please, attention please, this is a drill, this is a drill" ins Mikrophon. Die Besatzung besammelt sich bei der Master Station und wir Passagiere sitzen wartend mit Helm und Schwimmweste im Aufenthaltraum. Ist der Drill vorbei und die Uebung erfuellt geht die Mannschafft zurueck an die Arbeit und wir legen uns wieder in die Liegestuehle. Am Abend sitzen wir meistens im Aufenthaltsraum plaudern ueber unsere Reisen oder schauen uns Dokumentar-, gesellschaftskritische, aber auch gute Unterhaltungsfilme an. Evi und Hans aus Wupperthal, Silvia und Per aus Berlin, die Berner Laura und Heiri sowie Toni aus Sempach sind unsere Reisegefaehrten. Wir haben wieder einmal Glück! Die Truppe ist heterogen aber gut! Die vom Leben, vom Beruf, von der Stadt oder dem Land gepraegten Charakteren koennten unterschiedlicher gar nicht sein und doch ist die Stimmung gut, es harmoniert. Toni, der 73 jaehrige, baertige Bauer lockert die Szene oft mit trocken vorgetragenen Witzen und quittiert sie jeweils mit einem ansteckenden, erfrischenden Lachen. Weltumsegler Per erzaehlt uns Landratten von seinen Erlebnissen auf hoher See und untermauert seine Beziehung zu "Neptun" mit einem huebschen Taufschein fuer alle Neulinge bei der Ueberquerung des Aequators.

KUECHE
Vieles wird unterwegs ueber Grimaldi erzaehlt, einiges mag ja sogar stimmen und die Unterschiede sind von Schiff zu Schiff bestimmt vorhanden. Aber auch bei diesem Thema ist es, wie so oft in der Travelerszene besser, sich selber ein Bild zu machen. Die Geschmaecker sind verschieden, die Ansprueche vielfaeltig und ueber das Preis-, Leistungsverhaeltnis kann man sich immer streiten. Uns gefaellt es auf der "Grande Costa D'Avorio" sofort und wir sind allen Kritiken zum Trotz, rundum positiv ueberrascht! Vincenzo, praepariert das Fruehstueck putzt unsere Kabinen und serviert uns taeglich das Mittag- und das Abendessen. Der runde Tisch ist weiss gedeckt, ein Flaeschchen Wein steht da und nach jedem Gang wird neu aufgedeckt!  Pasta al dente, Fisch mit Salat, Carne und ein Apfel zum Dessert sowie ein feiner Espresso im Aufenthaltsraum, ist nur ein Beispiel aus der Kueche des korpulenten Kapitaens der offensichtlich ein Geniesser ist.
Sein Koch begleitet ihn von Schiff zu Schiff und beglueckt nun auch uns mit seinen, leider etwas kalorienreichen Variationen!  

TRAEUMEN
Der bei 14 Knoten friedlich tuckernde Diesel, die glatte See und der stahlblaue, wolkenlose Himmel ueber der unendlich scheinenden Wasserflaeche wecken ganz besondere Gefuehle. Spektakulaere Sonnenuntergaenge, vorbeiziehende Delphine, Seevoegel die als Kunstflieger die Thermik des Schiffes ausnuetzen, oder das Spiel der quierligen, unermudlichen fliegenden Fische laesst auch hart gesottene, erfahrene Traveler staunen. Wir sitzen oft in Gedanken versunken im Liegestuhl auf Deck und traeumen in den Tag hinein. Den Aequator ueberqueren wir mit einem Glas Wein, bei herrlich sommerlichen Temperaturen und bei Vollmond! Ab Dakar empfaengt uns der Norden! Es ist zwar immer noch schoen, die Sonne erwaermt das Deck, aber kuehle Winde lassen uns am Abend wieder lange Hosen und Pullis tragen. Nun ist bald ausgetraeumt! Die Realitaet hat uns wieder! Wir denken an Daheim, an unsere Kinder, an die Familie und Freunde, aber auch wehmuetig an die tollen Jahre in "Flip-Flop" und Shorts!
 
HAEFEN
Santos ist der erste Hafen den wir anlaufen. Neugierig schauen wir dem Geschehen zu, staunen wie der Lotse ueber die wackelnde Leiter an Bord klettert, wie
die Brummis unsere 50'000 Tonnen an den Steg schieben, wie die Bruecke gesenkt wird und wie wenige Minuten spaeter Lastwagen, Personenwagen und Container aus dem Bauch des Schiffes gefahren werden. Ein wenig spaeter haben wir Ausgang! Ein Shuttlebus bringt uns in den Seemannsclub in der Stadt. Hier gibt es Internet und fuer die Nimmersatten in der Naehe ein Einkaufscenter! Zum Nachtessen sind wir wieder zurueck auf dem Schiff. Zwei Tage spaeter warten wir vor der brasilianischen Kueste bereits auf die Erlaubnis den zweiten Hafen anlaufen zu duerfen. Die grossartige Kulisse von Victoria werden wir so schnell wohl nicht vergessen. Die Einfahrt in den Hafen ist zu einmalig. Sie fuehrt unter einer gigantischen Bruecke in einen engen Kanal der in einem sehr huegeligen Tal liegt. Die Ueberbauung der steilen Haenge wird nur von riesigen Granit-Monolithen unterbrochen, die Ufer sind mit modernen Geschaefts- und Wohnhaeusern belegt und auf der Seepromenade rollt der Geschaeftsverkehr. Auf dem grossen Schiff ist dies alles zum Anfassen nahe und die Hafenausfahrt bei Dunkelheit ein ¨grossartiges Spiel des Lichts! Dakar ist da ganz anders! Die Stadt hat nicht viel zu bieten. Waeren da nicht die farbenfroh gekleideten Menschen und die Marktstaende der Haendler, muesste man kaum auf ein Spaziergang vom Schiff gehen. In Dakar ist an Bord die Sicherheit das Thema Nummer eins! Weil die hier angewendeten Tricks mittlerweile bekannt sind, werden auch Tueren verriegelt die sonst immer offen stehen. Extra angebrachte Klebebaender erleichtern der Crew den Kontrollgang vor der Abfahrt und der Stacheldraht vor den Fenstern erschwert potentiellen "Schwarzfahrern" den Einstieg. Zwoelf Personen einer Sicherheitsfirma ueberwachen die Decks, die Mannschaft kriegt eine Sonderpraemie fuer den Aufenthalt in gefaehrlichen Gewaessern, und wird belohnt, wenn wir ohne einen "blinden Passagier" auslaufen!  In Afrika hat das gute, alte Europa offensichtlich immer noch einen guten Ruf!
 
Moin, Moin, aus Hamburg und bis bald daheim!
Ulla & Kari